Das Rennen ist eröffnet
25.09.2026 BaselbietRegierungsrat Anton Lauber kündigt Rückzug an
Nach 14 Jahren ist Schluss: Regierungsrat Anton Lauber («Mitte») tritt bei den Gesamterneuerungswahlen 2027 nicht mehr an. Sein Rückzug bringt Bewegung ins Rennen um die Regierungssitze – Bürgerliche wie ...
Regierungsrat Anton Lauber kündigt Rückzug an
Nach 14 Jahren ist Schluss: Regierungsrat Anton Lauber («Mitte») tritt bei den Gesamterneuerungswahlen 2027 nicht mehr an. Sein Rückzug bringt Bewegung ins Rennen um die Regierungssitze – Bürgerliche wie Linke bringen sich bereits in Stellung.
Pascal Kamber
Lange wurde spekuliert, ob Anton Lauber («Mitte») als Regierungsrat weitermacht oder gar eine Ständeratskandidatur ins Auge fasst. Seit gestern herrscht Klarheit: Der 65-jährige Allschwiler schlägt weder den einen noch den anderen Weg ein. «Ich werde zu den Wahlen 2027 nicht mehr antreten», verkündete Lauber gleich zu Beginn der Landratssitzung im Liestaler Stadtsaal.
Für ihn sei nun der richtige Zeitpunkt gekommen, dies der Öffentlichkeit mitzuteilen. Zum einen, weil die Parteien nach den Herbstferien voll und ganz in den Wahlkampf starten werden. Zum anderen habe er sich gefragt, wann er sich das letzte Mal so richtig frei gefühlt habe. «Ich erinnere mich an ein halbes Jahr zwischen Lizenziatsabschluss und dem Beginn des Volontariats für die Anwaltsprüfungen», so Lauber. Seither sei er viel unterwegs gewesen, meist auch an den Wochenenden – oft auf Kosten seiner Familie. Entsprechend verlockend sei die Aussicht auf mehr Freizeit. «Meine Familie hat auch ein Recht darauf, dass ich wieder mehr zu Hause bin», sagte Lauber.
Damit geht seine Amtszeit in der Baselbieter Exekutive im kommenden Juni nach 14 Jahren zu Ende. Bei den Ersatzwahlen vom 9. Juni 2013 um die Nachfolge des verstorbenen Peter Zwick wurde Lauber von der damaligen CVP als Kandidat erkoren. Dem langjährigen Allschwiler Gemeindepräsidenten gelang es schliesslich, den Sitz im Regierungsrat zu halten. Seit seiner Wahl amtet Lauber als Vorsteher der Finanz- und Kirchendirektion. Diese verlasse er nun mit zwei lachenden Augen. «Ich bin mit Leib und Seele Regierungsrat. Ich habe gerne politisiert und mit den Leuten gesprochen, aber noch lieber Strategien entwickelt und etwas verändert», sagte Lauber.
In seinen verbleibenden neun Monaten in der Baselbieter Regierung werde er deshalb «nicht in den Seilen hängen», versprach Lauber: «Ich arbeite normal weiter und freue mich auf das, was noch kommt.»
Bürgerliche wollen Sitz halten
Die Bürgerliche Allianz bedauert Laubers Rücktritt. «Seit vielen Jahren trägt er die Politik in unserem Kanton», sagte FDP-Kantonalpräsident Melchior Buchs an einer Pressekonferenz mit Vertretern von FDP, SVP und «Mitte» im Regierungsgebäude in Liestal. «Mit einer grossen Erfahrung, einem finanzpolitischen Verantwortungsbewusstsein und einem klaren Blick für die Herausforderungen der Zukunft hat sich Anton Lauber für ein starkes, eigenständiges und attraktives Baselbiet eingesetzt», so Buchs.
