«Das so nötige Heimat bewusstsein stärken»
25.06.2026 RegionWie die Medien 1924 über das erste Eidgenössische Jodlerfest berichteten
Das Eidgenössische Jodlerfest findet Ende Juni nach 102 Jahren wieder in Basel statt. Auch seine erste Ausgabe, das Schweizerische Jodler-Verbandsfest, feierte es am Rheinknie. So schrieben die Medien ...
Wie die Medien 1924 über das erste Eidgenössische Jodlerfest berichteten
Das Eidgenössische Jodlerfest findet Ende Juni nach 102 Jahren wieder in Basel statt. Auch seine erste Ausgabe, das Schweizerische Jodler-Verbandsfest, feierte es am Rheinknie. So schrieben die Medien 1924 über den Anlass.
sda./vs. Die Zeitung «Basler Nachrichten» verortete die Urschweizer Bräuche im Vorfeld in der Nähe zur Natur. «Besonders in unsern Schweizer Hochtälern, wo jeder in so innigem Kontakt mit der Natur steht, diese sich zu nutzen machen weiss und tagtäglich in ständigem Kampfe mit Naturgewalten sieht», finde man bei den Älplern «ein tiefes Abhängigkeitsverhältnis von der Alpenwelt».
Im Artikel zeigt sich eine Mythologisierung der Urschweiz, die bewahrt worden und bis in die Gegenwart getragen worden sei. «Seit unsere Schweizerberge stehen, erklingt ungekünstelter naturfrischer Jodel», hiess es weiter. Und in den Liedern spiegle sich «die reiche, vielgestaltete Seele des gesunden Bergbewohners».
Das Jodlerfest wird nicht «um bloss des Festes willen» gefeiert, schrieben die «Basler Nachrichten». Es sei ernster Arbeit gewidmet und solle «besonders dazu beitragen, das für uns so nötige Heimatbewusstsein zu stärken und altererbtes Gut in neugestärkter Kraft wieder auferstehen zu lassen».
Damit wurde der Bogen vom aus städtischem Blick andersartig anmutenden Urtümlichen zum gemeinsam Schweizerischen geschlagen und weiter seine Bedeutung ausgeführt: Das Fest solle «diese herrlichen Schweizerbräuche […] in ungetrübter Kraft auch uns Talbewohnern vorzeigen» und «diese Güter unverfälscht der Nachwelt übermitteln».
«Gewaltige» Freude im Nachgang
Am 25. August 1924, dem Montag nach dem Fest, schrieben die «Basler Nachrichten» dann von einem «gewaltigen Erfolg». Die Messehallen hätten an den drei Wettkonzerten und während der Abendunterhaltung 15 000 Personen beherbergt. Und wer diesen oder dem Festumzug beigewohnt habe, «dem müsste unwillkürlich das Herz im Leibe lachen».
Beim Festumzug am Vortag habe sich eine «gewaltige Zuschauermenge» in den Strassen aufgestellt, «leider nur zu zahlreich, um ein ungehindertes Vorwärtskommen zu ermöglichen». Daran schuld sei auch die Polizei gewesen, die sich «unbegreiflicherweise ganz in der Defensive verhielt, so dass einige Fahnenschwinger deren Amt übernehmen mussten».
Und die «National Zeitung» verkündete am Montag im Morgenblatt: «So sehr man auch von jeher in unserer Stadt die Kunst der Sennen zu schätzen wusste, hätte doch wohl kaum jemand solch eine gewaltige Anteilnahme unserer Bevölkerung bei dem ersten schweizerischen Jodler-Verbandsfest vorausgesehen.»
Zu den Wettkonzerten schrieb die Zeitung von einem «gewaltigen Beifallssturm», «wenn eine in malerische Älplerkostüme gekleidete Jodlergruppe die kunstvollen Weisen ihres Solojodlers mit wohltönenden Harmonien begleitet hatte und dann zum Schluss des Liedes den letzten Akkord in einem feinen Pianissimo ersterben liess, dass man den Eindruck behielt, als würden sich die zarten Klänge in den ewigen Höhen der Alpenwelt verlieren».
