«Die ‹Conex›-Übung ist ein Propagandaanlass»
19.06.2026 PersönlichDie Schweizer Armee testet mit «Conex 26» in der Nordwestschweiz den Ernstfall (siehe Seite 5). Das Bündnis «No Conex» hat für morgen zur Demonstration in Liestal aufgerufen. Aylo Hangartner von der Juso kritisiert die Übung.
Tobias ...
Die Schweizer Armee testet mit «Conex 26» in der Nordwestschweiz den Ernstfall (siehe Seite 5). Das Bündnis «No Conex» hat für morgen zur Demonstration in Liestal aufgerufen. Aylo Hangartner von der Juso kritisiert die Übung.
Tobias Gfeller
■ Aylo Hangartner, die Bedrohungslage in Europa ist durch Russland so akut wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Wieso soll die Schweizer Armee nicht üben dürfen?
Aylo Hangartner: Die «Conex»-Übung ist ein Propagandaanlass. Es wird ein Bedrohungsszenario inszeniert, das gar nicht realistisch ist. Dies zeigt auch die Geschichte der Schweiz. Zudem schafft «Conex 26» ein falsches Sicherheitsgefühl. Die Sorgen der Menschen betreffen viel mehr die steigenden Mieten, hohe Krankenkassenprämien und die Klimakrise. Hier muss investiert werden. Die Armee möchte mit «Conex» Werbung für sich machen.
■ Wo sehen Sie konkret das Problem darin, dass die Armee trainiert?
Offensichtlich merkt die Armee, dass die Unterstützung aus der Bevölkerung abnimmt. Die Sicherheitsstudie (Studie «Sicherheit 2026», herausgegeben von der Militärakademie an der ETH Zürich und dem Center for Security Studies der ETH Zürich, Anm. d. Red.) von vorletzter Woche zeigt dies. Zwei Drittel der Befragten sind gegen Mehrausgaben für die Armee. Die Armee benutzt diese Übung als Anlass, um das Militär zu legitimieren, obwohl die Bevölkerung andere Probleme höher gewichtet.
■ Woraus schliessen Sie das? Können Sie ein Beispiel nennen?
Die Armee macht mit der Übung gezielt auf das Militär aufmerksam. Das soll das Militär für die Bevölkerung nahbarer machen. Dadurch soll die Zustimmung für die Armee erhöht werden, damit sie mehr Geld zur Aufrüstung erhält.
■ Die Armee will mit der Übung «Conex 26» bewusst sichtbarer und spürbarer werden für die Bevölkerung. Das hat Kommandant Alexander Kohli an der Medienkonferenz vor Beginn der Übung angedeutet. Warum ist das ein Problem?
Es handelt sich hierbei um eine sichtbare Militarisierung. Dadurch wird ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt. Wie gesagt, in der Bevölkerung haben andere Themen beim Sorgenbarometer Priorität und nicht unbedingt ein möglicher militärischer Angriff auf die Schweiz.
■ Das bedeutet im Umkehrschluss ja nicht, dass eine Armeeübung keine Berechtigung hat, nur weil die Bedrohungslage nicht die Sorge Nummer eins der Schweizerinnen und Schweizer ist.
Mir scheint, dass «Conex 26» nicht aufgrund der Bedrohungslage durchgeführt wird, sondern um mehr Geld für die Armee zu beschaffen. Das ist zu kritisieren.
■ Kritisieren Sie nur die Übung «Conex 26» oder möchten Sie die Armee gleich ganz abschaffen?
Die Abschaffung der Armee ist definitiv eine Forderung der Juso, da sie in dieser Form nicht benötigt wird und nicht zu mehr Frieden beiträgt. Sicherheit entsteht nicht durch militärische Aufrüstung, sondern durch Diplomatie, internationale Zusammenarbeit und soziale Gerechtigkeit. Statt Milliarden in die Armee zu investieren, sollten diese Mittel dort eingesetzt werden, wo sie Konflikte tatsächlich verhindern und die Sicherheit der Bevölkerung stärken.
■ Wer soll die Schweiz ohne Armee im Ernstfall verteidigen?
Durch die Neutralität, die diplomatische Tradition und die internationale Vernetzung ist die Schweiz deutlich weniger von militärischen Bedrohungen betroffen als viele andere Staaten. Zudem sind die grössten Sicherheitsrisiken heute nicht militärischer Natur, sondern betreffen etwa die Klimakrise oder soziale Krisen. Deshalb brauchen wir keine Verteidigung. Krieg und Aufrüstung werden nie zu nachhaltigem Frieden führen.
■ Dann sind die Juso für eine strenge Neutralität im Sinne der SVP?
Nein, natürlich nicht. Wir verstehen Neutralität nicht als Isolation oder Gleichgültigkeit gegenüber internationalen Konflikten. Die Schweiz soll sich weiterhin aktiv für Menschenrechte, Frieden und internationale Zusammenarbeit einsetzen.
■ Wie soll sich die Schweiz Ihrer Meinung nach zur Verteidigung aufstellen?
Wichtig sind die Friedensarbeit und Beziehungen mit anderen Ländern. Es müssen andere Lösungen als Krieg gefunden werden. Sicherheit entsteht langfristig durch gute internationale Beziehungen und nicht durch Aufrüstung und Kriegsvorbereitung.
Zur Person
vs. Aylo Hangartner (20) arbeitet als Medizinische Praxisassistenz. Hangartner, Vizepräsidium der Juso Baselland, wohnt in Lausen.

