«Das isch los …»
07.03.2025 Bezirk Liestal«… der ESC in Lieschtel wird famos» – gelungenes Rotstab-Cabaret
Das Rotstab-Cabaret im Liestaler KV-Saal überzeugte dieses Jahr besonders: mit einem vielfältigen Programm und humorvollen Auftritten. Thema war unter anderem der bevorstehende Eurovision Song ...
«… der ESC in Lieschtel wird famos» – gelungenes Rotstab-Cabaret
Das Rotstab-Cabaret im Liestaler KV-Saal überzeugte dieses Jahr besonders: mit einem vielfältigen Programm und humorvollen Auftritten. Thema war unter anderem der bevorstehende Eurovision Song Contest in Basel.
Hanspeter Thommen
Von wegen Provinzstädtchen: Der Eurovision Song Contest kommt nicht nach Basel, sondern nach Liestal. So jedenfalls behaupteten es die Kabarettistinnen und Kabarettisten am diesjährigen Rotstab-Cabaret. An Glamour fehlte es nicht diese Woche bei den Aufführungen im KV-Saal. Schon die Eröffnung versprach einiges: mit dem Eurovision-Signet und einem Flug über das «Stedtli», untermalt von einem Eröffnungsstück von Christoph Walter. Danach ging es nahtlos über zu einer an «Abba» erinnernden Gesangsgruppe.
Es wurden offenbar weder Mühe noch Kosten gescheut. Die Protagonisten der Muppet-Show gaben auf der Leinwand ihren Senf dazu. Die Muppet-Show-Figuren wurden danach übernommen vom Stamm und der Jungen Garde der Rotstab-Clique, die einen flotten «Ueli» hinlegten.
Die auswärtigen Gäste – der «fähnlischwingende» Schwede und die versnobte Stadtbaslerin – kamen anlässlich des ESC-Rahmenprogramms in den Genuss einer persönlichen Stadtführung. Dass diese nicht ohne Seitenhiebe gegen verschiedene Stadtpersönlichkeiten vonstatten gehen konnte, versteht sich von selbst. Stadtführerin Fabienne Frei bekundete ihr Interesse an der Teilnahme am ESC und gab eine Kostprobe in Form einer Hommage an Liestal mit einer Melodie aus «Die Schöne und das Biest».
Vielfältiges Programm
Königlich war der Auftritt der Jungtambouren der Rotstab-Clique. Sie trommelten einen Titel, der gut zu ihrer Vorfreude auf die Fasnacht passt: «Ab uf d’Gass.» Ihrem Namen gerecht wurde die Schnitzelbankformation «Die Rabeschwarze»: So schwarz, wie sie daherkamen, hatten ihre Verse sehr viel Lokalkolorit.
«Solotrio» nennt man eine Formation mit einem Tambouren und drei Pfeifenden. Eine solche war ebenfalls auf dem Programm. Im gleichnamigen Kostüm spielten sie wunderbar den schönen Marsch «Altfrangg». Auffallend dabei waren die dynamischen Nuancen, die perfekt umgesetzt wurden.
Tierisch ging es beim ersten Rahmenstück der Kabarettisten zu. Zwar gesellten sich etliche Tiere in Noahs Arche. Leider waren sie aber immer nur einzeln zugegen – bis auf zwei lesbische Hühner. Wie soll da eine Fortpflanzung funktionieren?
Eine Guggenmusik in einem Saal ist akustisch meist recht heikel. Doch den «Rambassadore» aus Reigoldswil ist das gelungen. Sehr stimmig war das erste Stück, «z’Zündhölzli» von Mani Matter mit Bildern vom Chienbäse-Umzug auf der Leinwand.
Das Trommelsolo des Stamms, «Goodsboom», bot neben dem spannend vorgetragenen Stück mit den beeindruckenden Lichteffekten einen sehr guten Gesamteindruck. Mit schönem Stadtbasler Dialekt zog die Sissacher Schnitzelbank-Gruppe «Die Abgsaite» über Liestaler, Basler und weltweite Geschehnisse her.
Mischung aus Garde und Nemo
Für Augen und Ohren ein Genuss und ein Höhepunkt des Abends war das Pfeifersolo der Pfeiferinnen der Rotstab-Clique. Vor passendem Hintergrund spielten sie in Petticoats ein Medley aus dem Musical «Grease». Arrangiert wurde dieses Medley vom Pfeiferinstruktor Paul Wilman, der die Pfeiferinnen auf dem E-Piano begleitete. Der ESC und die bevorstehende Fussball-EM der Frauen in Basel wurden im nächsten Rahmenstück bunt gemischt.
Nach dem Vortrag des Fasnachtszettels präsentierte die Rotstab-Clique ihr diesjähriges Sujet «Die alti Schwyz im neue Chläid» und das dazugehörige Kostüm. Angeführt von einer rotorange gekleideten Helvetia standen auf der Bühne eine Mischung aus Schweizergarde und rosarotem Nemoplüsch. Sie spielten den schnellen Marsch «Joung-Bois».
Für den Epilog setzte sich der Liestaler Nobelpreisgewinner Carl Spitteler auf die Bühne und sinnierte über die alte und die neue Zeit, teilweise mit erstaunlicher Tagesaktualität. Zum Schluss gab er dem Publikum den guten Rat, Sorge zu unserer Erde zu tragen. Wir hätten nur diese eine.
Und darauf wartete das Publikum wie jedes Jahr: die «Stedtli-Singers». Das Publikum wurde nicht enttäuscht. Gesanglich hochstehend und mit viel Wortwitz nahmen sie alles aufs Korn, was sich so tat im vergangenen Jahr. Besonderen Blickpunkt richteten sie dabei auf die sieben Mitglieder des Bundesrats. Jedem wurde speziell «gehuldigt». Das Publikum war sich am Schluss einig: 2025 war ein prächtiger Rotstab-Cabaret-Jahrgang.