Oberstes Ziel sei nun, die bürgerliche Mehrheit im Regierungsrat zu halten. Wie – und vor allem mit wem – die drei Parteien dies erreichen wollen, ist noch unklar. «Die neue Ausgangslage verlangt von uns zusätzliche Überlegungen», sagte Buchs. Die Bürgerliche Allianz behalte sich deshalb vor, je nach Ausgangslage mit weiteren Persönlichkeiten zur Wahl anzutreten. Die FDP jedenfalls prüfe gemäss Buchs ernsthaft eine zweite Kandidatur neben ihrem bisherigen Regierungsrat Markus Eigenmann.
Die «Mitte» wird eine Personalkommission einberufen, welche die eingehenden Kandidaturen aus den Sektionen prüft. Ob eine davon den Namen «Simon Oberbeck» trägt, wollte dieser nicht verraten. Der Parteipräsident erklärte aber vielsagend: «Das Regierungsratsamt ist eine spannende Aufgabe.»
Auch bei der SVP schliessen die Verantwortlichen nicht aus, dass sich Interessenten aus den eigenen Reihen für den frei werdenden Sitz melden. «Das ist kein Misstrauensvotum, sondern Wahlstrategie. Bleibt eine der fünf Linien auf der Wahlliste leer, ist das Risiko gross, dass ein bürgerlicher Wähler jemanden von der anderen Seite aufschreibt», sagte Parteipräsident Peter Riebli.
Spätestens am 21. und 22. Oktober dürfte mehr Licht ins Dunkel kommen. Dann wollen «Mitte», FDP und SVP an ihren Parteitagen ihre Kandidatinnen und Kandidaten nominieren.
Linke erheben Anspruch
Laubers Entscheid weckt auch auf der Gegenseite Interesse am frei werdenden Sitz. So etwa bei den Grünen, die nach dem Rücktritt von Isaac Reber ab dem 1. Oktober nicht mehr in der Regierung vertreten sein werden. «Wir haben immer gesagt, dass wir Verantwortung übernehmen und so rasch wie möglich wieder in die Regierung wollen. Daran hat sich nichts geändert und in unserer Partei gibt es mehrere fähige und interessierte Personen, die für eine solche Aufgabe infrage kommen», liess die Partei auf Anfrage der «Volksstimme» verlauten. Ob Philipp Schoch nochmals antritt, bleibt abzuwarten.
Auch die GLP wird «ziemlich sicher» bei den Regierungsratswahlen antreten, sagt Präsident Thomas Tribelhorn und ergänzt: «Nach Anton Laubers Verzicht sind unsere Chancen nochmals gestiegen. Die amtierenden Regierungsräte werden bei den Wahlen nicht einfach durchmarschieren: Thomi Jourdan steht wegen des Spitalstandortentscheids unter Druck, Kathrin Schweizer wegen der Migrationsamtsaffäre. Matthias Liechti und Markus Eigenmann wiederum werden zum Zeitpunkt der Wahlen erst seit kurzer Zeit im Amt sein.» Ob und mit wem die GLP antritt, entscheidet die Mitgliederversammlung Ende Oktober. Zu den möglichen Kandidaten zählen Tribelhorn sowie die Landräte Tim Hagmann und Yves Krebs.
Die SP meldete gestern ihren Anspruch auf einen zweiten Regierungsratssitz an. «Wir führten Gespräche mit den Grünen und sind in einem guten Austausch, haben aber bewusst entschieden, zwei SP-Kandidaturen zu stellen. Die Geschlechterfrage lassen wir dabei völlig offen», sagt Parteipräsidentin Tania Cucè. Die aktuelle Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer geniesse weiterhin die volle Unterstützung: «Es gab Missstände im Migrationsamt, doch genau deshalb ist es wichtig, dass dort eine Sozialdemokratin die Aufarbeitung genau begleitet», so Cucè. Valable Kandidierende sind gemäss der Parteipräsidentin etwa die Landratsmitglieder Adil Koller, Jan Kirchmayr oder Désirée Jaun. Cucè abschliessend: «Die Finanzdirektion ist eine interessante Direktion, in der vieles nicht in unserem Sinne gelaufen ist in den vergangenen Jahren.»


