Jahreskonzert der «Singstimmen»
Dass ein Chor eines Binnenlands die grosse weite See zum Thema seines Jahreskonzerts macht, mag auf den ersten Blick erstaunen. Allerdings ist das Meer ein Ort der Sehnsucht schlechthin, und Sehnsucht haben wir schliesslich alle. Sei es die ...
Jahreskonzert der «Singstimmen»
Dass ein Chor eines Binnenlands die grosse weite See zum Thema seines Jahreskonzerts macht, mag auf den ersten Blick erstaunen. Allerdings ist das Meer ein Ort der Sehnsucht schlechthin, und Sehnsucht haben wir schliesslich alle. Sei es die Sehnsucht nach einem anderen Leben, nach Erfüllung der eigenen Träume und Hoffnungen oder der Wunsch, dass es an einem anderen Ort besser sei.
Chorleiter Timo Waldmeier hat sich für das diesjährige Konzert mit dem Titel «Zur See» des gleichnamigen Romans von Dörte Hansen bedient, und er liess daraus Passagen zwischen den Stücken von Chormitgliedern (alles Sängerinnen) vorlesen. Es ist ein unbedingt lesenswerter Roman, der das Leben auf einer fiktiven Nordseeinsel und die Zerrissenheit zwischen Tradition und Massentourismus thematisiert.
Im reichhaltigen Programm sang der Chor Lieder mit Bezug zum Meer oder zum Wasser, drei Stücke sogar aus der Schweiz. Begleitet wurden die knapp 60 Sängerinnen und Sänger vom vielseitigen Musiker und Chorleiter Roberto Vacca am Klavier und am Akkordeon.
Den Auftakt machte «A Ship in Harbour», ein a cappella gesungener Kanon, gefolgt von drei anspruchsvollen Stücken der «Five English Folksongs» von Ralph Vaughan Williams bis zum klassischen Sea Shanty «The Drunken Sailor», originell arrangiert von Robert Sund. Leisere Stücke wie das selten aufgeführte «Fäärilied» von Hans Vogt (1909 – 1978) oder die «Wasserfahrt» von Felix Mendelssohn (1809 – 1847) wechselten mit dramatischen Liedern wie einer Neufassung von Mani Matters (1936 – 1972) «Dr Noah» oder «Dans le port d’Amsterdam» von Jacques Brel (1929 – 1978) ab. Gerade «Dr Noah» sang der Chor so eindringlich und anschaulich, dass es einem ob der apokalyptischen Bedrohung kalt den Rücken hinunterlief. Ein wirklich gelungenes Arrangement des ehemaligen, langjährigen Dirigenten Jürg Siegrist.
Die Stadtkirche in Liestal war bis auf den letzten Platz besetzt, und die Singstimmen boten in den eineinhalb Stunden ein begeistert und sauber vorgetragenes Konzert, was vom Publikum mit tosendem Applaus honoriert wurde.
Elisabeth Böhm, Gelterkinden