Das Brüggli soll kein Prellstein sein
31.12.2025 GelterkindenUnfallschaden rückt Rünenbergerbrücke erneut in den Fokus
Während der Feiertage ist in Gelterkinden das denkmalgeschützte Rünenbergerbrüggli über den Eibach zum wiederholten Mal von einem Auto beschädigt worden. Wenigstens die Sicherheit für Fussgänger soll der Kanton mit einem zusätzlichen Steg endlich verbessern, fordert die Gemeinde.
Peter Sennhauser
«Prellsteine» heissen strategisch platzierte, verblüffend frech aus mittelalterlichem Gemäuer in die Strasse herausragende Vorsprünge oder Wülste: Ihre Aufgabe war es schon vor Jahrhunderten, den Verkehr zu bremsen
– oder zumindest die schweren Kutschenräder von Haus- und anderen Mauern fernzuhalten. Gleich mehrere dieser Prellsteine weist das Gelterkinder Rünenbergerbrüggli auf, über welches die Kantonsstrasse in Richtung des gleichnamigen Dorfs in den Tafeljura hinaufführt.
Nur haben die Steine und das Gemäuer den heutigen schweren Fahrzeugen wenig entgegenzusetzen: Regelmässig touchieren Autos auf der engen Brücke die Randmauern und verursachen bisweilen schwere Schäden. Im Dezember seien, sagt Theres Fuchs von der Gelterkinder Gemeindeverwaltung, mindestens drei Fahrzeuge in die Mauer auf der Südwestseite gekracht – und beim dritten Mal stürzte ein rund 1 Meter langes Stück der Mauer in den Eibach.
Solche Brüche muss das Tiefbauamt des Kantons jeweils aufwendig reparieren und dabei das Gesamtbild der Brücke erhalten. Denn die Brücke steht unter Denkmalschutz. Deshalb kommt auch der Einbau einer stabilen Leitplanke zum Schutz von Mauer, Autolenkern oder Fussgängern nicht infrage.
Die Brücke ist aber auch ein verkehrstechnischer Engpass auf dem Weg nach Rünenberg und zum Gewerbe in den aufstrebenden Quartieren an der Rünenbergerstrasse in Gelterkinden. Last- und Lieferwagen müssen hier durch; zugleich ist die Brücke aber auch Teil des Schulwegs vieler Sek-Schülerinnen und -Schüler. Wie problematisch das ist, hat eine umfangreiche Video- und Sicherheitsanalyse im Auftrag des Kantons in den Jahren 2021 und 2022 aufgezeigt.
Konzepte für Steg liegen vor
Seither liegen beim Tiefbauamt Konzepte inklusive Visualisierungen und Kostenvoranschlägen bereit für den Bau eines längst versprochenen zusätzlichen Fussgängerstegs neben der Brücke. Er soll vor allem die Schulkinder von der direkt ennet der Brücke liegenden Bushaltestelle sicher auf den Weg zur Sek bringen. Der dortige Fussgängerstreifen auf der Tecknauerstrasse ist zudem vor nicht allzu langer Zeit mit einer Lichtsignalanlage ausgestattet worden, nachdem es zuletzt zu einem Unfall auf dem Zebrastreifen gekommen ist. Ein Kind wurde dabei verletzt.
«Die Analyse und die Konzepte liegen seit mindestens zwei Jahren vor», sagt der zuständige Gelterkinder Gemeinderat Matthias Schürch. Er trat sein Amt nach der Präsentation dieser Planvorlagen an, erklärt er, und habe in der Zwischenzeit immer wieder beim Tiefbauamt nach dem Stand der Dinge gefragt. Nach anfänglicher Funkstille zeige sich der Kanton inzwischen dialogbereit. Dennoch hat der Gelterkinder Gemeinderat Mitte November eine hochoffizielle, dringliche Anfrage betreffend Beschleunigung des Bauvorhabens nach Liestal geschickt.
Einer oder zwei Stege?
Denn die Gemeinde steht ebenfalls unter Zugzwang: Sie müsste den rund 80 Meter weiter südlich an der Tecknauerstrasse liegenden bestehenden Fussgängersteg sanieren. Derzeit seien die statischen Probleme dieses Übergangs über den Eibach provisorisch behoben, so Schürch, und diese Abstützung dürfte laut Experten für rund zwei Jahre genügen. «Aber wenn wir nicht in Seldwyla wohnen möchten, sanieren wir nicht diesen Steg für viel Geld, nur um kurz darauf in nächster Nähe den neuen Steg des Kantons zu bekommen», sagt Matthias Schürch. «Wir sind auch mit den Schulverantwortlichen im Gespräch», sagt er, «denn der gemeindeeigene Steg führt direkt zum Kindergarten Hüslimatt. Wir haben deshalb gefragt, ob den Kindergärtnern ein Umweg von 80 Metern über den neuen Steg des Kantons zumutbar wäre.» Bisher sei man einhellig der Meinung, dass das der Fall ist, zumal beim neuen Steg neben dem Fussgängerstreifen die Ampelanlage zusätzliche Sicherheit für den Schulweg böte.
Drei Gestaltungsmöglichkeiten
Bleibt die Frage nach der Gestaltung des Stegs beim Rünenbergerbrüggli. Den Unterlagen des Kantons ist zu entnehmen, dass der Steg 3 Meter breit werden soll, um ausreichend Platz für drei Personen nebeneinander zu bieten. Die Platzverhältnisse aber sind knifflig: Wenn der Steg das Gesamtbild der Brücke nicht beeinträchtigen soll, müsste er rund 7 Meter nördlich der Brücke über den Bach führen. Dazu ist die Einwilligung zur Bodennutzung von Privatbesitzern (Jundthaus/Tecknauerstrasse) erforderlich. Ohne Landzukauf käme eine zweite Variante aus, bei welcher der Steg in einem Abstand von nur 1 Meter neben der Brücke geführt würde. Die dritte und wohl eleganteste Version wäre eine diagonale Führung des Stegs, sodass er von der Tecknauerstrasse mit einigen Metern Abstand schräg auf den Brückenkopf der anderen Bachseite zulaufen würde (siehe Visualisierung). Wie bei der zweiten Variante wäre dazu kein Boden Dritter im Spiel. Dafür müssten aber elektrische Verteilkästen auf der Seite der Tecknauerstrasse versetzt werden.
Matthias Schürch wünscht sich vor allem, dass bald entschieden wird, damit keine Doppelspurigkeiten auftreten. Mittel- und langfristig sieht der für die Infrastruktur zuständige Gemeinderat generell auch die Frage aufkommen, ob die Zufahrt zum aufstrebenden Quartier im Süden des Eibachs und die Verbindung nach Rünenberg nicht generell neu gedacht werden müssten.



