Die Polizei bekommt einen Drohnenchef
08.10.2026 BaselbietDie unbemannten Fluggeräte sollen vermehrt zum Einsatz kommen
Ob bei der Suche nach vermissten Personen, bei Autounfällen oder bei der Abwehr unbekannter Fluggeräte: Die Baselbieter Polizei will sich im Drohnenbereich besser aufstellen. Dafür will sie mehr Drohnen ...
Die unbemannten Fluggeräte sollen vermehrt zum Einsatz kommen
Ob bei der Suche nach vermissten Personen, bei Autounfällen oder bei der Abwehr unbekannter Fluggeräte: Die Baselbieter Polizei will sich im Drohnenbereich besser aufstellen. Dafür will sie mehr Drohnen beschaffen und einen Leiter einsetzen.
Janis Erne
Die Anforderungen im Drohnenbereich würden «stetig grösser und komplexer», schreibt die Baselbieter Polizei auf Anfrage der «Volksstimme». Daher will sie den Einsatz der unbemannten Fluggeräte ausbauen und eine neue Stelle schaffen. Ab dem kommenden Jahr soll ein «Technischer Leiter Drohnen» die Fluggeräte koordinieren, wie dem Aufgaben- und Finanzplan des Regierungsrats zu entnehmen ist. Bislang werden die Drohnen von den einzelnen Diensten innerhalb der Polizei betrieben und gewartet.
Die neue Funktion ist Teil des Korpsausbaus bis Ende 2032, den der Landrat vor nicht ganz zwei Jahren beschlossen hat. Für 2027 sind 15 zusätzliche unbefristete Stellen vorgesehen. Verstärkt werden unter anderem die Sicherheitspolizei, die Forensik und die Bekämpfung der Strukturkriminalität.
Der Drohnenchef soll laut Polizei auch dafür sorgen, dass die Behörde immer auf dem aktuellen Stand der Technik ist. Die neue Fachperson wird zudem für die Aus- und Weiterbildung der Drohnenpiloten sowie die Beschaffung neuer Fluggeräte zuständig sein. Ausserdem soll sie Konzepte und Einsatzunterlagen erstellen, wie es auf Anfrage weiter heisst.
Heute hat die Baselbieter Polizei rund 15 Drohnen im Einsatz. Die Fluggeräte werden beispielsweise bei der Suche nach vermissten Personen, bei der Aufnahme von Verkehrsunfällen oder in der Forensik genutzt. Die Polizei erklärt, die Flotte vergrössern zu wollen. Mit dem Ausbau folgt das Baselbiet einer Entwicklung, die auch bei anderen Schweizer Polizeikorps zu beobachten ist.
Abwehr von Bedrohungen
Drohnen beschäftigen die Polizei nicht nur als eigenes Einsatzmittel. Auch die Abwehr fremder Fluggeräte ist inzwischen ein Thema. Die Baselbieter Polizei hat die Drohnenabwehr nach eigenen Angaben als «strategisches Handlungsfeld» definiert. Wie die Abwehr funktionieren soll, ist offen.
Die Entwicklung ist gerade mit Blick auf kritische Infrastruktur von Bedeutung. Dazu zählen im Baselbiet zum Beispiel die Hafen- und Industrieanlagen in Muttenz und Birsfelden sowie Bahn- und Autobahnverbindungen. Die Polizei verweist der «Volksstimme» gegenüber auf die rasche Entwicklung in diesem Bereich. Diese erfordere eine enge und kontinuierliche Abstimmung mit internen und externen Partnern über die Kantonsgrenzen hinweg.
Dass solche Situationen nicht nur theoretischer Natur sind, zeigten kürzlich zwei Fälle aus den Kantonen Aargau und Solothurn. Im Juli wurden mehrere Drohnen in der Nähe des Kernkraftwerks Gösgen gesichtet. Und beim Stromknotenpunkt in Laufenburg sorgte vor einem Jahr eine Drohnensichtung für Aufsehen, wobei sich später herausstellte, dass eine von der Netzbetreiberin Swissgrid beauftragte Firma einen Kontrollflug durchführte.
International sind Flüge unbekannter Drohnen über kritischer Infrastruktur ein noch grösseres Thema. In mehreren europäischen Ländern wurden in den vergangenen Monaten entsprechende Vorfälle registriert, bei denen teilweise eine Verbindung zu Russland vermutet oder gar nachgewiesen wurde, wie westliche Geheimdienste verlauten liessen.
