Der GLP-Macher tritt an
03.11.2026 BaselbietThomas Tribelhorn kandidiert für den Regierungsrat
Er hat die Baselbieter GLP mitgegründet und die Partei im Kanton etabliert. Nun soll Thomas Tribelhorn die Grünliberalen auch in die Regierung führen. Die Parteibasis hat ihn einstimmig nominiert.
Janis ...
Thomas Tribelhorn kandidiert für den Regierungsrat
Er hat die Baselbieter GLP mitgegründet und die Partei im Kanton etabliert. Nun soll Thomas Tribelhorn die Grünliberalen auch in die Regierung führen. Die Parteibasis hat ihn einstimmig nominiert.
Janis Erne
Blick zurück: Im August vergangenen Jahres nominierten die GLP-Mitglieder Sabine Bucher für die Monica-Gschwind-Ersatzwahl. Da sich FDP und SVP nicht einigen konnten und für den ersten Wahlgang jeweils eine eigene Kandidatur stellten, sahen sich die Grünliberalen mit dem Support von Mitte-links plötzlich in der Favoritenrolle. Die Angriffslust und Zuversicht waren gross am Parteitag im «Säli» des Restaurants «Farnsburg» in Liestal. Am Ende reichte es trotz eines ansprechenden Resultats nicht ganz gegen FDP-Kandidat Markus Eigenmann.
14 Monate später – am vergangenen Donnerstag – trafen sich die Grünliberalen am gleichen Ort erneut. Dieses Mal, um einen Kandidaten für die regulären Wahlen im April 2027 zu bestimmen. Bucher hatte im Vorfeld als Wunschkandidatin der Partei gegolten, sie sagte jedoch frühzeitig ab, weil sie nicht erneut einen zeitintensiven Wahlkampf auf sich nehmen wollte. Statt der Sissacher Gemeinderätin geht nun Parteipräsident Thomas Tribelhorn ins Rennen um einen der fünf Regierungsratssitze.
Es ist sozusagen der verdiente Lohn für seine jahrelange Arbeit für die GLP. Tribelhorn gründete die Kantonalsektion vor knapp 20 Jahren mit, präsidiert sie seit 2019 und trug massgeblich dazu bei, dass sich die grünliberale Stimme im Baselbiet und im Landrat etabliert hat. Trotz seines Standings überliess Thomas Tribelhorn bei wichtigen Wahlen jeweils anderen den Vortritt, wenn er dies für die Partei als besser erachtete. So etwa im Jahr 2023, als er Sabine Bucher, seiner damaligen Kollegin im Läufelfinger Gemeinderat, den ersten Listenplatz überliess und ihr die Wahl in den Landrat ermöglichte.
Tribelhorns Kandidatur nur als Geschenk seiner Partei zu sehen, wäre aber viel zu kurz gegriffen: Vom Profil her ist der 56-Jährige regierungsratstauglich. Er verfügt nicht nur über politische, sondern auch über berufliche Führungserfahrung. Tribelhorn leitet die Adev in Liestal, ein auf erneuerbare Energien spezialisiertes KMU. Zuvor war er in leitender Funktion bei den Weltkonzernen Medartis und Roche angestellt.
Einiges gesehen
Der Betriebsökonom kennt verschiedene Teile des Oberbaselbiets. Aufgewachsen in Liestal und Oberdorf, zog es ihn für Studium und Militär nach St. Gallen und in den Thurgau, ehe er zurück ins Baselbiet kam und mit einem zweijährigen Unterbruch in England in Waldenburg, Hölstein, Rünenberg und Läufelfingen lebte. Heute ist Tribelhorn wieder in Rünenberg zu Hause. Er ist Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt in einer Partnerschaft. Beruflich ist er auch viel im Unterbaselbiet unterwegs, wo die Adev beispielsweise grosse Wärmeverbünde und Solaranlagen plant.
Am Netzwerk und der Erfahrung wird seine Kandidatur also kaum scheitern. Entscheidend wird für Thomas Tribelhorn sein, Wähler über die GLP-Basis hinaus für sich zu gewinnen; die Partei hatte bei den letzten Landratswahlen einen Wähleranteil von 8,4 Prozent. Doch Regierungswahlen sind auch Persönlichkeitswahlen – und das Rennen im kommenden April scheint so offen wie selten zuvor: Alle Parteien steigen in den Ring, und es dürften neun bis zehn Personen kandidieren (siehe Kasten).
Offen für (fast) alle
In dieser nicht ganz einfach zu durchblickenden Lage will sich Tribelhorn als Vertreter einer «lösungsorientierten Zentrumspartei» positionieren. Je nach Thema würde er als Regierungsrat mit der politischen Linken oder Rechten zusammenarbeiten. Bei den erneuerbaren Energien (Tribelhorn will Windräder bauen) sieht er die Partnerinnen eher in den Grünen und der SP, bei Finanzfragen (Tribelhorn will die Einkommenssteuern für den Mittelstand senken) eher in der «Mitte», der FDP und allenfalls der SVP.
