«Die geologische Karte ist nie fertig»
08.05.2026 Bezirk LiestalGeologe Urs Pfirter wurde mit dem Franz-Leuthardt-Preis ausgezeichnet
Die Naturforschende Gesellschaft Baselland hat dem Geologen Urs Pfirter den Franz-Leuthardt-Preis 2026 verliehen – für seine langjährige Forschungsarbeit zur regionalen Geologie und seinen Beitrag zum ...
Geologe Urs Pfirter wurde mit dem Franz-Leuthardt-Preis ausgezeichnet
Die Naturforschende Gesellschaft Baselland hat dem Geologen Urs Pfirter den Franz-Leuthardt-Preis 2026 verliehen – für seine langjährige Forschungsarbeit zur regionalen Geologie und seinen Beitrag zum Kartenblatt Sissach des geologischen Atlas der Schweiz.
André Frauchiger
Die Naturforschende Gesellschaft Baselland (NGBL) hat Urs Pfirter mit dem Franz-Leuthardt-Preis 2026 ausgezeichnet. Der Geologe erhält die mit 2000 Franken dotierte Auszeichnung für seine geologische Forschungsarbeit in der Region – besonders hervorgehoben wurde sein Mitwirken bei der Erarbeitung des Kartenblatts Sissach im Rahmen des geologischen Atlas der Schweiz.
Die NGBL verleiht den Franz-Leuthardt-Preis dieses Jahr zum achten Mal. Der Geologe habe in seiner langjährigen wissenschaftlichen Laufbahn einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der regionalen Geologie geleistet. Durch die Veröffentlichung zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten habe er massgeblich zum Verständnis und zur Erfassung der geologischen Strukturen in der Umgebung beigetragen. Das Kartenblatt Sissach stelle dabei eine bedeutende Grundlage für die künftige geologische Forschung in der Region sowie für praktische Anwendungen in den Bereichen Bauwesen, Umweltschutz und Raumplanung dar. Die zahlreichen Kartierungen über die ganze Schweiz werden vom Bundesamt für Landestopografie produziert und herausgegeben.
Für Pfirter steht fest: «Die geologische Karte ist nie fertig.» Immer wieder komme in der Geologie Neues zum Vorschein – dies zum Teil nur in einer Tiefe von zwei Metern unter der Erdoberfläche.
Der 78-jährige Pfirter wohnte lange in Lauwil, heute lebt er in Nuglar-St Pantaleon. Er absolvierte sein Studium an der Uni Basel. Sein Interesse an der lokalen und regionalen Geologie zeigte sich bereits 1973 bei seiner Diplomarbeit zum Thema «Terrassenund Felsuntergrund im unteren Birstal» und bei seiner Dissertation über die «Geologie der Raimeux-Falte» am Mont Raimeux nahe Moutier. Nach Abschluss seines Studiums wirkte er als Assistent beim bekannten Basler Professor und baselstädtischen Kantonsgeologen Lukas Hauber – eine Zeit, die er als besonders lehrreich bezeichnet.
«Was ich heute sehr bedauere, ist die Streichung des Geologie-Studiengangs an der Universität Basel nach dem Rücktritt Haubers. Damit ist viel wertvolles geologisches Wissen über die Region Basel verloren gegangen», so Pfirter. In der Schweiz kann heute noch in Zürich, Bern und Lausanne Geologie studiert werden.
Praxisnahes Wissen
Im Jahr 1991 gründete Pfirter zusammen mit Jürg Nyfeler, diplomiertem Bauingenieur ETH, die in Muttenz domizilierte Pfirter, Nyfeler + Partner AG, heute PNP Geologie & Geotechnik AG. Das geologische und das bautechnische, praxisorientierte Wissen bildeten und bilden in der Firma eine Einheit. Geologie, Geotechnik und Spezialtiefbau waren und sind die Kernkompetenzen des Unternehmens. Untersucht wurden von Pfirter und seinem Team Bereiche wie Baugrund, Grundwasser, Quellwasser – sogar Mineralwasser –, Kies und Rutschungen. Viele Strassensanierungen, insbesondere bei Abrutschungen, waren und sind zum Teil als Notfälle zu erledigen. Heute beschäftigt die Firma acht Geologen und neun Ingenieure.
Pfirter schied 2013 aus der Firma aus und widmet sich seither seinen wissenschaftlichen Arbeiten, Vorträgen, Führungen und Beratungen. Die Wissensvermittlung über die geologischen Verhältnisse in der Region ist ihm besonders wichtig. Er organisiert und führt deshalb seit Jahren geologische Exkursionen in der Region durch und kann für Führungen wie auch für Vorträge gebucht werden. Früher wirkte er als Dozent an der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik der Fachhochschule Nordwestschweiz, wo es ihm um die Vermittlung von praxisnahem Wissen über geologische Prozesse und deren Bedeutung im Bauwesen ging.
Urs Pfirter ist mit Leib und Seele Geologe. Er erzählt an der Preisverleihung etwa vom Erdrutsch bei den SBB in Mumpf, wo aufgrund von entdeckten Ablagerungen klar wurde, dass in Mumpf einmal ein See existierte, der bis nach Laufenburg reichte. Oder vom schiefen Strommast am Limberg in Sissach, der wegen des ungünstigen Untergrunds in der Mergelgrube aus dem Boden gedrückt wurde und notfallmässig wieder stabilisiert werden musste.
«Es gibt die verschiedensten geologischen Belastungen im Boden wie Schwermetalle. Mit gezielten Bohrungen können neue Erkenntnisse über den Untergrund gewonnen werden», erzählt Pfirter. Eine solche Erkenntnis sei, dass die Stadt Basel wegen des entsprechenden geologischen Untergrunds jährlich um einen Millimeter absinke – was laut Pfirter aber kein grösseres Problem darstelle.
Franz-Leuthardt-Preis
fra. Mit dem Franz-Leuthardt-Preis werden von der Naturforschenden Gesellschaft Baselland jeweils Personen geehrt, die sich besonders mit naturwissenschaftlichen Forschungen und Erkenntnissen in der Region Basel verdient gemacht haben.
Der Name des Preises ist auf Dr. Franz Leuthardt zurückzuführen. Dieser lebte von 1861 bis 1934 und arbeitete als Lehrer und Rektor an der Bezirksschule Liestal. Wissenschaftlich befasste sich Franz Leuthardt mit der Geologie und Paläontologie des Kantons Baselland. Während 34 Jahren wirkte er auch als Präsident der Naturforschenden Gesellschaft Baselland.

