Die dezentrale Medizin-Zukunft in den Jura-Tälern
03.12.2024 BaselbietVernetzte Gesundheitsversorgung an einem konkreten Beispiel
vs. Vreni K. (79) wohnt mit ihrem Ehemann (82) seit 60 Jahren in ihrem Haus im Oberbaselbiet. Ihr langjähriger Hausarzt hat vor zwei Jahren die Praxis aufgegeben. Glücklicherweise haben Vreni und ihr ...
Vernetzte Gesundheitsversorgung an einem konkreten Beispiel
vs. Vreni K. (79) wohnt mit ihrem Ehemann (82) seit 60 Jahren in ihrem Haus im Oberbaselbiet. Ihr langjähriger Hausarzt hat vor zwei Jahren die Praxis aufgegeben. Glücklicherweise haben Vreni und ihr Mann eine Hausärztin gefunden – die Praxis hat an drei Tagen die Woche geöffnet. «Kein Problem – wir können es uns ja so einrichten», denkt Vreni.
Als Vreni nachts über starke Schmerzen klagt, ruft ihr Mann bei der Sanitätsnotrufzentrale an. Ein Rettungswagen transportiert Vreni in die nächstgelegene Notfallstation. Dort wird Vreni wird zunächst stabilisiert und fühlt sich schon bald wieder viel besser.
Für weitere Untersuchungen wird Vreni jetzt aber stationär aufgenommen, weil ihr Mann sie leider nicht täglich zur Durchführung der Untersuchungen ins Spitalambulatorium fahren kann (er leidet selber unter leichter Demenz). Darum lässt sich der Ehemann nach Hause fahren. Dank der Unterstützung von den Nachbarn im Dorf kann er Vreni in den kommenden Tagen immer wieder besuchen.
Inzwischen verschlechtert sich Vrenis Zustand aufgrund einer Lungenentzündung. Erst nach zehn Tagen geht es ihr etwas besser. Sie darf für wenige Tage nach Hause, um dann woanders einen Rehabilitationsaufenthalt anzutreten.
Leider erholt sich Vreni auch in der Rehabilitationsklinik nicht so, dass sie dauerhaft wieder nach Hause könnte. Ein Platz in einem Pflegeheim kann die Versorgungsregion aber voraussichtlich frühestens in drei Monaten anbieten. So lange kümmern sich ihr Ehemann und die Spitex um Vreni.
Zukunft: im «Hospital at home»
Die Hausärztin von Vreni K. und ihrem Mann hat sich dem Team des Gesundheitszentrums angeschlossen und ist am Gesundheitszentrum – wie ein Teil der übrigen Ärztinnen und Ärzte – beteiligt. Das Gesundheitszentrum hat ab 23 Uhr nicht mehr geöffnet, sodass Vreni im Spitalnotfall stabilisiert wird. Vreni wird angeboten, die weitere Behandlung durch das «Spital zu Hause» durchzuführen.
Da im Gesundheitszentrum auch Ärztinnen und Ärzte des Spitals arbeiten, wird die Behandlung «Hospital at home» von hier aus durchgeführt. Die Mitarbeitenden des Gesundheitszentrums bereiten dies am Vortag vor. Vom Spital erhält Vreni ein digitales Überwachungsinstrument, das mit dem Gesundheitszentrum und der Sanitätsnotrufzentrale verbunden ist.
Für die Rückfahrt ins Oberbaselbiet sorgt ein privater Transportdienst. Als Vreni das Spital verlässt, ist alles für eine Behandlung im «Hospital at home» vorbereitet. Vrenis elektronische Krankenakte wurde vom Spital um die Befunde ergänzt. Die nachfolgenden Tage wird Vreni täglich vom mobilen Team des Gesundheitszentrums ärztlich betreut. Die Pflege wird von einer mit dem Gesundheitszentrum kooperierenden Spitex geleistet.
Vreni erholt sich zu Hause schnell. Der Aufenthalt in einer geriatrischen Rehabilitation ist nicht notwendig. Die positiven Erfahrungen mit dem Gesundheitszentrum und der regionalen Spitex machen Vreni und ihrem Mann Hoffnung, dass sie selbstbestimmt noch einige Jahre in ihrem Haus leben können.
Die Vergütung für die Leistungserbringung erfolgt über den Tarif «Hospital at home» des Kantons Baselland, welchen das Spital mit dem Kanton und verschiedenen Krankenversicherern abgeschlossen hat. Da das Gesundheitszentrum Teil des Gesundheitsnetzwerks Baselland ist, gilt der stationär-ersetzende Tarif auch für die Behandlung von Vreni im Gesundheitszentrum.
