Der Sommer liegt in der Luft – leider nicht nur
31.07.2026 BaselbietAbwasser bleibt in den Kanälen liegen – Feuchttücher verschärfen das übel riechende Problem
Wochenlang kein richtiger Regen, ausgetrocknete Bäche, sinkende Grundwasserspiegel – und nun steigt mancherorts auch noch ein Geruch aus den Schächten, der ...
Abwasser bleibt in den Kanälen liegen – Feuchttücher verschärfen das übel riechende Problem
Wochenlang kein richtiger Regen, ausgetrocknete Bäche, sinkende Grundwasserspiegel – und nun steigt mancherorts auch noch ein Geruch aus den Schächten, der kaum Sommergefühle weckt: Die Kanalisation leidet ebenfalls unter der Trockenheit.
David Thommen
Es duftet derzeit nicht überall im Oberbaselbiet nach frischem Heu, Grillwürsten und Sommerblumen: In Gelterkinden und weiteren Dörfern steigt aus einzelnen Kanalisationsschächten ein Geruch auf, bei dem man lieber etwas schneller weitergeht. Was dort in die Nase steigt, ist eine weitere, eher unappetitliche Folge der anhaltenden Trockenheit.
Gelterkinden machte das Problem schon vor einiger Zeit mit einer Mitteilung unter dem Titel «Geruchsimmissionen in Gelterkinden» öffentlich. In der Unterzeile hiess es knapp: «Wenn die Kanalisation streikt.» Die Gemeinde reagierte damit auf Gerüche, die aus dem Kanalisationsnetz dringen. Gelterkinden ist allerdings nicht allein, auch aus anderen Dörfern ist zu hören, dass es an einzelnen Stellen mittlerweile ziemlich streng riecht.
Die Erklärung liefert das kantonale Amt für Industrielle Betriebe (AIB): «Im Kanton Baselland haben wir grösstenteils eine Mischkanalisation», antwortet das Amt auf Anfrage der «Volksstimme». Abwasser und sogenanntes Meteorwasser, also Regenwasser, werden dabei in derselben Leitung geführt. Normalerweise sorgt der Niederschlag dafür, dass die Kanäle regelmässig durchgespült werden.
Genau dieses Wasser fehlt derzeit. Wegen der anhaltenden Trockenheit befindet sich laut AIB nur noch wenig Wasser in der Kanalisation – und dabei handelt es sich fast ausschliesslich um Abwasser. Die Folge: Die mitgeführte «Fracht» wird über längere Strecken nicht weitergespült, setzt sich im Kanalnetz ab – und beginnt streng und strenger zu riechen.
Feuchttücher als Problem
Eine besondere Rolle spielen Feuchttücher. Das AIB beobachtet nach eigenen Angaben, dass sich diese derzeit verstärkt in der Kanalisation ablagern und teilweise austrocknen. Weil sie sich anders als Toilettenpapier nicht rasch zersetzen, bleiben sie in den Leitungen hängen und halten weiteren Schmutz zurück.
«Diese gehören ohnehin nicht in die Kanalisation, verschärfen aber das aktuell bestehende Problem markant», schreibt uns das AIB. Die vermeintlich bequeme Entsorgung mit einem Druck auf die Toilettenspülung kann somit einige Strassen weiter für unerfreuliche Geruchserlebnisse sorgen. Feuchttücher sollen deshalb – und sowieso – mit dem Hauskehricht entsorgt werden.
Viel unternehmen lässt sich gegen die Gerüche momentan nicht. Auf die Frage, wie Abhilfe geschaffen werden könnte, antwortet das AIB unmissverständlich: «Gegenmassnahmen sind keine möglich.» Zwar könnten die Kanäle grundsätzlich durchgespült werden, dafür fehle aber das Wasser. Man müsse deshalb auf den nächsten grösseren Regen warten.
Sparaufrufe sind nicht schuld
Nicht verantwortlich für die üblen Gerüche sind hingegen die Wassersparaufrufe. Zwar dürfte derzeit auch weniger Trinkwasser durch Duschen, Waschmaschinen und Toiletten in die Kanalisation gelangen, entscheidend sei dies aber nicht, so das Amt für Industrielle Betriebe.
Der ersehnte Regen wird das Problem irgendwann lösen – allerdings nicht ganz ohne Folgen: Der nächste grössere Niederschlag werde eine grosse Menge der abgelagerten Fracht auf einmal mitführen, erklärt das AIB. Dieser sogenannte Schmutzstoss werde in den Mischwasserbecken aufgefangen und von dort zur Reinigung in die Abwasserreinigungsanlagen geleitet.
Für das Betriebspersonal beginnt damit der weniger duftende Teil des Sommergewitters: Das AIB erwartet nach dem nächsten grösseren Regen einen erhöhten Unterhaltsaufwand. Becken müssen gereinigt, verstopfte Pumpen freigemacht und Kanäle gespült werden. Für die Bevölkerung dürfte der Regen dagegen vor allem eines bringen: wieder etwas frischere Luft über den Schächten.
