Demut als DNA des Berufstands
30.06.2026 BaselbietLandwirtinnen und Landwirte feiern ihren Lehrabschluss
18 Absolventinnen und Absolventen einer Ausbildung zur Landwirtin oder zum Landwirt durften kürzlich ihren Fähigkeitsausweis entgegennehmen. Drei von ihnen schlossen im Rang ab.
Elmar ...
Landwirtinnen und Landwirte feiern ihren Lehrabschluss
18 Absolventinnen und Absolventen einer Ausbildung zur Landwirtin oder zum Landwirt durften kürzlich ihren Fähigkeitsausweis entgegennehmen. Drei von ihnen schlossen im Rang ab.
Elmar Gächter
Wer mag sich als ehemalige Lernende oder ehemaliger Lernender nicht an jenen Moment erinnern, als ihr oder ihm das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis überreicht wurde. So erging es am vergangenen Freitag auch den 18 Absolventinnen und Absolventen, die im Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung ihr Diplom als Landwirtin oder Landwirt EFZ entgegennehmen durften.
Gänsehaut machte sich nicht nur bei den eigentlichen Protagonistinnen und Protagonisten bemerkbar, sondern auch bei den Besuchenden, die den Aufmarsch der Gekürten mit ihren fantasievoll geschmückten Traktoren und ihrem reiterlichen Vorspann aus nächster Nähe mitverfolgten.
Abhängig von der Natur
Es war eine eindrückliche Lehrabschlussfeier mit jungen Leuten, die sich für einen Beruf entschieden haben, den Regierungsrat Thomi Jourdan als einzigartig bezeichnete. «Sie haben eine Ausbildung mit einer beeindruckenden Vielfalt an Wissen und Können abgeschlossen. Ihr Beruf hat im Alltag weniger mit Theorie zu tun, sondern vielmehr mit echter Lebensrealität in Abhängigkeit der Natur», so der Vorsteher der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion an die erfolgreichen Lehrabgängerinnen und -abgänger.
Dass eine Lehrzeit nicht nur aus Lernstoff und Prüfungen besteht, untermauerte Neulandwirtin Anna Tscharner in einem humorvoll gestalteten Rückblick. Marc Brodbeck freute sich als Präsident des Bauernverbands beider Basel über die «lebhafte Schule mit jungen Leuten voller Ideen». An der Feier in einer der heissesten Zeiten der vergangenen Jahrzehnte dankte er den Lehrbetrieben, die den Lernenden stets eine Umgebung mit angenehmen Temperaturen geboten hätten. Landwirt sei der einzige Beruf, bei dem die Auszubildenden bei den Familien der Lehrbetriebe wohnen und alle Diskussionen über das Schöne, aber auch die Sorgen und Ängste des Bauernstands direkt miterleben. «Der Mensch denkt, die Natur lenkt.» Mit diesen Worten mahnte Thomi Jourdan die jungen Leute, dass bei allem Einsatz, aller Kompetenz und Leidenschaft das Ergebnis des Tuns nicht in den eigenen Händen liegt. Er erinnerte sie daran, dass Demut eine der wichtigsten DNA des Berufsstands sei. Die zweite Konstante sei die Dankbarkeit. «Denken Sie stets daran, dass das, was Sie heute sind und morgen sein werden, nur möglich ist, weil andere Menschen für Sie da sind und in Sie investierten, damit Sie einen solch grossartigen Beruf lernen konnten.»
Leandra Guindy, Leiterin der Berufsfachschule, und Claudia Brodbeck, Präsidentin Schulrat Ebenrain, übergaben die Fähigkeitszeugnisse, darunter drei mit Abschlussnoten im Rang. Anna Tscharner, die mit der besten Gesamtnote von 5,5 abschloss, ist besonders stolz auf ihre Note 5,8 bei der Tierhaltung. «Dieses Ergebnis berührt mich sehr, weil Tiere meine Leidenschaft sind», so die 19-jährige Tochter einer Pfarrerin und eines Organisten gegenüber der «Volksstimme». Sie wohnt im Kanton Aargau und hat ihre Lehre in Wintersingen auf dem Hof Breitfeld der Familie Sprenger absolviert.
Roger Kempf, dessen Eltern aus dem Kanton Uri stammen und die einst in Zeglingen einen Pachtbetrieb führten, ist gelernter Landmaschinenmechaniker; seine Zweitausbildung als Landwirt führte ihn auf den Talhof in Pratteln. «Als über 30-Jähriger war ich einer der Ältesten in der Klasse, wobei die Jüngeren sicherlich von mir profitieren konnten.» Er, der auf einen Sprachaufenthalt in Australien und ein Praktikum in Kanada zurückblickt, schloss mit der Note 5,4 ab.
Ab nach Kanada
Beide wollen sich in ihrem Beruf dafür einsetzen, dass die Landwirtschaft in der Bevölkerung wieder jenen wichtigen Wert erhält, der ihr aus ihrer grossen Bedeutung für die Lebensmittelversorgung zukommt, und vor allem auch, um die Regionalität der Produkte zu fördern. Da es in Kanada grössere Perspektiven für einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb gebe, will Kempf mit seiner kanadischen Frau nach Ontario auswandern und auf dem Betrieb ihrer Eltern arbeiten. «Ob es zu einer eigenen Firma kommt, wird sich zeigen. Wer nichts wagt, gewinnt nichts», betont er. Anna Tscharner blickt ebenfalls optimistisch in die Zukunft und träumt von einem eigenen Betrieb. Vorerst will sie als Angestellte in ihrem Beruf Erfahrungen sammeln.

