«Die Kinder sollen gemeinsam etwas erleben»
24.07.2026 PersönlichSeit 23 Jahren organisiert der Lausner Tom Weber das «Kids4Fun»-Sommerlager. Im Interview spricht er über die letzten Vorbereitungen, den Wert einer Woche ohne Handy und weshalb ihn kaum noch etwas aus der Ruhe bringt.
Pascal Kamber
Herr ...
Seit 23 Jahren organisiert der Lausner Tom Weber das «Kids4Fun»-Sommerlager. Im Interview spricht er über die letzten Vorbereitungen, den Wert einer Woche ohne Handy und weshalb ihn kaum noch etwas aus der Ruhe bringt.
Pascal Kamber
Herr Weber, morgen Samstag beginnt das 24. «Kids4Fun»- Sommerlager. Was überwiegt zurzeit: die Vorfreude oder der Organisationsstress?
Tom Weber: Jetzt kommt der Stress. Ich muss noch ganz viele kleine Anpassungen erledigen. Zum Beispiel dafür sorgen, dass bei der Hin- und Rückreise alle Kinder ihren Platz haben. Aber das ist zu diesem Zeitpunkt völlig normal.
Was erwartet die Kinder in diesem Jahr?
Eigentlich dasselbe wie jedes Jahr: eine tolle Woche mit ganz viel Spiel, Sport, Spass und Freundschaften. Ich hoffe aber, dass uns zwei Spielerinnen der Schweizer Unihockey-Nationalmannschaft besuchen, die im vergangenen Dezember Weltmeisterinnen wurden. Wir haben sie angefragt, jetzt warte ich noch auf die Bestätigung. Es wäre schön, wenn das klappt – vor allem für die Mädchen. Sie hätten jemanden, zu dem sie aufschauen könnten, und würden sehen, dass man auch als Frau etwas erreichen kann. Und vielleicht besucht uns auch die Akrobatikgruppe «Herianos» aus Herisau. Es ist also einiges los.
Was lernen die Kinder in dieser Lagerwoche?
Unser Ziel ist, dass alle Kinder etwas Neues lernen. Zum Beispiel ein Übungselement an einem Gerät, das sie zuvor noch nicht turnen konnten. Wir sind sehr professionell aufgestellt. Fast alle Leiterinnen und Leiter haben «Jugend und Sport»-Ausbildungskurse absolviert. Sie wissen, was sie machen, deshalb können die Kinder solche Dinge ausprobieren.
Digitale Medien prägen einen grossen Teil der Freizeit. Welche Rolle spielen hier Gemeinschaft und Bewegung?
Seit der Gründung des Lagers gilt bei uns für die Kinder ein Handyverbot. Sie sollen stattdessen gemeinsam etwas erleben und neue Freundschaften schliessen. Eine Woche ohne soziale Medien hat noch nie zu negativen Rückmeldungen geführt – im Gegenteil: Kürzlich hat mir ein Kind erzählt, dass es dankbar sei, einmal ohne Handy auskommen zu müssen.
131 Kinder und mehr als 40 Leiterinnen und Leiter nehmen dieses Jahr am Lager teil. Wann beginnen die Vorbereitungen?
Ich muss die Unterkunft mindestens ein Jahr im Voraus reservieren. Und bevor wir jeweils zu Beginn des Jahres die Anmeldung ausschreiben, muss ich wissen, wie viele Leiterinnen und Leiter dabei sind. Damit klar ist, wie viele Kinder teilnehmen können. Die konkreten Vorbereitungen beginnen schliesslich Ende Januar mit der ersten von drei bis vier Sitzungen.
Wie gelingt es Ihnen, genügend Leiterinnen und Leiter zu finden?
Ein grosser Teil des Leiterteams ist schon seit Jahren dabei. Zudem wollen viele Kinder nach dem altersbedingten Ende ihrer Lagerzeit gerne als Leiterinnen oder Leiter ins Lager zurückkehren. Ich habe also das grosse Glück, auswählen zu dürfen. Es melden sich eher zu viele Personen bei mir, weshalb ich manchen absagen muss. Das ist ein Luxusproblem.
Wo liegen bei der Organisation die grössten Herausforderungen?
Die grösste Schwierigkeit ist, an alles zu denken und nichts zu vergessen. Meine Leiterinnen und Leiter helfen mir dabei. Sie wollen etwas bewegen und treiben das Lager voran. Diese Eigeninitiative ist natürlich toll. Gleichzeitig muss ich darauf achten, nicht den Überblick zu verlieren und dass die verschiedenen Fäden am richtigen Ort zusammenkommen.
Was bringt Sie nach all den Jahren noch aus der Ruhe?
Mittlerweile reagiere ich ziemlich gelassen auf jegliche unerwarteten Probleme. Momentan bin ich noch auf der Suche nach einer Putzfrau, weil die bewährte Person aus beruflichen Gründen abgesagt hat. Früher hätte mich das enorm beschäftigt, heute sage ich: Wenn wir niemanden finden, gibt es sicher eine andere Idee, um das Problem zu lösen.
2003 haben Sie zusammen mit einer Kollegin das Sommerlager gegründet. Seither investieren Sie viel Freizeit in diese Woche.
Was motiviert Sie immer wieder?
Es sind die Kinder. Ich treffe hin und wieder ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Arbeitswelt und sie erzählen mir Geschichten, die sie im Lager erlebt haben. Das ist speziell und nicht selbstverständlich. Inzwischen sind sogar Kinder von früheren Teilnehmenden dabei.
Bis 2015 fand das Sommerlager im Namen des Baselbieter Turnverbands statt. Danach gründeten Sie einen Verein und organisieren das Lager seither selbstständig.
Warum dieser Schritt?
Wir haben damals die vollständige Unterstützung des Turnverbands nicht mehr gespürt. Ausserdem wollten wir eine gewisse Eigenständigkeit haben. Früher galt das ungeschriebene Gesetz, dass jedes Kind Mitglied in einem Turnverein sein sollte. Wir wollten das Lager aber für die breite Masse öffnen, damit auch Kinder ohne turnerischen Hintergrund daran teilnehmen können. Geschadet hat der Entscheid nicht: Laut dem Sportamt Baselland sind wir gemessen an der Teilnehmerzahl eines der grössten Sportlager des Kantons.
Welcher Lager-Moment ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Momentan ist bei mir leider ein trauriger Gedanke präsent: Im vergangenen Jahr ist ein Leiter nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Seine Art, wie er gelebt und das Lager geprägt hat, war einzigartig. Gerade jetzt denke ich oft an ihn. Abgesehen davon überwiegen die positiven Erlebnisse: Bei unserem 20-Jahre-Jubiläum haben wir nach einer intensiven Lagerwoche alle Eltern nach Herisau eingeladen und eine Turnshow aufgeführt. Das war ein Hammer-Anlass.
Zur Person
kam. Tom Weber, bald 48, ist verheiratet, Vater von drei Kindern und wohnt mit seiner Familie in Lausen. Weber leitet als Zivilschutzkommandant den Bevölkerungsschutzverbund Argantia. 2003 gründete er das Sommerlager, damals noch im Namen des Baselbieter Turnverbands. Seit 2016 organisiert Weber das Lager selbstständig unter dem Namen «Kids4Fun». Es nehmen jeweils rund 130 Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren teil. Am Morgen trainieren sie in den Sparten Geräteturnen, Tanzen, Leichtathletik und Spiel. Nachmittags und abends sind unterschiedliche Rahmenprogramme geplant. Morgen Samstag beginnt in Herisau die 24. Ausgabe.

