«Das Baselbiet überzeugt durch Vielfalt»
07.05.2026 Bezirk LiestalMichael Kumli von Baselland Tourismus setzt auf gebündelte Angebote
Die Besucherzahlen im Baselbiet steigen – und mit ihnen die Ambitionen. Tourismus-Geschäftsführer Michael Kumli erklärt, wie sich der Landkanton als attraktiver Zwischenstopp auf der ...
Michael Kumli von Baselland Tourismus setzt auf gebündelte Angebote
Die Besucherzahlen im Baselbiet steigen – und mit ihnen die Ambitionen. Tourismus-Geschäftsführer Michael Kumli erklärt, wie sich der Landkanton als attraktiver Zwischenstopp auf der Nord-Süd-Achse etablieren will.
Jane Bures
Michael Kumli, was bedeutet es, Baselland Tourismus zu führen und den Landkanton neben dem Reisehotspot Basel-Stadt zu positionieren?
Michael Kumli: Für mich bedeutet es, die Stärken unseres Kantons sichtbar zu machen. Wir positionieren Baselland als Entdeckerland – als Kurzferienregion mit überraschenden Erlebnissen, hoher Qualität und einem eigenständigen Profil. Wir setzen auf Themen, die authentisch sind: wandern und Velo fahren, entdecken von Burgen und Schlössern, geniessen mit Gastronomie und Weinbau sowie tagen und feiern im Grünen. Entscheidend ist, dass wir bewährte Mittel einsetzen und dabei neue Akzente hervorheben. So schaffen wir Aufmerksamkeit und zeigen, wie vielseitig das Baselbiet ist.
Wie wird das Baselbiet zum Touristenmagnet – ohne Alpen und ohne die Strahlkraft von Basel-Stadt?
Für uns ist Qualität entscheidend. Das Baselbiet überzeugt durch eine aussergewöhnliche Vielfalt auf engem Raum: mit Augusta Raurica, dem grössten archäologischen Park der Schweiz, den Erlebniswelten von Ricola, den Schweizer Salinen, dem «Läckerli Huus» oder der Oris. Dazu kommen rund 80 Burgen, Schlösser und Ruinen. Diese Angebote lassen sich hervorragend mit unserer Gastronomie verbinden. Entscheidend ist, sie gebündelt und gut sichtbar zu präsentieren.
Woher kommen unsere Besucher hauptsächlich?
Gemäss Bundesamt für Statistik stammen mehr als die Hälfte unserer Hotelgäste aus der Schweiz. Für 2025 rechnen wir mit rund 154 000 Logiernächten in der Hotellerie, insgesamt – inklusive anderer Übernachtungsformen – mit rund 295 000. Danach folgen Gäste aus Deutschland, den USA, den Niederlanden und Grossbritannien.
Wie soll sich der Tourismus weiterentwickeln – und was unternehmen Sie konkret für die Besucherlenkung?
Wir bündeln unsere Angebote stärker und präsentieren sie als Erlebnis-Pakete. Zudem wollen wir Reisende auf der Nord-Süd-Achse gezielt für Zwischenstopps gewinnen. Für die Besucherlenkung entwickeln wir in allen fünf Bezirken attraktive Erlebniskarten, die klar definieren, welche Angebote wir hervorheben.
Unterstützt der Kanton diese Vorhaben?
Ja, wir arbeiten auf Basis einer Leistungsvereinbarung mit dem Kanton und erhalten dafür finanzielle Unterstützung, die wir sehr schätzen. Eine externe Evaluation im Februar 2024 hat jedoch gezeigt, dass für die Umsetzung unserer Ziele zusätzliche Mittel notwendig sind.
Diese Leistungsvereinbarung ist sicher eine andere als die von Basel-Stadt?
Ja, die Rahmenbedingungen sind anders. Basel-Stadt hat andere Frequenzen, auch wenn viele Aufgaben vergleichbar sind. Im Baselbiet arbeiten wir mit 86 Gemeinden und verschiedenen Anspruchsgruppen zusammen, was zusätzliche Themenfelder mit sich bringt.
In Liestal wurde im September 2025 das Besuchszentrum eröffnet. Wie fällt die Bilanz aus?
Sehr positiv. Nach dem Konkurs des «Poetenäscht» ist es gelungen, an diesem Standort Baselland Tourismus, Liestal Tourismus sowie die Geschäftsstellen der Wanderwege beider Basel und des Erlebniszentrums Liestal unter einem Dach zu vereinen. Das Zentrum ist auch Ausgangspunkt für Führungen wie den Foodtrail. Besonders freut mich, dass dieses kulinarische Angebot auch ausserhalb des Kantons sehr gefragt ist. Die Schnitzeljagd durch das «Stedtli» führt zu verschiedenen Genussstationen. Im Sommer folgt zudem ein neues «Foxtrail GO»- Abenteuer.
Sind bei Baselland Tourismus auch Stimmen aus anderen Kantonen vertreten?
Ja. Mit Prof. Urs Wagenseil von der Hochschule Luzern haben wir jemanden im Vorstand, der einen kritischen Aussenblick einbringt. Das ist sehr wertvoll.
Warum ist Baselland Tourismus wichtig für die Region?
Weil wir eine zentrale Aufgaben für die Region übernehmen und einen spürbaren Beitrag zur Standortattraktivität leisten. Wir machen «s Baselbiet» als Lebens-, Freizeit- und Wirtschaftsraum sichtbar. Wir vermarkten Angebote nach innen und aussen, informieren über Veranstaltungen und Aktivitäten. So stärken wir die Wahrnehmung unserer Region. Gleichzeitig vernetzen wir Gemeinden, Leistungsträger und Partner, entwickeln touristische Produkte wie den Schweiz-Mobil Langenbruck-Bölcheflue-Rundweg und bündeln bestehende Angebote. Wir fördern Wertschöpfung für Gastronomie, Hotellerie, Detailhandel und Freizeitbetriebe, geben Gästen Informationen und schaffen Impulse für Entwicklungen. Kurz gesagt: Wir helfen mit, dass Baselland erlebbar und wirtschaftlich erfolgreich bleibt.
Wie steht es um das Projekt eines Busses auf den Bölchen?
Wir sind im Austausch mit verschiedenen Akteuren. Ziel ist ein Pilotprojekt, um eine Busverbindung zwischen Eptingen und Langenbruck zu testen. Dazu gab es konstruktive Gespräche.
Ihr Ziel für das Baselbiet in den nächsten Jahren?
Dass wir auch in 10 bis 20 Jahren gerne hier leben und arbeiten – und mit Stolz Gäste empfangen.
Zur Person
jmb. Michael Kumli ist seit 2020 Geschäftsführer von Baselland Tourismus. Der 42-Jährige ist in Hölstein aufgewachsen und lebt mit seiner Familie in Liestal. Zuletzt war der Tourismusfachmann Geschäftsführer bei Swiss Triathlon.

