Der Mann, der alles aufs Eis bringt
13.02.2026 Sport, EishockeySeit 20 Jahren plant Andreas Hürbin bei ZS Trainings und Spiele
Während die erste Mannschaft des EHC ZS in den Play-offs steht, zieht im Hintergrund einer die Fäden: Seit 20 Jahren sorgt Andreas Hürbin dafür, dass auf der «Kunsti» jeder seinen Platz ...
Seit 20 Jahren plant Andreas Hürbin bei ZS Trainings und Spiele
Während die erste Mannschaft des EHC ZS in den Play-offs steht, zieht im Hintergrund einer die Fäden: Seit 20 Jahren sorgt Andreas Hürbin dafür, dass auf der «Kunsti» jeder seinen Platz findet.
Luana Güntert
Wenn die erste Mannschaft des EHC Zunzgen-Sissach derzeit in den Play-offs aufs Eis geht – morgen steht das dritte Spiel der Halbfinal-Serie an –, läuft im Hintergrund vieles dank der Arbeit eines Mannes, der selten im Rampenlicht steht: Andreas Hürbin. Seit rund 20 Jahren sorgt er als Spielplaner dafür, dass Trainingszeiten, Heimspiele und Auswärtspartien der inzwischen 16 Teams überhaupt stattfinden können. An der Generalversammlung im Juni wird der 73-Jährige sein Amt abgeben.
Dass der Sissacher überhaupt in den ZS-Vorstand kam, war zunächst alles andere als geplant. Der damalige Präsident Thomas Fiechter rief ihn an und erklärte, der Verein suche jemanden für den Vorstand, «der ein bisschen etwas macht». «Ich sagte ihm dann, er soll schauen, dass er jemand anders findet», erinnert sich Hürbin und lacht. Erst seine Frau brachte ihn zum Umdenken: «Sie sagte mir, ich soll ihn zurückrufen und sagen, dass ich dabei bin.» Ganz fremd war ihm der Verein nicht. Sein Sohn Lukas spielte bei ZS und Hürbin half bereits bei Juniorenspielen, erfasste Resultate und stand während der Partien im «Häuschen». Als er schliesslich die Verantwortung für die Spiel- und Trainingsplanung übernahm, sei er «ins kalte Wasser geworfen» worden. Zwei Schulungen für das Computerprogramm hätten genügt – «dann habe ich das begriffen». Dass daraus ein so langes Engagement werden würde, hätte er sich damals nicht vorstellen können.
Mehr Teams, weniger Platz
Die Aufgabe ist komplexer geworden. Als Hürbin begann, zählte der Verein zwölf Teams. «Diese hatten gut Platz auf der ‹Kunsti›», sagt er. Heute sind es 16 – und jedes benötigt Trainingszeiten sowie Heimspiele. «Das ist herausfordernd. Zudem haben die einzelnen Teams aufgrund des Modus noch mehr Partien als früher.» Der Platz auf dem Eis ist begrenzt, die Ansprüche der Teams sind unterschiedlich. «Eine U14 kann nicht erst um 21 Uhr trainieren», sagt er. Gleichzeitig sind gewisse Zeitfenster fix vergeben, etwa der Samstagabend, wenn meist um 17.30 oder 20.15 Uhr die erste Mannschaft spielt. Auch die Anreise der Gegner muss berücksichtigt werden: «Ein U21-Team aus Adelboden kann ich nicht auf 20.15 Uhr nach Sissach bestellen – sonst sind sie erst spät in der Nacht wieder zu Hause.» Gerade in den Jahren des Wachstums sei es manchmal nötig gewesen, klare Entscheide zu treffen. «Da musste ich mich durchsetzen und allen klarmachen, was geht und was nicht. Mittlerweile ist das in den Köpfen der Teams drin.» Heute profitiert Hürbin von Routine. Selbst in der aktuellen Play-off-Phase, in der Spiele kurzfristig angesetzt werden müssen, empfindet er die Arbeit nicht als besonders stressig. «Die strenge Phase ist im Sommer, wenn ich für alle Teams Trainings und Spiele auf dem begrenzten Eis planen muss. Jetzt sind es nur einzelne Partien.»
Seine Tätigkeit beschränkt sich nicht auf die interne Planung. Regelmässig steht Hürbin mit den Spielplanern anderer Vereine in Kontakt, etwa wenn Partien verschoben werden müssen. «Wir melden uns gegenseitig bei Verschiebungen. Das letzte Wort hat jeweils das Heimteam.» Dennoch bemühten sich die Verantwortlichen, Wünsche der Gegner zu berücksichtigen – im Wissen, dass man selbst ebenfalls einmal auf Entgegenkommen angewiesen ist.
Besonders präsent ist Hürbin noch heute die Saison 2012/13. Damals musste der Betrieb auf der Sissacher Kunsteisbahn wegen Einsturzgefahr von Oktober bis Dezember eingestellt werden. Trainings und Heimspiele mussten kurzfristig an andere Orte verlegt werden. «Ich bin ein Telefonierer», sagt Hürbin. «Bei Mails bekommt man oft erst Tage später eine Antwort, und wir hatten keine Zeit.» Mit zahlreichen Anrufen gelang es ihm, Trainingsmöglichkeiten und Spielorte in der ganzen Region zu organisieren, unter anderem in Basel, Laufen und Olten. Gleichzeitig erlebte er eine grosse Solidarität unter den Vereinen der Nordwestschweiz: Nachwuchsspieler konnten vorübergehend bei anderen Klubs trainieren, Aktivteams fanden Ersatzspielstätten. Als im Dezember neben der bestehenden Anlage eine mobile, offene Eisfläche für die zweite Saisonhälfte aufgebaut wurde, half der ganze Verein mit. «Das war sehr schön», sagt Hürbin rückblickend. «So etwas erlebt man nicht alle Tage.»
Trotz des Aufwands habe ihm das Amt stets gefallen. Nun sei jedoch der Zeitpunkt gekommen, die Verantwortung weiter zu reichen. «Ich bin nun 73, und für mich ist es Zeit, das Amt weiterzugeben.» Ein Interessent habe sich bereits gemeldet, erste Einführungen habe er ihm schon gegeben. Und ganz loslassen will er ohnehin nicht: «Sofern er zusagt und dann Hilfe braucht oder Fragen hat, bin ich sofort zur Stelle.» Wenn also morgen ZS sein drittes Halbfinalspiel bestreitet, geschieht dies auch dank der stillen Arbeit eines Mannes, der seit zwei Jahrzehnten dafür sorgt, dass jedes Team weiss, wann es aufs Eis darf – und der den Spielplan des Vereins wie kaum ein anderer kennt.

