Die «Chesi» lebt vom Engagement
28.08.2026 ZiefenRobert Roth und Hansruedi Wahl geben die Verantwortung für den Dorfladen weiter
Die «Chesi» feiert ihr 15-jähriges Bestehen – und erlebt einen Wechsel an der Spitze: Robert Roth und Hansruedi Wahl haben den Dorfladen während elf Jahren geprägt. Mit Beat ...
Robert Roth und Hansruedi Wahl geben die Verantwortung für den Dorfladen weiter
Die «Chesi» feiert ihr 15-jähriges Bestehen – und erlebt einen Wechsel an der Spitze: Robert Roth und Hansruedi Wahl haben den Dorfladen während elf Jahren geprägt. Mit Beat Thommen übernimmt ein Mann das Präsidium, der in Ziefen an vielen Orten Hand anlegt.
Melanie Frei
Ein «Allesmacher». So wird Beat Thommen von Menschen beschrieben, die ihn aus Ziefen kennen. Seit bald 23 Jahren lebt er im Dorf, früher war er hier Gemeindeverwalter, heute übt er dieselbe Funktion in Pratteln aus. Daneben engagiert er sich unter anderem im Wahlbüro und präsidiert das Organisationskomitee eines für 2028 geplanten Freilichttheaters über den Pfarrer Jonas Breitenstein.
Seit Juni ist Thommen auch Präsident der Dorfladengenossenschaft. Dass er sich neben seinem Beruf für die Allgemeinheit engagiert, ist für ihn selbstverständlich. «Ich bin gesund, wir haben eine gesunde Familie und uns geht es sehr gut. Da finde ich, dass man der Gesellschaft auch etwas zurückgeben kann», sagt er. Ganz neu ist die «Chesi» für Thommen nicht. Gemeinsam mit weiteren Freiwilligen hatte er bereits zuvor das Weinsortiment neu ausgerichtet. Seit November stehen lokale und regionale Weine stärker im Zentrum. «Der Weinumsatz hat sich ungefähr verdoppelt», sagt Thommen.
Thommen übernimmt einen Dorfladen, der heute auf einer guten Grundlage steht. Doch das war nicht immer so. Als Robert Roth und Hansruedi Wahl 2015 in den Vorstand gewählt wurden, befand sich die «Chesi» in einer schwierigen Lage. Einige Private stellten kurzfristige Darlehen zur Verfügung, damit ausstehende Handwerkerrechnungen bezahlt werden konnten. Auch Hauptlieferant Volg habe trotz grossem Zahlungsrückstand weiter Waren geliefert, erinnert sich Wahl.
«Der Detailhandel ist ein Rappengeschäft», sagt Roth. «Man muss die Kennzahlen schnell in den Griff bekommen, ein gutes und passendes Sortiment zusammenstellen und die Kosten im Auge behalten.» Die schwierige Situation sei eine wichtige Lernphase gewesen. «Wir mussten an verschiedenen Stellschrauben drehen und den Betrieb wirtschaftlich stabilisieren.»
Gerade zu Beginn erforderte dies viel persönlichen Einsatz. Nach der Stabilisierung investierte Roth nach eigenen Angaben noch durchschnittlich 15 Stunden pro Monat in sein Amt. Margen aushandeln mit Lieferanten, Kommunikation, organisatorische Fragen oder Investitionen in die Infrastruktur gehörten zu den Arbeiten, von denen die Kundschaft wenig mitbekam.
Einkaufen wie früher
Hansruedi Wahls Beziehung zum Dorfladen reicht weit zurück. Er wuchs in Ziefen auf und wurde schon als Kind von seiner Mutter zum Einkaufen im Dorf mitgenommen. «Das hat mir immer gefallen.» Für Wahl ist der Erhalt des Ladens auch persönlich wichtig: Er besitzt kein Auto und ist froh, im Dorf einkaufen zu können. «Ein Dorfladen kann nur bestehen, wenn er von allen Generationen berücksichtigt wird.» Nach seiner Pensionierung 2016 konnte er viel Zeit in die «Chesi» investieren. Die vielen Dankeschöns aus der Bevölkerung haben ihn immer wieder angespornt. Sein persönlicher Höhepunkt folgte 2023: Die «Chesi» konnte zusammen mit Volg neu eingerichtet und fast alle Kühlgeräte konnten ersetzt werden. Das dafür benötigte Geld hatte der Laden innerhalb weniger Jahre angespart.
Beat Thommen spricht mit grosser Wertschätzung über seine Vorgänger. «Ich sage immer: ‹Das sind grosse Fussstapfen.›» Roth sei insbesondere beim Controlling stark gewesen, Wahl habe sich um unzählige Dinge gekümmert. «Hier etwas Kleines, dort etwas Kleines – es ist wahnsinnig, wie sehr er sich engagierte.»
Roth sagt: «Am meisten freut mich, dass wir heute einen gut laufenden Betrieb an ein tolles Nachfolgeteam übergeben können.» Nach elf Jahren sei altershalber der richtige Zeitpunkt gekommen. Mit der Nachfolge ist er «extrem happy». Thommen sei «ein sehr fähiger – und ganz sicher nicht unterbeschäftigter – Mann». Roth: «Ich könnte mir für die ‹Chesi› kaum etwas Besseres wünschen, als sie an ein solches Team übergeben zu können.»
Auch Wahl kann die Verantwortung guten Gewissens abgeben. Mit den bisherigen Vorstandsmitgliedern Niklaus Recher und Martin Nägelin sowie den Neuen Edith Billeter, Beat Thommen und Beatus Meyer sei eine gute Nachfolgelösung gefunden. Ganz verschwinden wird Wahl ohnehin nicht: Er bleibt als freiwilliger Helfer für das Weinsortiment zuständig. «Wenn ich sonst etwas helfen kann, bin ich immer dabei.»
Eine Revolution für den Dorfladen plant Beat Thommen nicht. «Man muss aber dranbleiben.» Nach dem neuen Weinsortiment und einem neuen Auftritt soll etwa die Website erneuert werden. Seine grösste Aufgabe sieht er darin, das Erreichte zu bewahren. «Wir sind auf einem hohen Niveau. Meistens ist es schwieriger, etwas zu halten, als aufzubauen.» Wenn Laden und «Chesi-Kaffi» auch in einigen Jahren noch gut funktionieren, wäre für ihn viel erreicht.

