Das Futter bleibt knapp
15.09.2026 BaselbietSchafzüchter hoffen auf Regen in den kommenden Wochen
Züchter Stephan Sprunger hatte Glück: Seine rund 650 Schafe konnten den Dürre-Sommer auf einer Urner Alp verbringen, wo sie genug zu fressen hatten. Die Gesamtsituation bei den Schafzüchtern im Baselbiet ist ...
Schafzüchter hoffen auf Regen in den kommenden Wochen
Züchter Stephan Sprunger hatte Glück: Seine rund 650 Schafe konnten den Dürre-Sommer auf einer Urner Alp verbringen, wo sie genug zu fressen hatten. Die Gesamtsituation bei den Schafzüchtern im Baselbiet ist aber besorgniserregend.
André Frauchiger
Schafzüchter Stephan Sprunger aus Bubendorf hatte Glück mit der Sömmerung seiner rund 650 Schafe auf der Alp Isenthal im Kanton Uri. Den Tieren ging es gut: Die Dürre und Hitze waren viel weniger schlimm als im Baselbiet, und es gab genug Gras zu fressen. Rund 120 Tage verbrachten die Tiere auf der Alp, wo sie sich ziemlich frei bewegen konnten.
13 Herdenschutzhunde und sogenannte Hütehunde schützten die Schafe vor Angreifern, insbesondere vor Wölfen. In der Nachbarschaft auf der Urner Alp gab es Schafrisse durch Wölfe. Seine Tiere wurden aber verschont, erzählt Sprunger. Er sei sehr froh über seine wachsamen Hunde. Zum Teil sind die Hunde noch nicht fertig ausgebildet. Dies soll nun in den Herbst- und Wintermonaten an die Hand genommen werden.
Sorgen bereitet Stephan Sprunger aber die Rückkehr seiner Schafe, die vor wenigen Tagen erfolgt ist. Denn auf den Baselbieter Weiden gibt es nicht überall genug zu fressen. Der Züchter muss sich organisieren. Von seinen rund 650 Schafen sind etwa 150 Lämmer. Anfang kommender Woche wird er entscheiden müssen, welche Lämmer und älteren Tiere zum Metzger gebracht werden. Dies vermag die angespannte Futtersituation etwas zu entschärfen. Erschwerend sei aber, dass Regen in grösseren Mengen in nächster Zeit kaum zu erwarten sei, so der Schafzüchter.
Für Sprunger ist die aktuelle Futtersituation für die Schafe jedoch nicht das Schlimmste, was er bisher erlebt hat. Viel schlimmer sei es vor zwei Jahren gewesen, als die Blauzungenkrankheit grassierte und er gezwungen war, 80 Schafe schlachten zu lassen. Es habe bei den Tieren wegen der Krankheit zudem viele Frühgeburten gegeben. Das sei eine schwierige, traurige Zeit gewesen.
Der Schafzüchter hat festgestellt, dass die Region Basel in der Schweiz am stärksten unter der monatelangen Hitze und Trockenheit gelitten hat. Das gebe ihm zu denken: Die Bauern, die nicht die Möglichkeit haben, ihre Tiere auf einer Alp zu sömmern, seien die wirklich Leidtragenden, so Sprunger. Sie hätten kaum Futter für ihre Kühe, Rinder, Schafe und Ziegen. Zu wenig jedenfalls, um ohne grössere Probleme im Winter über die Runden zu kommen. Das sei für die Bauern existenzbedrohend. Sie benötigten zurzeit Hilfe von verschiedenen Seiten.
Kein Geld für Futterzukauf
Dass viele Schafzüchter im Baselbiet keine Möglichkeit haben, ihre Schafe auf einer Alp zu sömmern, bestätigt Stephan Habegger aus Böckten. Er ist Co-Präsident des Schafzuchtvereins Baselland. Dies treffe auch auf seinen eigenen Betrieb zu. Die Schafzüchter hofften wie die anderen Tierhalter in der Landwirtschaft auf baldigen, nachhaltigen Niederschlag. Bisher habe sich dieser Wunsch leider nicht erfüllt, so Habegger. Auch die Hoffnung, dass vor dem Winter frisch gesätes Gras geerntet werden kann, schwinde dahin.
Stephan Habegger läuft bezüglich Futter mit seinen rund 60 Schafen «am Limit». Bisher sei es ihm zum Glück gelungen, nicht auf Winterfutter zurückgreifen zu müssen, aber wenn sich bis in rund drei Wochen wettermässig nichts ändere, seien für ihn und die meisten anderen Tierhalter Notmassnahmen notwendig. Zu befürchten seien in diesem Fall auch Notschlachtungen. Dies möchten er und seine Kolleginnen und Kollegen, wenn irgendwie möglich, vermeiden.
Ein Glück sei, dass Schafe genügsame Tiere seien, die auch mit wenig und sehr trockenem Gras zufrieden sind, sagt Habegger. Futter aus dem Ausland zu kaufen, sei eine Kostenfrage und auch eine der Heu- und Gras-Qualität. Die Preise für Schaffleisch seien zu niedrig, um sich als Züchter teures Futter leisten zu können.
Der Co-Präsident des Baselbieter Schafzuchtvereins weist darauf hin, dass Schafzüchter auch keine Direktzahlungen des Bundes erhalten, die ihre finanzielle Situation etwas verbessern könnten. Das sei «eigentlich nicht gerecht», denn auch Schafe und Ziegen seien für die Pflege von Wiesen und Weiden sehr nützlich, so Habegger. Auch kleinste und sehr hügelige Wiesen und Weiden würden von diesen Tieren abgegrast – «letztlich ganz im Sinne der Landschaftspflege und des Naturschutzes».
Der Vorstand des Schafzuchtvereins Baselland hat beschlossen, seinen 75 Mitgliedern im Augenblick keine Empfehlungen abzugeben, wie sie sich verhalten sollen. Wenn sich kein ergiebiger Regen einstellt, könnte sich das aber in wenigen Wochen ändern. Im Kanton Baselland gibt es laut Stephan Habegger rund 300 Schafzüchterinnen und -züchter.