Manch modernes Instrument klinge edler als das Alphorn und es liessen sich auch «mit Leichtigkeit viel mehr Töne spielen», hiess es weiter. Doch freue man sich in hohem Masse, dass es sich nicht verdrängen liesse, weil es mit seinen «harmonischen Naturtönen» grössten Einfluss auf eine Menge «herrlicher Schweizermelodien» gehabt habe. Das Lied «Der Ustig wott cho» habe in seiner ersten Fassung noch die erhöhte Quarte des Alphorns besessen.
Und auch die Fahnenschwinger seien mit grossem Beifall gelobt worden, «wenn sie mit kunstvollen Bewegungen mit kräftigen Schwüngen die rote Seide der Schweizerfahne durch die Luft sausen liessen, dass sie wie eine eingepresste Flamme zu lodern und zu züngeln schien».
Hohe Ansprüche
Die Zeitungen waren aber nicht nur voll des Lobes. Die «Basler Nachrichten» gingen mit den Auftritten teilweise hart ins Gericht. Zwar war eine erfreuliche Entwicklung nach oben zu konstatieren, wie der damalige Obmann des Kampfgerichts Reiner Gebhard zitiert wurde. Man dürfe sich nun aber nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen und müsse stets um Verbesserung bemüht sein, um «durch das strengere und abwechslungsreichere Auswählen Wertbesseres zu bieten».
Der Jodlerklub Ebnet-Kappel sei im Gesamtklassement etwa weit zurückgefallen, weil es ihm «gerade etwas an Reinheit mangelte». Dies, obwohl er «punkto Originalität und Vortragsweise unzweifelhaft an einer der ersten Stellen stehen müsste». Und auch die meisten Alphornbläser hätten ihr Ziel noch nicht erreicht. Der grösste Fehler sei der «unsichere Ansatz, also zu wenig Lippenkraft». Und durch «unnötiges Verzieren» seien «viele unreine Töne» hineingekommen.
Am Ende solle man aber nicht zweifeln, «dass gerade das erste schweizerische Jodlerfest das seine dazu beitragen wird, dass einer vom andern das gute lernt und in Balde zahlreiche dieser Missstände verschwinden werden».
Oberbaselbiet jodelte später
Bei der Durchsicht der «Volksstimme»- Bände von 1924 zeigt sich, dass Jodeln in unserer Zeitung zwar hin und wieder erwähnt wurde, im Oberbaselbiet aber vermutlich nicht ganz so populär war. So finden sich keine Hinweise darauf, dass Jodlerklubs aus dem Einzugsgebiet der «Volksstimme» in Basel teilgenommen hätten.
Laut den Angaben des Nordwestschweizerischen Jodelverbands wurde der erste Baselbieter Jodlerklub 1917 in Pratteln aus der Taufe gehoben. Im Jahr 1920 folgte die Gründung des Jodlerklubs Allschwil. Früh dran waren auch Arlesheim, Füllinsdorf oder Liestal.
Als der Nordwestschweizerische Jodlerverband 1935 gegründet wurde, war erst von fünf Jodlerklubs aus dem Kanton Baselland die Rede. Im Oberbaselbiet dürfte erst später – vor allem ab dem Zweiten Weltkrieg – organisiert gejodelt worden sein. So wurde beispielsweise der Sissacher Jodlerklub Flüeli im Jahr 1946 ins Leben gerufen oder der Jodlerklub Hohwacht Lauwil im Jahr 1948 und der Jodlerklub Farnsburg aus Gelterkinden gibt als Gründungsjahr 1953 an. Früher dran – nämlich 1938 – war der Jodlerklub Buus, wie vor einiger Zeit in der «Volksstimme» nachzulesen war.
