Deine Stimme zählt – nimm sie wahr
21.05.2026 Politik, BubendorfMatthias Mundwiler, Gemeindepräsident Bubendorf, FDP
Viermal im Jahr liegt es im Briefkasten: ein Kuvert, meist zwischen Werbung und Rechnungen. Schlicht, unscheinbar und manchmal fast zu leicht für das Gewicht, das es trägt. Darin ein Stimmzettel, die ...
Matthias Mundwiler, Gemeindepräsident Bubendorf, FDP
Viermal im Jahr liegt es im Briefkasten: ein Kuvert, meist zwischen Werbung und Rechnungen. Schlicht, unscheinbar und manchmal fast zu leicht für das Gewicht, das es trägt. Darin ein Stimmzettel, die direkteste Form der Mitbestimmung. Wir sind uns gar nicht so bewusst, dass uns viele andere Länder darum beneiden.
Wir in der Schweiz dürfen nicht nur Parteien wählen. Wir entscheiden über viel mehr. Wir entscheiden über Änderungen in der Verfassung, über Fragen, die unseren Alltag konkret betreffen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Während in anderen Staaten die Menschen demonstrieren müssen, um gehört zu werden, oder nicht frei abstimmen können, sitzen wir gemütlich am Tisch bei einem feinen Espresso und können unsere Meinung frei bilden, ein Kreuz in das dafür vorgesehene Kästchen setzen oder mit Ja/Nein antworten. Was für ein grosses Privileg, und dennoch beteiligen sich viele Personen nicht an den Wahlen.
Wir hören: «Meine Stimme macht doch keinen Unterschied» oder «Die machen doch eh, was sie wollen». Die AHV- Reform im Jahr 2022 wurde äusserst knapp entschieden. Die Masseneinwanderungsinitiative im Jahr 2014 hatte am Ende nur einen kleinen Vorsprung. Ganz aktuell vom März 2026 war der knappe Entscheid bei der Abstimmung der Individualbesteuerung. Solche Resultate zeigen uns, dass jede Stimme wichtig ist.
Andere Argumente, die wir hören, sind: «Ich kenne mich zu wenig aus.» Auch diese Aussage verstehe ich. Kaum jemand hat Zeit, sich durch die umfangreichen Abstimmungsunterlagen zu arbeiten. Gerade die Abstimmungsvorlagen vom vergangenen März waren vollgepackt. Unsere Demokratie verlangt aber keine Expertinnen und Experten. Sie verlangt Menschen, die sich ihre ehrliche Meinung bilden. Uns stehen Diskussionen am Radio, im Fernsehen oder auch die App «Vote-Info» zur Verfügung. Letztere zeigt uns auf, welche die eidgenössischen oder kantonalen Vorlagen sind, und in der Ausgangslage stehen uns sogar Erklärvideos zur Verfügung. Es geht meiner Meinung nach nicht um Perfektion, nein, es geht um die Beteiligung und das Bewusstsein von uns allen.
Wer sein Wahlrecht nicht ausübt, überlässt die Entscheidung den anderen. Demokratie lebt davon, dass möglichst viele mitreden. Selbstverständlich ist das Abstimmen freiwillig, es soll niemand gezwungen werden. Ich glaube jedoch, dass Freiheit auch bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, und dass wir uns bewusst sind, dass Demokratie nicht automatisch funktioniert. Demokratie lebt davon, dass wir Menschen uns ein paar Minuten Zeit nehmen, das Kuvert öffnen, den Stimmzettel ausfüllen und ihn zurückschicken oder gar an der Urne persönlich einwerfen.
Eine kleine Handlung – fast unscheinbar –, aber wirkungsvoller, als wir denken. Das nächste Kuvert kommt bestimmt. Öffnen Sie es, bilden Sie sich Ihre eigene Meinung und sagen Sie sich: «Auch meine Stimme zählt.»
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

