Der Wald wird instabiler
25.09.2026 BaselbietWandern in Zeiten der Trockenheit – Experte ordnet Gefahr ein
Mit dem Klimawandel verändert sich auch das Wandern. Der Verein Wanderwege beider Basel erinnert in seinem Newsletter an trockene Wälder und loses Gestein. Geschäftsleiter Pascal Benninger warnt aber davor, ...
Wandern in Zeiten der Trockenheit – Experte ordnet Gefahr ein
Mit dem Klimawandel verändert sich auch das Wandern. Der Verein Wanderwege beider Basel erinnert in seinem Newsletter an trockene Wälder und loses Gestein. Geschäftsleiter Pascal Benninger warnt aber davor, die Gefahr zu überhöhen.
Tobias Gfeller
Im Herbst wird gewandert. Gerade das Oberbaselbiet bietet wunderschöne Möglichkeiten. Wer regelmässig wandert, sieht und spürt, dass sich die Wälder in der Region Basel verändern. Der Wandel geschieht schon seit mehreren Jahren und nicht erst seit dem diesjährigen trockenen und heissen Sommer.
Die vergangenen Monate haben den Wäldern in der Nordwestschweiz zwar nochmals zugesetzt, sagt Pascal Benninger, Geschäftsleiter des Vereins Wanderwege beider Basel bei einem Augenschein am Waldrand in Liestal, von einer akuten Gefahr für Wanderinnen und Wanderer will er trotzdem nicht sprechen. «Es passiert noch immer sehr wenig. Das Risiko, im Strassenverkehr zu verunfallen, ist deutlich höher, als im Wald von einem herunterfallenden Ast getroffen zu werden.»
Pascal Benninger möchte verhindern, dass der Wald aufgrund des Klimawandels und der zuletzt aufgekommenen öffentlichen Diskussion über die Sicherheit gemieden wird. Dafür sei das Risiko eines Zwischenfalls zu klein und der Wert des Waldes für die physische und psychische Gesundheit der Menschen zu gross. «Man darf jetzt nicht in Panik verfallen», mahnt er.
Die Geschäftsstelle von Wanderwege beider Basel erhält aktuell überdurchschnittlich viele Anfragen von Mitgliedern und Wanderleiterinnen und -leitern, wie sie sich beim Wandern aufgrund der Trockenheit und Hitze verhalten sollen. Pascal Benninger hat beim Amt für Wald beider Basel und bei «Wald beider Basel», der Organisation der Waldbesitzer, nach einer Einschätzung und Beurteilung der Situation nachgefragt.
Komplexe Haftungsfrage
Gerade bei den Waldbesitzern spüre er zurzeit eine erhöhte Nervosität aufgrund der Haftungsfrage, wenn es dann doch zu einem Zwischenfall kommt. Wer ist schuld, wenn ein Ast bei einem Rastplatz abbricht und jemanden trifft? Ist es einfach Pech oder haben die Waldbesitzer eine Verantwortung, dass Wege und Rastplätze jederzeit zu 100 Prozent gesichert sind?
Für Pascal Benninger sind dies nicht nur juristische, sondern auch gesellschaftliche Fragen, die man langfristig klären muss, weil sich die Situation in den Wäldern nicht so schnell ändern werde. «In den kommenden Jahren werden instabile Wälder Realität sein, egal zu welcher Jahreszeit.» Die Situation sei nicht mehr so wie vor 20 oder 30 Jahren, als die Wälder grundsätzlich vital und fit waren. «Wir müssen einen gesunden Umgang damit finden. Es ist aber nicht per se so, dass der Wald ein gefährlicher Ort ist.»
Wind im Auge behalten
Für den Geschäftsleiter von «Wald beider Basel» wäre es verheerend, wenn aufgrund solcher Haftungsfragen ganze Wälder gesperrt würden. Diesen Sommer hat die Bürgergemeinde Sissach aufgrund der Trockenheit den beliebten Waldspielplatz gesperrt. Benninger kann dies genauso nachvollziehen wie die Bedenken der Schulen, mit Klassen zurzeit in den Wald zu gehen. Er plädiert aber dafür, sich langfristig nicht von der Angst leiten zu lassen. «Wir müssen Wege finden, dass Schulklassen in den Wald gehen können, ohne dass Lehrpersonen Angst haben müssen, vor Gericht zu landen.»
Gerade im Herbst ist für Pascal Benninger der Wind der wichtigste Faktor, den es vor einer Wanderung zu beachten gilt. Herrscht ein erhöhtes Windaufkommen, verzichte auch er derzeit auf Ausflüge in den Wald. Auch sollte man vor einer längeren Pause kontrollieren, ob instabile Bäume zur Gefahr werden könnten.
Zum Thema Steinschlag sagt Benninger, dass das Risiko in der Region Basel nicht akut sei. Die Gefahr sei nicht gleich null, aber gering im Vergleich mit alpinen Gebieten. Auch hier gelte das Prinzip des gesunden Menschenverstands. «Angst ist fehl am Platz. Natürlich gibt es Bereiche, in denen man nicht lange stehen und schon gar nicht eine Pause einlegen sollte. Dies ist aber nicht erst seit diesem Sommer so.»

