«Das Typische bei uns ist, dass nichts typisch ist»
04.04.2025 BuusHeute wird der neu sanierte Spielplatz bei der Mehrzweckhalle in Buus offiziell eingeweiht. Die Gestaltung und den Bau hat die Firma KuKuk Schweiz GmbH aus Arlesheim übernommen. Co-Geschäftsführer Arnaud Fernex erzählt, wie ein guter Spielplatz entsteht.
...Heute wird der neu sanierte Spielplatz bei der Mehrzweckhalle in Buus offiziell eingeweiht. Die Gestaltung und den Bau hat die Firma KuKuk Schweiz GmbH aus Arlesheim übernommen. Co-Geschäftsführer Arnaud Fernex erzählt, wie ein guter Spielplatz entsteht.
Brigitte Keller
Herr Fernex, wie wurden Sie zum Spielplatzbauer bei der Firma KuKuk?
Arnaud Fernex: Das war ein glücklicher Zufallsfund. Ich habe ursprünglich Geo- und Umweltwissenschaften studiert. Als ich die Stellenausschreibung sah, dachte ich, dass ich das für ein bis zwei Jahre machen würde. Jetzt bin ich seit acht Jahren dabei und mittlerweile auch Co-Geschäftsführer und Gesellschafter der Unternehmung. Aufgewachsen bin ich im hinteren Leimental, wo ich jetzt mit meiner Frau und unseren zwei Kindern wieder wohne.
Was unterscheidet die Firma KuKuk von anderen Spielplatzherstellern?
Es gibt Firmen, die ihre Standardgeräte haben und diese auf Bestellung liefern und aufbauen. Im Gegensatz dazu bauen wir für jeden Ort einen individuellen Spiel- und Begegnungsplatz. Das ist unsere Spezialität. Das Typische bei uns ist, dass nichts typisch ist. Diese Individualität macht uns aus. In diesem Bereich sind wir federführend und schweizweit tätig.
Warum braucht es überhaupt Spielplätze?
Einer der Gründer der Firma KuKuk sagte dazu immer provokativ: «Spielplätze sind eine Bankrotterklärung der Gesellschaft.» Eigentlich müssten die Städte und Strassen so konzipiert sein, dass Kinder sich frei bewegen und wohlfühlen könnten und nicht der Verkehr im Vordergrund steht. Eigentlich sei es schade, dass Kinder nur an vorgegebenen Orten – in vorgegebenen Zonen – frei spielen könnten. Aber … bis sich daran etwas ändert, ist es unser Ziel, den Kindern das Bestmögliche zu bieten, damit sie mit anderen Kindern oder auch alleine frei drauflos spielen und Erfahrungen mit Höhe, Balancieren und Klettern sammeln und sich mental und körperlich gesund entwickeln können.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie angefragt werden?
Wir gehen immer dorthin, wo ein neuer Spielplatz gebaut oder ein in die Jahre gekommener Platz saniert oder ersetzt werden solle und sprechen mit den verantwortlichen respektive involvierten Personen. Falls es zeitlich und finanziell möglich ist, bieten wir Planungsworkshops von ein paar Stunden oder halben Tagen an, mit Beteiligung von beispielsweise Schulklassen oder Quartiervereinen. Wir klären, was für den vorgesehenen Platz gewünscht und gebraucht wird und welches Budget dafür zur Verfügung steht. Im Anschluss machen wir einen ersten Vorschlag mit Zeichnung. Es folgen Besprechungen, bis es passt. Es ist immer ein Mix von Gewünschtem und von dem, was möglicherweise in der Nähe schon vorhanden ist, abgestimmt auf das Alter der nutzenden Kinder und die Örtlichkeiten. Danach gehen wir in die Feinplanung.
Was war beim Spielplatz in Buus weiter massgebend?
