COACH’S CORNER
29.01.2026 SportKoalas, Hitzewelle und Jetlag
Nein, das ist kein Reiseführer und kein Reiseblog. Es ist die Realität eines Profi-Tennisspielers – beziehungsweise in meinem Fall die eines Coaches eines solchen: Leandro Riedi. Reisen gehört dazu. Oft. Weit. Und ...
Koalas, Hitzewelle und Jetlag
Nein, das ist kein Reiseführer und kein Reiseblog. Es ist die Realität eines Profi-Tennisspielers – beziehungsweise in meinem Fall die eines Coaches eines solchen: Leandro Riedi. Reisen gehört dazu. Oft. Weit. Und manchmal beides. Das Tennisjahr startet für die besten 250 Spielerinnen und Spieler der ATP und WTA traditionell «Down Under». Vor den Australian Open finden in mehreren Städten kleinere Turniere statt – damit man nicht für ein Turnier, im schlimmsten Fall für ein Match, um die halbe Erdkugel reist.
Unsere Reise begann in Brisbane. Ein lang ersehnter Start, denn wir kamen aus einer Verletzungspause, die uns seit Anfang September ausgebremst hatte. Leider war das Feld dieses Jahr so stark besetzt wie nie zuvor, und wir verpassten den «Entry» ins Qualifikationstableau um einen Platz. Statt Matches standen Training und Sightseeing auf dem Programm. Auch schön, nur nicht ganz der Plan – aber ich denke, das Känguru im Lone Pine Sanctuary, das wir füttern durften, hat das kaum gestört.
Weiter ging es nach Melbourne zum Main Event: den Australian Open. Begrüsst wurden wir mit Temperaturen von bis zu 45 Grad. Das fühlt sich ungefähr so an, als würde dir jemand einen Föhn direkt ins Gesicht halten – dauerhaft. Unerträglich.
Das Wetter beruhigte sich, die Aufregung zum Turnierstart stieg. In dieser Phase fliesst ein grosser Teil von Coaching und Energie in mentale und taktische Aspekte. Trainiert wurde bei allen bis zu diesem Zeitpunkt genug. Alle sind frisch, motiviert und hungrig. Es geht also nur noch ums Feintuning: die mentale Vorbereitung auf den Event sowie taktische Anpassungen an spezifische Gegner. Das gelang uns teilweise. Die Bilanz: ein Sieg und eine knappe Niederlage. Durchatmen? Höchstens im Flugzeug nach Europa – da kann man das angesichts der Flugstunden dafür auch mehrmals.
Nach einer 26-stündigen Heimreise und 15 Stunden Aufenthalt zu Hause standen wir bereits wieder am Abflug-Gate: Destination Lissabon. Nächstes Turnier. Kleinere Bühne, gleich intensive Matches. Fürs Coaching hiess das: den Spieler auf neue Bedingungen vorbereiten, Lehren aus den Vorwochen beachten, den Athleten wieder «game ready» machen. Nach guten Matches stoppte uns Leandros Körper erneut. Comebacks sind heikel: Matchfitness holt man sich nur in Matches – doch wann ist zu viel zu früh? Die Folge: Aufgabe, Pause und medizinische Checks – um hoffentlich am 6. und 7. Februar für die Schweiz im Davis Cup aufschlagen zu können.
Viel los in wenigen Wochen zum Jahresstart, oder? Das ist der Rhythmus unseres Lifestyles: Intensiv, spannend und herausfordernd. Und es geht immer weiter.
Yannik Steinegger
Der Bubendörfer Yannik Steinegger (2000) gehörte zu den besten Schweizer Tennisspielern, ehe er sich mit 23 entschied, Profi-Trainer zu werden. Er betreut Leandro Riedi.

