Die Konsequenzen aus der Katastrophe
30.10.2026 BaselbietGefordert sind Staat und Industrie
Der Brand von Schweizerhalle ging im kollektiven Bewusstsein nicht rasch vergessen, wie dies Bundesrat Egli 1986 prophezeit hatte. Vielmehr führte er zu Massnahmen zum Schutz von Mensch und Umwelt und einer Sensibilisierung der Bevölkerung im ...
Gefordert sind Staat und Industrie
Der Brand von Schweizerhalle ging im kollektiven Bewusstsein nicht rasch vergessen, wie dies Bundesrat Egli 1986 prophezeit hatte. Vielmehr führte er zu Massnahmen zum Schutz von Mensch und Umwelt und einer Sensibilisierung der Bevölkerung im Umgang mit dem Gefahrenherd Chemie.
abi. Sandoz-Konzernleitungs-Vizepräsident Hans-Peter Sigg, der Baselbieter Regierungspräsident Werner Spitteler und die Autorin Toya Maissen zogen in einer Sondersendung des Fernsehens DRS aus Basel ein Jahr nach dem Brand eine erste Bilanz der Katastrophenverarbeitung. Zusätzliche Brandmauern, Rauchmelder und Sprinkleranlagen sind von der Sandoz eingerichtet worden. Für 15 Millionen Franken wurde ein 15 000 Kubikmeter fassendes Rückhaltebecken für Löschwasser bei einem allfälligen weiteren Brand erstellt, damit verhindert werden kann, dass kontaminiertes Wasser wieder ungefiltert in den Rhein fliessen und das Leben darin abtöten kann. 117 Chemie-Produkte wurden aus Sicherheitsgründen aus dem Sortiment gestrichen.
Das Vertrauen in die Chemie verwandelte sich in ein Misstrauen mit der Forderung nach stärkerer Kontrolle der chemischen Industrie durch die Behörden. Der Baselbieter Regierungspräsident Werner Spitteler zeigte in der Fernsehsendung Grenzen dieser Kontrollen auf: «Wir können nicht zu jedem Chemiker der Industrie einen eigenen Chemiker zur Überwachung abstellen.» Er verlangte einen Ausbau der Eigenverantwortung der Industrie und sah die Aufgabe des Staats in der Kontrolle und Koordination dieser Eigenverantwortung, was einen Ausbau des Sicherheitsinspektorats und des Amts für Katastrophenvorsorge bedingte.
Hans Peter Sigg, Vizepräsident der Sandoz-Konzernleitung, verwies auf die bisherigen jährlichen Investitionen von 700 Millionen Franken der Sandoz für die Erhöhung der Produktesicherheit. Er kündigte an: «Nach dem Brand müssen wir jetzt aber wieder über die Bücher.»
Fischereiverbot aufgehoben
Die Umsetzung der Konsequenzen ist ein Jahr nach dem Brand nicht abgeschlossen. Toya Maissen, die Co-Autorin eines Buchs über die Katastrophe: «Mir fehlt insbesondere die Entwicklung eines langfristigen ethischen Verantwortungskonzepts.» Erste Fortschritte zeigten sich bereits 1987. Das Fischereiverbot für den Oberrhein wurde aufgehoben. Die nachgewachsene Fischpopulation war nicht mehr kontaminiert vom Sandozbrand. Das ökologische Handeln ist ein Dauerauftrag, an dem auch der Bund beteiligt ist. Der Bundesrat setzte 1991 eine neue Störfallverordnung in Kraft, die den Umgang mit Gefahrenpotenzialen regelt, wovon die chemische Industrie in der Region Basel besonders betroffen ist. Risikoermittlungen, Sicherheitsmassnahmen, sicherheitsrelevante bauliche und technische Gestaltungen, Kontrollen, Meldestellen für Störfälle, die internationale Zusammenarbeit und vieles mehr werden detailliert vorgeschrieben.
Die Umsetzung der Vorgaben wird von den Behörden regelmässig überprüft.