Da es bei der nahen Schule bereits eine Rutschbahn hat, brauchte es nicht nochmals eine. Das Thema «Klettern» sollte unbedingt stark vertreten sein. Daraus haben wir ein Konstrukt erarbeitet mit Kletterhölzern und Rutschstangen, die sich zum Rauf- und Runterklettern eignen. Ein Sandkasten sollte ebenfalls integriert werden, der auch die kleinen Geschwister der Schulkinder ansprechen sollte, wenn sie zusammen mit ihren Eltern warten. Sandkästen sind und bleiben attraktiv und ein beliebtes Element. Erst recht, wenn es in der Nähe Wasser hat, wie im nahen Bächlein in Buus.
Welche Materialien verwenden Sie beim Bauen?
Wir bauen grundsätzlich so viel wie möglich mit natürlichen und regionalen Materialien. So stammt zum Beispiel das Robinienholz nicht wie anderswo aus Rumänien oder Ungarn, sondern aus dem nahen Elsass. In Buus war vom alten Spielplatz eine grosse Betonröhre zum Durchkriechen vorhanden, die nicht mehr genutzt wurde. Anstatt diese zu entsorgen, machten wir den Vorschlag, diese auseinanderzunehmen und die dadurch entstandenen Elemente liegend, mit Holz bebrettert, als Sitzgelegenheiten weiter zu nutzen. Wir lieferten das Holz und die Gemeinde setzte den Vorschlag um.
Wie gehen Sie mit dem Thema «Sicherheit» um?
Bei allen unseren Spielplätzen richten wir uns nach der Spielplatznorm SN EN 1176. Nach Fertigstellung lassen wir alle unsere Plätze durch einen ausgewiesenen Spielplatzprüfer testen. Im Vorwort der Norm ist aber folgender Satz festgehalten: «Grundsätzlich können und werden auf einem Spielplatz immer Unfälle geschehen, wenn Kinder darauf aus sind, das Niveau ihrer Leistungsfähigkeit zu erweitern, sei es sozial, geistig oder körperlich. Wichtig ist aber, schwerwiegende Unfälle mit bleibenden Schäden möglichst auszuschliessen.»
Hinter Ihnen sehe ich ein kleines Holzhäuschen, was hat es damit auf sich?
In jüngster Zeit entstehen immer öfter Schulprovisorien, bei denen schnelle, aber trotzdem gute Lösungen für Spielplätze gefragt sind. Dafür haben wir drei neue Elemente entwickelt und gebaut, die auf einen Lastwagen passen und per Kran an den gewünschten Orten aufgestellt werden können. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens unserer Firma stellen wir diese Elemente im laufenden Jahr jeweils für einen bis drei Monate verschiedenen Städten und Orten in der Schweiz kostenlos zur Verfügung. Eines der Elemente besteht aus einem Container, der wie ein Vogelnest mit Holz ausgekleidet und ummantelt ist. Man kann hochklettern und durch ein Loch im Dach zu einer grossen Rutschbahn gelangen. Das Element kann an der Industrienacht Regio Basel vom 9. Mai, an der wir uns beteiligen, besichtigt und bespielt werden.
Die Kostenaufteilung
bke. Der Gemeinderat von Buus entschied, den in die Jahre gekommenen Spielplatz bei der MZH durch einen moderneren zu ersetzen. Neben der Firma KuKuk Schweiz GmbH hat auch das Werkhofteam einen wesentlichen Teil beigetragen, indem es die Fundamente vorbereitet, die gesamte Umgebungsgestaltung plus Bepflanzung übernommen hat. Von der Planung bis zur Umsetzung verging ein Jahr, die Aufbauzeit der Firma KuKuk betrug gut 10 Arbeitstage mit 2 Personen. Das Budget der Gemeinde betrug 65 000 Franken, der Swisslos Fonds trug weitere 20 000 Franken bei und der Lions Club Farnsburg sowie der Kiwanis Club Oberbaselbiet beteiligten sich ebenfalls: Insgesamt standen rund 90 000 Franken zur Verfügung.