Der März – Tor zum Frühling
27.02.2026 BaselbietWenn das Leben zurückkehrt
Der März, der am Sonntag beginnt, ist ein Grenzgänger. Er steht zwischen den Zeiten, zwischen Frost und Blüte, zwischen Dunkelheit und heller werdendem Licht. Wer in diesen Wochen durch das Oberbaselbiet geht, spürt: Etwas ist im ...
Wenn das Leben zurückkehrt
Der März, der am Sonntag beginnt, ist ein Grenzgänger. Er steht zwischen den Zeiten, zwischen Frost und Blüte, zwischen Dunkelheit und heller werdendem Licht. Wer in diesen Wochen durch das Oberbaselbiet geht, spürt: Etwas ist im Werden.
Hanspeter Gautschin
Der Name März führt zurück zum römischen Kriegsgott Mars. Im alten Rom begann das Jahr ursprünglich mit dem «mensis Martius». Nach der winterlichen Ruhe wurden die Waffen wieder hervorgeholt, die Äcker bestellt, neue Vorhaben angegangen. Der März war Aufbruch – militärisch und landwirtschaftlich zugleich.
Doch hinter diesem historischen Klang liegt eine tiefere Bewegung. Der eigentliche Kampf, der hier ausgefochten wird, ist keiner aus Eisen und Lärm. Es ist das Ringen des Lichts mit der Finsternis, des Keimens mit der Starre. Der März ist der Monat des stillen Sieges.
In den frühen Morgenstunden liegt oft noch Raureif auf den Wiesen. Die Nächte können empfindlich kalt sein. Und doch ist etwas anders als noch im Februar: Das Licht steht höher, klarer, länger. Gegen Abend bleibt der Himmel heller, ein feiner rosiger Schimmer legt sich über die Hügel des Oberbaselbiets.
Um den 20. oder 21. März erreicht die Sonne die Frühlings-Tagundnachtgleiche. Tag und Nacht halten für einen Moment das Gleichgewicht. Seit Jahrtausenden galt dieser Zeitpunkt als besondere Schwelle.
Wer aufmerksam geht, entdeckt die leisen Boten des Wandels. An Böschungen zeigen sich Haselkätzchen, bald darauf die silbrigen Weiden. In Gärten nicken Krokusse und erste Veilchen. Auf sonnigen Wiesen breiten sich Schlüsselblumen aus.
Über den Feldern steigt die Lerche auf. Stare kehren zurück, wenig später auch Störche und Singdrosseln. In Hecken beginnen Meisen und Rotkehlchen mit dem Nestbau. Auf dem Waldboden bilden Buschwindröschen weisse Teppiche zwischen den noch kahlen Stämmen. Frösche wandern zu ihren Laichplätzen, erste Insekten wagen sich in die kühle Luft.
Arbeiten im Rhythmus der Natur
Der März ist seit jeher ein Arbeitsmonat. In Gärten wird geschnitten, gehackt, gesät. Beete werden vorbereitet, Obstbäume gepflegt. In früheren Zeiten bestimmte diese Phase über das Gedeihen des ganzen Jahres. Der erste Same in der Erde war immer auch ein Akt des Vertrauens.
Alte Überlieferungen erzählen davon, dass die Welt im Frühling erschaffen worden sei. Johann Wolfgang von Goethe fasste dieses Gesetz in die Worte «Stirb und Werde». Ohne das Absterben des Alten kein Keimen des Neuen. Ohne Winter kein Frühling.
Ein Tor zur Fülle
Der März ist kein Monat der grossen Pracht. Er ist Vorbote, Versprechen, tastender Beginn. Und gerade darin liegt seine Würde.
Er zeigt, dass Veränderungen meist leise beginnen. Dass Neues Zeit braucht und oft im Hintergrund entsteht, lange bevor man es sieht. Und dass der Frühling uns daran erinnert, eigene Vorhaben nicht weiter aufzuschieben – auch kleine Schritte zählen, wenn man ihnen Vertrauen schenkt.
Rituale bewusst erleben
– Am Abend um den 20. oder 21. März eine Kerze anzünden. Einen Moment innehalten und sich bewusst machen, dass Licht und Dunkel jetzt im Gleichgewicht stehen. Vielleicht verbunden mit einem kurzen Gedanken: Was darf in meinem Leben wachsen? Was darf gehen?
– Erstes Grün ins Haus: Ein paar Zweige von Hasel oder Weide in eine Vase stellen. Beobachten, wie sie treiben. Das Aufbrechen der Knospen ist ein kleines tägliches Wunder – und ein Zeichen, dass Bewegung selbst im Unscheinbaren geschieht.
– Eine bewusste Aussaat beginnen: Einige Samen in einen Topf legen – Kresse, Schnittlauch oder Blumen. Beim Einpflanzen nicht nur an die Ernte denken, sondern an das Vertrauen, das jeder Same in sich trägt.
So wird der März mehr als ein Übergang im Kalender. Er wird zu einer bewussten Schwelle – Schritt für Schritt, im eigenen Rhythmus.

