«Das Leben ist eine Pizza»
06.01.2026 SissachMedium und Autor Pascal Voggenhuber ruft zum Geniessen auf
Mit Jenseitskontakten wurde Pascal Voggenhuber bekannt – und dafür kritisiert. Heute vermittelt er als Autor und Coach auch eine positive Einstellung zum Leben vor dem Tod. Nach zahlreichen Sachbüchern soll bald ...
Medium und Autor Pascal Voggenhuber ruft zum Geniessen auf
Mit Jenseitskontakten wurde Pascal Voggenhuber bekannt – und dafür kritisiert. Heute vermittelt er als Autor und Coach auch eine positive Einstellung zum Leben vor dem Tod. Nach zahlreichen Sachbüchern soll bald sein erster spiritueller Roman folgen.
Marianne Ingold
Herr Voggenhuber, das Kunstmuseum Basel zeigt eine Geister-Ausstellung und im Theater Basel stehen Geister in einem Musical auf der Bühne. Was halten Sie davon?
Pascal Voggenhuber: Die Ausstellung habe ich zusammen mit meiner Frau besucht. Im englischen Spiritualismus, aus dem ich komme, gibt es viele Geisterbilder, wie sie in der Ausstellung gezeigt werden, sogenannte Ektoplasmen. Was echt ist und was nicht, ist schwierig zu unterscheiden, aber ich finde es interessant. Das Musical habe ich nicht gesehen.
Das Kommunizieren mit Verstorbenen ist in der Populärkultur angekommen. Als Sie damit anfingen, war das noch anders.
Meine Biografie «Leben in zwei Welten» war das erste esoterische Buch auf einer Schweizer Bestsellerliste. Heute sind die Buchhandlungen voll mit spirituellen Büchern. Meine ersten Vorträge hielt ich im Sissacher Teeladen vor sieben Leuten. Zum Festival «Find your Flow» in der St. Jakobshalle, bei dem ich auch auf der Bühne stand, kamen im vergangenen Herbst 10 000 Menschen.
Ob meditieren, manifestieren, Tarotkarten befragen oder Raunächte zelebrieren: Spiritualität ist heute allgegenwärtig. Wo verorten Sie sich in dieser Szene?
Zu meiner Arbeit passt am besten der Titel meines Buchs «Botschafter der geistigen Welt». Ich versuche, die breite Masse mit Vorträgen, Seminaren und Büchern darauf aufmerksam zu machen, dass es noch «etwas anderes» gibt. Mit Jenseitskontakten wurde ich bekannt, gebe aber schon lange keine Einzelsitzungen mehr.
Warum hörten Sie damit auf?
Als Medium wurde ich innerhalb eines Jahres so bekannt, dass danach die Wartezeit für eine Beratung acht Jahre betrug. Mit 26 hätte ich also planen müssen, was ich mit 34 machen würde. Das wurde mir zu viel. Und weil es so lange dauerte, kamen die Leute auch fast nur noch wegen Suiziden, Mordfällen und anderen schlimmen Sachen zu mir.
Weshalb wurden Sie so schnell bekannt? An Ihrem ersten Buch von 2004 kann es nicht gelegen haben.
Nein, das war eine Katastrophe. Mein bester Freund hatte mich dazu motiviert, meine Geschichte als Hellsichtiger aufzuschreiben. Das tat ich, verpackt in eine Art Roman, den ich mit Unterstützung von Freunden im Eigenverlag herausbrachte. In meinem Online-Shop stiess Verlegerin Sabine Giger darauf und schlug mir vor, die Geschichte überarbeitet als Biografie herauszugeben. Die war zuerst auch ein Flop.
Woher also der Erfolg?
An einem spirituellen Abend sollte ich kurz etwas über mich und mein Buch erzählen. Stattdessen machte ich einen Jenseitskontakt. Das Publikum war verblüfft, weil ich das, was ich dabei erzählte, unmöglich wissen konnte. Das sprach sich herum und mein Buch landete auf der Bestsellerliste. Die Presse liebte mich, weil ich jung und tätowiert war, aussah wie ein Hip-Hopper und irgendetwas mit Spiritualität machte. Erst ein paar Jahre später hiess es plötzlich: Moment, der verdient ja Geld damit.
Dann wurden Sie angegriffen und als Scharlatan bezeichnet, der einfach clevere Tricks anwende.
