Die FDP wittert ihre Chance
27.10.2026 BaselbietParteitag nominiert Eigenmann und Frey für Regierungsratswahl
Mit Amtsinhaber Markus Eigenmann und Herausforderin Christine Frey will die FDP bei den Regierungsratswahlen 2027 einen zweiten Sitz erobern. Die Turbulenzen bei der «Mitte» könnten ihr dabei in die Karten ...
Parteitag nominiert Eigenmann und Frey für Regierungsratswahl
Mit Amtsinhaber Markus Eigenmann und Herausforderin Christine Frey will die FDP bei den Regierungsratswahlen 2027 einen zweiten Sitz erobern. Die Turbulenzen bei der «Mitte» könnten ihr dabei in die Karten spielen.
Tobias Gfeller
Die Baselbieter Freisinnigen gehen wie erwartet mit einem Zweierticket in die Gesamterneuerungswahlen im April 2027. Mit Herausforderin Christine Frey (Münchenstein) und Amtsinhaber Markus Eigenmann (Arlesheim) will die FDP das Chaos bei der «Mitte» ausnutzen und einen zweiten Regierungsratssitz erobern.
Mit der überraschenden Nomination von Remo Oser als Regierungsratskandidat der «Mitte» könnte eine neue Dynamik in den Wahlkampf kommen. Insbesondere im bürgerlichen Lager sorgte die Nichtnomination von «Mitte»-Parteipräsident Simon Oberbeck für Stirnrunzeln. Die FDP sieht in den Umwälzungen des eigentlichen Listenpartners ihre Chance, obwohl dies am Parteitag am vergangenen Donnerstag in Münchenstein so direkt nicht gesagt wurde.
Aber die Voten der Parteioberen waren unmissverständlich: «Wir sind die Partei mit den meisten fähigen Leuten», stellte der Vorsteher der Baselbieter Bildungs-, Kulturund Sportdirektion (BKSD) Markus Eigenmann klar. Parteivizepräsident Balz Stückelberger, der wie Eigenmann in der Findungskommission für die zweite Kandidatur neben dem Amtsinhaber mitgewirkt hatte, meinte ebenso selbstbewusst und deutlich: «Wir sind die einzige Partei, die majorzfähige Kandidatinnen und Kandidaten stellen kann.» Auch Parteipräsident Melchior Buchs blies in dasselbe Horn.
Die selbstbewussten Voten waren zugleich auch Seitenhiebe an die bürgerlichen Partnerinnen SVP und «Mitte». Der Zusammenhalt innerhalb der bürgerlichen Allianz hat in den vergangenen Tagen und Wochen deutliche Risse bekommen. Nicht zuletzt die Nomination des Oberwiler «Mitte»-Landrats Pascal Ryf als bürgerlicher Ständeratskandidat sorgte bei den Freisinnigen für Unverständnis. Die offizielle Empfehlung durch die Parteibasis für Ryf wurde nach den überraschenden Umwälzungen bei der «Mitte» auf den kommenden Parteitag Anfang 2027 vertagt. Ob die Empfehlung dann so deutlich ausfallen wird, wie dies nötig wäre, ist offener denn je.
Keinen Zweifel liess die FDP an ihren Regierungsratsambitionen. Mit der Präsentation des Zweiertickets gehe es darum, die bürgerliche Mehrheit in der Baselbieter Exekutive abzusichern und die Möglichkeit zu haben, den 2019 nach dem Abgang von Sabine Pegoraro verlorenen zweiten FDP-Sitz wieder zurückzuholen. Auch sei klar gewesen, das bisher männliche bürgerliche Regierungsratsticket mit einer Frau zu ergänzen, betonten Melchior Buchs und Balz Stückelberger.
Klar, aber kompromissbereit
Mit der Münchensteiner Landrätin Christine Frey, die sich als Präsidentin des Hauseigentümervereins Münchenstein für die Belange der Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer starkmacht, sich in Energiefragen klar rechtsbürgerlich positioniert und im Vergleich zu Markus Eigenmann als SVP- und Wirtschaftskammer-nah gilt, möchte die FDP-Führung das ganze Spektrum des Freisinns auf dem Zweierticket abbilden. Mehrfach wurde von einer «idealen Ergänzung» zu Eigenmann gesprochen.
Christine Frey selber plädierte in ihrer Ansprache am Parteitag für Freiheit und Eigenverantwortung. Sie sei eine, die zu ihrer Meinung steht, versicherte die Münchensteinerin. «Das heisst aber nicht, dass ich keine Kompromisse machen kann.»
Die Parteibasis stimmte der Nomination von Christine Frey und Markus Eigenmann per Akklamation zu. Die Stimmung im Saal war derart klar, dass es nicht einmal nötig war, die Abstimmungskarten in die Höhe zu halten. Fragen an das Duo und andere Wortmeldungen aus dem Plenum blieben aus. Man hätte erwarten können, dass ein kritisches Votum aus dem Oberbaselbiet kommt, da anstelle der zuerst als Favoritin gehandelten Nadine Jermann (Buus) auf eine Doppelkandidatur aus dem Birstal im Unterbaselbiet gesetzt wird. Doch die Freisinnigen demonstrierten an ihrem Parteitag im Gegensatz zur «Mitte» Geschlossenheit.