Ansonsten erkennt er aber kaum Berührungspunkte mit der SVP und auch der Wirtschaftskammer, die in seinen Augen die Interessen des regionalen Gewerbes zu wenig vertritt. Besonders deren «verhindernde Energiepolitik» sieht der E-Auto-Fahrer und Wärmepumpen-Besitzer kritisch: «Halten wir weiterhin an Öl und Gas fest, verpassen wir grosse Chancen für das lokale Gewerbe. Zudem bleiben die Abhängigkeiten vom Ausland bestehen – dass dies nicht zum Wohl der Bevölkerung ist, zeigen die hohen Ölpreise.»
Die in seinen Worten zu konservative Einstellung von Teilen der FDP war es auch, die Tribelhorn einst zum Austritt aus der Partei bewogen hat, obwohl er in jungen Jahren noch federführend bei den Jungfreisinnigen mitgewirkt hatte. «Die Zeit unter René Rhinow hat mir entsprochen, doch Anfang der 1990er-Jahre ist die FDP im Zuge der EWR-Abstimmung immer mehr nach rechts gedriftet – bis heute.»
Seine wirtschaftsfreundliche Haltung hat Tribelhorn auch nach dem Wechsel zur GLP beibehalten. Selbst seit vielen Jahren in der Privatwirtschaft tätig, setzt er sich für bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen ein: sei es durch mehr Kita-Plätze oder eine Stärkung der Berufslehre und der Universität Basel. Gleichzeitig hat er auch die Angestellten im Blick: «Geht es ihnen nicht gut, sinkt die Wirtschaftsleistung.» Tribelhorn hat sich stark für die Pflegeinitiative engagiert und dafür auf der Strasse Unterschriften gesammelt. Die angelaufene Umsetzung der Initiative erachtet er als mangelhaft.
Null-Standort-Strategie
Erwähnenswert ist auch seine Haltung zur Spitalfrage: Soll in Pratteln ein Neubau entstehen oder sollen die bestehenden KSBL-Häuser in Liestal und auf dem Bruderholz ausgebaut werden? Tribelhorn findet: weder noch. «Ich plädiere für eine Null-Standort-Strategie. In diesem Modell gibt es in Regionalzentren wie Liestal, Laufen oder Sissach medizinische Zentren, die kleinere bis mittelgrosse Eingriffe vornehmen und eine Notfallversorgung anbieten. Für grössere Operationen könnten die Menschen nach Basel oder Olten gehen, für Reha-Aufenthalte nach Rheinfelden.»
Sollte sich der Landrat für die Beibehaltung und Modernisierung der Kantonsspital-Standorte Liestal und Bruderholz aussprechen, haben die Grünliberalen bereits angekündigt, das Referendum zu ergreifen. «Wollen wir den Kostenanstieg bremsen, braucht es unbedingt eine regionale Spitalplanung und den Abbau von Doppelspurigkeiten. Das würde auch die Qualität der medizinischen Behandlungen verbessern», so Tribelhorn. Er sagt dies nicht einfach so; der Ökonom kennt die Branche: Als Medartis-Kadermann schaute Tribelhorn Ärzten bei mehr als 100 Operationen über die Schulter, um zu sehen, ob die Produkte seiner Firma halten, was sie versprechen.
Man sieht: An klaren Vorstellungen für die Zeit als möglicher Regierungsrat mangelt es Thomas Tribelhorn nicht. Am liebsten würde er die Bau- und Umweltschutzdirektion, die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion oder die Finanzdirektion übernehmen. Aber auch mit den übrigen zwei Direktionen, der Sicherheits- und der Bildungsdirektion, könnte er sich anfreunden, wie er sagt. Damit es so weit kommt, braucht es aber noch grosse Anstrengungen des GLP-Kandidaten – und wohl auch wahltaktisch kluge Bündnisse.
Grosse Auswahl
je. Das Kandidatenfeld für die Regierungsratswahlen vom 11. April kommenden Jahres nimmt immer klarere Konturen an: Am vergangenen Freitag hat die «Mitte» mitgeteilt, ausschliesslich mit Remo Oser ins Rennen zu steigen. Nach der überraschenden Nomination des ehemaligen Gemeindepräsidenten von Röschenz durch die Basis hatte sich die Parteileitung noch einige Tage die Option auf eine zweite Kandidatur offengelassen. Weiterhin offen ist, wer neben der bisherigen Regierungsrätin Kathrin Schweizer für die SP kandidiert: An der Delegiertenversammlung von morgen Mittwoch in Gelterkinden stehen die beiden Landratsmitglieder Adil Koller und Pascale Meschberger zur Auswahl. Auch die SVP erwägt eine zweite Kandidatur. Mit der Fokussierung der «Mitte» auf Remo Oser erhalten diese Überlegungen womöglich Auftrieb: SVP-Präsident Peter Riebli hatte zuvor angekündigt, den aus seiner Sicht zu linken Oser nicht unterstützen zu wollen.
Neben Remo Oser und – aller Voraussicht nach – Kathrin Schweizer sind bislang folgende Kandidierende bekannt: Andrea Sulzer (Grüne), Thomi Jourdan (EVP, bisher), Thomas Tribelhorn (GLP), Markus Eigenmann (FDP, bisher), Christine Frey (FDP) und Matthias Liechti (SVP, bisher). Sie alle wollen einen der fünf Sitze in der Baselbieter Regierung ergattern.