Das war brutal. Für viele war mein Erfolg ein rotes Tuch und sie wollten mich schlecht machen. In der Zeitung stand, ich sei Millionär, dabei wohnte ich bis 28 noch bei meiner Mutter. Durch den ganzen Rummel bekam ich aber viele neue Follower, und die Einschaltquote meiner Fernsehsendung bei «Sat.1 Schweiz» verdreifachte sich.
Schon als Teenager moderierten Sie bei Telebasel. Später besuchten Sie eine Schauspielschule. Wie kam es dazu?
Als wir in der Schule schnuppern gehen mussten, interessierte ich mich fürs Fernsehen und rief bei «Telebasel» an. Dort wurde gerade eine Jugendsendung aufgebaut, bei der ich mitlaufen konnte und die ich später moderierte. Mit 18 wurde ich dafür langsam zu alt, war aber für die Nachrichten noch zu jung. Zur Überbrückung empfahl mir eine Kollegin eine Schauspielschule. Auf der Bühne bin ich total entspannt und fühle mich wohl, obwohl ich privat sehr introvertiert bin.
Ihre übersinnlichen Fähigkeiten wollten Sie damals noch loswerden.
Meine Hellsinne bereiteten mir zunächst Probleme, da ich sie noch nicht ein- und ausschalten konnte. Deshalb wollte ich sie weghaben. Auch die ganze Esoterik fand ich überhaupt nicht cool. Erst als ich jemanden traf, der im englischen Spiritualismus ausgebildet und ganz «normal» war, fand ich das faszinierend und begann nebenher mit meiner medialen Ausbildung.
Wie verlief Ihre Ausbildung und wie haben Sie diese finanziert?
Einen Grossteil absolvierte ich in der Schweiz bei englischen Lehrern. Später reiste ich für einzelne Unterrichtsblöcke nach England. Meinen Lebensunterhalt verdiente ich mit einem Esoterikladen und allerlei Nebenjobs: Ich zählte Schrauben bei der Rego-Fix, putzte Turnhallen, arbeitete als Zügelmann.
Weshalb wurden Sie schliesslich Medium statt Schauspieler?
Bei einem Casting für die Fernsehserie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» war ich weitergekommen und wollte die Ausbildung als Medium abbrechen. Zu dieser Zeit gab mir mein medialer Lehrer in England einen sehr hilfreichen Kontakt zu meinem verstorbenen Vater. Dadurch wurde mir klar, welche Bedeutung solche Kontakte haben. Es war wie eine kleine Erleuchtung, und mein Herz entschied sich für die mediale Schule.
Als Kind wollten Sie Priester werden. Was ist denn der Unterschied zwischen Ihnen und einem Priester?
Meine Mutter war katholische Religionslehrerin in Sissach und meine Ausbildung im englischen Spiritualismus war auch eine Art Priesterausbildung: Man zelebriert Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Auch Jenseitskontakte gehören dort zum Gottesdienst, um den Leuten zu zeigen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Ich selber mache keine Gottesdienste, weil es für mich keine Rolle spielt, welche Religion jemand hat. Der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist aber Voraussetzung, sonst macht meine Arbeit keinen Sinn. Übrigens: Auch Pfarrer verdienen Geld.
Wieso wollen Menschen überhaupt Kontakt aufnehmen mit Verstorbenen?
Die meisten, weil Dinge ungeklärt sind. Man weiss zum Beispiel nicht, ob ein Todesfall ein Freitod war. Auch Schuldgefühle sind ein häufiges Thema, ein Streit oder Beziehungskonflikte vor einem tödlichen Unfall, und natürlich Trauer: Im Trauerprozess wenden sich viele Leute an ein Medium.
Der Glaube an Jenseitskontakte ist also verbreitet?
Viel stärker, als man denken würde. Wenn alle öffentlich die Hand erheben müssten, die an aussersinnliche Phänomene glauben, würden das vielleicht 40 Prozent tun. Wäre dieselbe Umfrage anonym, würden wohl 85 Prozent sagen, sie hätten bereits einmal Erfahrungen gemacht, die sie nicht einordnen können, vor allem im Zusammenhang mit dem Tod.
Es gibt sogar Naturwissenschaftler, die glauben, dass Verstorbene nach dem Tod hier bleiben.
