Chly meh Wurscht
10.04.2025 PersönlichMUNDART
Das säg ich nid öppe bim Metzger oder bim «bayrische Weisswurst-Frühstück», es isch das Gfühl, won ich immer meh ha. Sit es paar Däg bin ich 44 und ich weiss nid genau, öb das nur mit em Alter zämme hangt. Irgendwenn ...
MUNDART
Das säg ich nid öppe bim Metzger oder bim «bayrische Weisswurst-Frühstück», es isch das Gfühl, won ich immer meh ha. Sit es paar Däg bin ich 44 und ich weiss nid genau, öb das nur mit em Alter zämme hangt. Irgendwenn hani gmerkt, ass mir gwüssi Sachen e chly meh Wurscht sy as au scho. Villicht hani jetz, so offiziell Mitti Vierzgi, eifach scho s eint oder ander erläbt oder me hertet mit der Zyt irgendwie ab. Villicht wird men au bitz fuuler oder weniger eitel? Ich cha das gar nid genau beschryybe, aber es erlyychteret der Alltag immer wiider.
Bim letschte Hundespaziergang isch es mir wiider mol ufgfalle, ass es mir eigentlig völlig wurscht isch, wien ich für so öppis us em Huus gang. Ich han e Jeans und e z warmi Jaggen aagleit. Denn au bi dene herrlige, erschte Früehligs-Sunnestrahle bin ich es Gfröörli, das wird mit de Johr übrigens immer schlimmer. Öb myni Hoose Fläcke vom letschte Spaziergang druf het und farblig grad nid zu de «Trekkingschueh» basst, isch mir wurscht. Öb myni knallgääli Jaggen optisch meh an d Nordseeküschte ghört mit deenen Anker druf – egal. So wird ich wenigschtens gsee an der Strooss, wenns mol nid so sunnig isch. Au dä zämmebundeni Chutz, won i hüt statt früsch gwäschene, mit Stylingmittel und Diffuseur-Föhn aanefrisierti, offeni Locken uf em Chopf ha isch mir zimmlig wurscht. Ich stand jo nid mit em Mikrofoon uf der Bühni, sondern mit em Hund uf em Fäldwäg.
So richtig wurscht isch es mir, ass ich statt ere Markehandtäschen es gfüllts Robidog-Seckli dur d Gegend und bis zum neggschten Abfallchüübel träg. Bim Laufe schwänkt das Ding immer automatisch hii und här, wie wenn der Pfarrer in der Chille der Weihrauch schwänkt. Nur ass es bi mir bitz stinkt. Aber sogar das isch mir meischtens wurscht. Ich gang in deeren Ufmachig sogar no schnäll go yychaufe, sell doch jede gseh, ass i eigentlig grad für e mehrstündigi Wanderig in zwei Johreszyyten in de Voralpen aagleit bi!
Dehäi isch es mir immer meh wurscht, wenn öpper spontan uf Bsuech chunnt. Woni vor Johre no hektisch Zügs ufgruumt und schnäll alles gstaubsuugeret ha, bevor der Bsuech glütte het, stört mii das meischtens nümm, wenn no Wöschzeinen umme stönde. Lieber churz schäämen as lang ufruume. Isch das jetz scho sich lo goo oder ehnder langsam chly ruhiger wärde, nid alles so sträng gsee? Ich weiss es nid, und sälbscht daas isch mir eigentlig wurscht.
Übrigens, wenn i denn ganz sälte mol es ächts «bayrisches Weisswurst-Frühstück» iss, denn würd ich scho «meh Wurscht» säge, denn gohts jo um genau die. Und ass me se strikt vor de 12i Zmittag isst, mit süessem Sämf, Brezen und Weissbier. Mit em Weissbierglas stoosst men immer unden a, aso mit em Boode – denn all das isch ganz und gar nid Wurscht!
Marianne Lindner-Köhler, 1981 im Baselbiet geboren und aufgewachsen, lebt mit ihrer Familie in München. Als Mary Long tritt sie auf bayerischen und Schweizer Poetry-Slam- und Kleinkunstbühnen auf.


