Darf er das? Oder soll er das?
In der Fraumatt zwischen Ziefen und Reigoldswil hat sich ein Biber niedergelassen. Wer offenen Auges der Frenke entlanggeht, erkennt seine Spuren. Macht der Biber uns vor, was dort zu tun ist?
Heinz Döbeli
Biber gelten ...
Darf er das? Oder soll er das?
In der Fraumatt zwischen Ziefen und Reigoldswil hat sich ein Biber niedergelassen. Wer offenen Auges der Frenke entlanggeht, erkennt seine Spuren. Macht der Biber uns vor, was dort zu tun ist?
Heinz Döbeli
Biber gelten als geniale Wasserbauer. Durch ihre Tätigkeit können sie Gewässer so umgestalten, dass diese ihren Bedürfnissen dienen. Und das tun sie allein mit dem Wissen, das ihnen Mutter Natur in die Gene geschrieben hat.
Biber stauen Bäche, was zur Folge hat, dass diese breiter und langsamer fliessen. Es bilden sich Weiher, dank denen sie die Eingänge zu ihren Bauten unter den Wasserspiegel legen können. So schützen sie ihre Jungen vor Fressfeinden. Diese Stauungen nützen auch uns: Einmal gegen Hochwasser und vor allem auch für das Grundwasser.
Die gängige Praxis der Wasserbauingenieure ist genau umgekehrt. Durch Einzwängen in enge Abflusskanäle oder gar durch Ableiten mit unterirdischen Entlastungsstollen soll Hochwasser möglichst schnell weggeleitet werden. Diese Bauwerke benötigen viel Beton, und die Betonherstellung erzeugt viel Kohlendioxid. Ausserdem wird das Hochwasserproblem nur verschoben – im konkreten Fall von Reigoldswil nach Ziefen und von Ziefen nach Bubendorf und so weiter. Biber arbeiten vernünftiger!
Genug Wasser im Boden ist wichtig. Nur so können Bäume als Klimaanlagen wirken, indem sie über ihre Blätter Wasser verdunsten. Merken die Bäume, dass der Grundwasserspiegel schwindet, schalten sie in den Überlebensmodus. Sie stellen die Fotosynthese ein und damit auch die Verdunstung von Wasser. Die Klimaanlage Baum stoppt und wartet auf feuchtere Zeiten.
Biber hält sich an Zonenplan
Das Zonenreglement Landschaft der Gemeinde Ziefen hält unter § 15 betreffend die Landschaftsschutzzone C «Gebiet Fraumatt» unter anderem fest: «Die Gemeinde setzt sich für die Berücksichtigung folgender Massnahmen ein: Anlegen von auenartigen Strukturen und baulichen Massnahmen, die bei Hochwasser der Hinteren Frenke das Fluten in die Fraumatt zulässt.»
Genau daran arbeitet der Biber. Er hat an einer riesigen Weide, die am Ufer der Frenke steht, eine Kerbe herausgenagt. Wäre er am Weiternagen nicht durch ein Maschengitter gehindert worden, wäre diese Weide in den Bach gestürzt. Instinkt oder Zufall: Die Weide steht etwas krumm, ihr Schwerpunkt liegt über dem Wasser, der Baum hätte nicht besser stürzen und den Bach stauen können. Das wäre ein erster Schritt zu einer Aue gewesen.
In der Schweiz ist der Biber nach dem Bundesjagdgesetz und dem Natur- und Heimatschutzgesetz streng geschützt. Aber müsste man nicht auch sein Wirken streng schützen?