Wissenschaftlich ist längst bewiesen, dass wir aus reiner Energie bestehen, die nicht zerstört werden kann, sondern in irgendeiner Form weiterexistiert. Nicht bewiesen ist dagegen, dass ich mit Verstorbenen kommunizieren kann.
Früher haben Sie sich als Medium vorgestellt. Und heute?
Als Buchautor und Coach. In erster Linie sehe ich mich als Autor, weil Schreiben meine Lieblingsbeschäftigung ist. Ich habe das Glück, dass ich relativ viele Bücher verkaufe. Davon leben könnte ich aber nicht. Mein Geld verdiene ich mit Kursen, Seminaren und Auftritten. Früher war ich 15 Jahre lang auf Tour, immer zwei Wochen unterwegs, zwei Wochen zu Hause. Ich trat in ganz Europa auf – in Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Belgien, Italien, Polen. Zuerst standen die Jenseitskontakte im Zentrum, später kam mein Programm «Enjoy this Life» dazu.
Was hat Sie bewogen, dieses Programm zu entwickeln, in dem es um das Leben im Diesseits geht?
Ich weiss gar nicht, wie oft ich meinen Vortrag über das Leben nach dem Tod gehalten habe – manchmal mehrmals pro Tag. Mit der Zeit fehlte mir dabei die Herausforderung. «Enjoy this Life» entwickelte ich, um den Leuten zu sagen: Konzentriert euch nicht nur darauf, was nach dem Tod kommt. Ihr könnt in diesem Leben viel verbessern.
Daneben haben Sie fast jedes Jahr ein Buch geschrieben, das neueste zum Thema Aura.
Abgesehen von meinem Erstling habe ich bisher ausschliesslich Sachbücher geschrieben – ein geplanter Thriller ist nie erschienen. Mehr Bücher über dieselben Themen zu schreiben, wäre langweilig. Nun habe ich meinen ersten spirituellen Roman verfasst, der hoffentlich bald erscheinen wird. Die Hauptfigur ist eine Frau, auch, weil Frauen meine Hauptzielgruppe sind. In der spirituellen Szene sind die Speaker und Autoren zwar zum grossen Teil Männer, aber 85 Prozent der Teilnehmenden sind Frauen.
Wie sind Sie als Unternehmer organisiert?
Früher hatte ich einen Fahrer, Assistenten und eigene Techniker. Corona hat das stark verändert: Alle Touren wurden abgesagt und ich musste meine Angestellten entlassen. Seither ist das Online-Business wichtiger geworden und ich bin nicht mehr so oft auf Tour. Deshalb beschäftige ich heute ausschliesslich Freelancer. Ein Mitarbeiter ist in Dubai, mein Buchagent und meine Schreibberaterin sind in Hamburg.
Wozu brauchen Sie denn eine Schreibberaterin?
Sie weist mich darauf hin, wenn eine Geschichte nicht auf Anhieb verständlich ist oder ein Zusammenhang fehlt. Bei den Sachbüchern hatte ich das nicht, aber bei Romanen ist es üblich und hilfreich.
Damit sind Sie wieder beim kreativen Schreiben angelangt – wie in ihrem ersten Buch. Dort steht der Satz: «Das Leben ist eine Pizza.» Was bedeutet der?
Das ist ein Running Gag: Meine Mutter war alleinerziehend und wir hatten wenig Geld. In ein Restaurant essen zu gehen, war deshalb etwas Spezielles – dann gab es Pizza Margherita. Später bestellte ich im Ausgang immer Pizza, und auch auf Tour ass ich oft Pizza. Noch heute reicht eine Pizza, um mich glücklich zu machen.
Was empfehlen Sie sonst noch zum Glücklichsein?
Uns in der Schweiz geht es sehr gut, wir sind aber zu oft damit beschäftigt, das Haar in der Suppe zu suchen. Wir sollten weniger jammern und das Leben mehr geniessen, denn man weiss nie, wann es fertig ist. Macht also 2026 zum Jahr des Geniessens!
Zur Person
min. Pascal Voggenhuber wurde 1980 geboren und wuchs nach der frühen Trennung der Eltern zusammen mit seiner älteren Schwester bei der Mutter in Sissach auf. Er ist verheiratet, wohnt mit seiner Frau im Oberbaselbiet und hat einen Sohn aus einer früheren Beziehung.
Sein erstes Buch publizierte er mit 24 Jahren. Seither sind von ihm 17 weitere Bücher und mehrere CDs erschienen.