Heute listet die «Kulturkarte Baselland» elf aktive Jodlerklubs auf dem Kantonsgebiet auf, wobei diese Liste nicht ganz vollständig sein dürfte. Einzelne Vereine sind in den vergangenen Jahrzehnten auch wieder verschwunden, so der oben erwähnte Jodlerklub Flüeli Sissach, der seine Aktivität 2012 wegen Mitgliedermangels einstellen musste.
12 000 Aktive und 200 000 Besucher
vs. 1924 war Basel erstmals Austragungsort eines Eidgenössischen Jodlerfestes. Das damalige «Schweizerische Jodler-Verbandsfest» fiel in eine Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, Generalstreik und wirtschaftlichen Krisenjahren, in der Brauchtum und nationale Identität an Bedeutung gewannen. Die Vorträge in der Mustermesse stiessen auf riesiges Interesse – die Säle waren überfüllt. Gleichzeitig verstand die Jury das Fest als musikalische Standortbestimmung: Gelobt wurden viele starke Darbietungen, kritisiert aber auch fehlende Dynamik und unsaubere Abstimmung zwischen Gesang und Jodel.
Auffällig aus heutiger Sicht: Frauen spielten kaum eine Rolle. Unter 52 Einzelvorträgen gab es nur gerade zwei Sängerinnen (im Festbericht als «Fräulein» erwähnt), in den Gremien war keine Frau vertreten.
2026 kehrt das Eidgenössische Jodlerfest nach 102 Jahren wieder nach Basel zurück. Der nationale Grossanlass findet von morgen Freitag, 26., bis Sonntag, 28. Juni statt. Erwartet werden laut Angaben des Verbands rund 12 000 Aktive aus den Bereichen Jodelgesang, Alphornblasen und Fahnenschwingen sowie etwa 200 000 Besucherinnen und Besucher.
Wegen Hitze: mehr Wasserbezugsstellen, gratis Hüte, mobile Sanität
vs. Die Veranstalter des Jodlerfests haben verschiedene Massnahmen getroffen, um Aktive und Gäste bestmöglich auf die am Wochenende erwarteten hohen Temperaturen vorzubereiten. Gemäss einer gestern veröffentlichten Mitteilung wurden auf der Website des Jodlerfestes Informationen und Verhaltensempfehlungen publiziert.
Dort wird unter anderem auf ausreichendes Trinken, den Aufenthalt im Schatten, das Tragen einer Kopfbedeckung sowie das Beachten möglicher Warnsignale des Körpers wie Schwindel oder Kreislaufbeschwerden hingewiesen. Zudem verweist das Organisationskomitee auf die öffentlichen Trinkwasserbrunnen in der Altstadt, an denen kostenlos Wasser bezogen werden kann.
Für einzelne Programmpunkte sind zusätzliche Vorkehrungen vorgesehen. Beim Festakt wird eine Straffung des Programms geprüft. Zudem sollen den Teilnehmenden Hüte als Sonnenschutz abgegeben werden. Für den Festumzug ist laut Mitteilung eine Verdoppelung der kostenlosen Wasserausgabe am Start und im Ziel geplant. Entlang der Route soll eine zusätzliche Wasserstation eingerichtet werden. Zu Beginn des Umzugs sollen zudem 15 000 bis 20 000 Hüte sowie Wasserflaschen an die Besuchenden verteilt werden. In der Eisengasse und auf dem Claraplatz sind zusätzliche Wasserverkaufsstände vorgesehen. Mobile Sanitätsteams sollen die medizinische Erstversorgung sicherstellen.
Das OK steht nach eigenen Angaben in engem Austausch mit den Behörden. Je nach Wetterentwicklung könnten zusätzliche Massnahmen umgesetzt werden. Erfahrungen von vergleichbaren Grossveranstaltungen zeigten, dass auch bei sommerlichen Temperaturen ein geordneter Festbetrieb möglich sei.

