«Bush hatte sein Ich nicht unter Kontrolle»
10.03.2026 Bezirk LiestalBernhard Heusler erklärt der Feuerwehr, wie Führung geht
In einem unterhaltsamen Referat spricht der ehemalige Präsident des FC Basel über wertvolle FCB-Spieler, einen Präsidenten auf dem Golfplatz, schlechtes Arbeitsklima und warum letzteres die Wirtschaft ...
Bernhard Heusler erklärt der Feuerwehr, wie Führung geht
In einem unterhaltsamen Referat spricht der ehemalige Präsident des FC Basel über wertvolle FCB-Spieler, einen Präsidenten auf dem Golfplatz, schlechtes Arbeitsklima und warum letzteres die Wirtschaft Milliarden kostet.
Daniel Aenishänslin
Mit steinernen Mienen nehmen die angehenden Infanterie-Offiziere am Tor zur Kaserne Liestal gegen 100 Feuerwehrangehörige in Empfang. Eingangskontrolle muss sein. Dahinter ist die Stimmung weit gelöster. Vor dem Plenarsaal auf dem Kasernengelände steht ein gut gelaunter Dominik Straumann, der Präsident des Feuerwehrverbands beider Basel. Sein Verband lädt an diesem Abend zur Weiterbildung.
Der Grund für Straumanns gute Laune ist das anstehende Referat von Bernhard Heusler. Der frühere Präsident des FC Basel führte Rot-Blau zu acht Meistertiteln in Folge. Da fragt sich die gestandene Feuerwehrfrau und der gestandene Feuerwehrmann, was das Geheimnis seines Führungsstils denn sein könnte. «Führung ist etwas vom Wichtigsten in der Feuerwehr», sagt Straumann. «Wir wollten das Thema für einmal nicht aus einer militärischen, akademischen Sicht beleuchten.» Was als Fachvortrag angekündigt ist, nennt Heusler «Erfahrungen und Erkenntnisse teilen». Wer führt, müsse spüren, was die Menschen in seinem Team brauchen, um sich wohl und sicher zu fühlen. Grosse Ziele erreiche man, wenn alle im Boot als Schicksalsgemeinschaft zusammenwirkten: «Ein entscheidender Faktor.» Menschen im Team haben, die freiwillig Führungsverantwortung übernehmen: «Das sind die wertvollsten.» Einer wie Matías Delgado, der sich täglich um die spanisch sprechenden FCB-Spieler kümmerte: «Vergoldet sie!»
Wer führe, sei angehalten, von seinem Gehirn Gebrauch zu machen und ein Bewusstsein für die eigene Rolle zu entwickeln. Wie es nicht gehe, zeigte Bernhard Heusler am Beispiel des 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Nachdem am 11. September 2001 die Twin Towers des World Trade Centers in New York nach einem Terror-Akt eingestürzt waren, bat George W. Bush zur Pressekonferenz – auf dem Golfplatz. Der Situation unangemessen, urteilt Heusler. «Bush hatte in diesem Moment sein Ich nicht unter Kontrolle.» Keine Entschuldigung sei das Argument: «So bin ich halt.»
Allerdings sei es im Sport einfacher, auf dem Boden zu bleiben als in Politik und Wirtschaft. «Wenn du im Sport aufsteigst, kannst du sicher sein, dass stärkere Gegner warten», begründet Heusler. In Politik und Wirtschaft führe ein Aufstieg schnell dazu, zum persönlichen Vorteil Einfluss zu nehmen. Umgeben von Leuten, die einem «huldigen», weil es ihnen dient. Die Schmeicheleien könnten zu einem Hormoncocktail aus Dopamin, Serotonin und Testosteron führen, der wirke «wie ein Ego-Booster», so Bernhard Heusler.
Wenn das Ego seinen Booster kriege und Macht blind mache, könne das Unternehmen darunter leiden. Weil die Belegschaft leidet. Es komme zu Burn-outs, zu vielen Kurzzeitabwesenheiten, was die Wirtschaft Milliarden koste. Heusler sagt: «Ein solches Szenario ist immer ein Problem der Unternehmenskultur.» Heusler sagt auch: «Das Klima in jedem Unternehmen, in jedem Club wird immer in den oberen Etagen gemacht.» Gerade deswegen habe der FC Basel von seinen Trainern stets verlangt, dass die Spieler sich unter ihnen entwickeln und Selbstvertrauen haben dürfen.
Heusler wird emotional
Heusler streut in seinem Referat immer wieder Videoclips ein. Einer zeigt, wie ein American-Football-Team seinen den Ball tragenden Mitspieler von den Gegnern abschirmt und ihm so den Touchdown ermöglicht. Ein anderer, wie sich der frühere englische Nationalspieler Wayne Rooney für sein Team zerreisst. Alles enorm emotional. Besonders jener Videoclip, der «Chancentod» Mohamed Salah im November 2013 zeigt. Champions League. Der Schlusspfiff in der Partie FC Basel gegen den Chelsea FC naht, und Salah erzielt das entscheidende 1:0.
Die Geschichte hinter Salahs Tor erzählt Heusler unter dem Titel «Vertrauen». Mohamed Salah hatte zu diesem Zeitpunkt viele gute Chancen in der Meisterschaft und auch in der Partie gegen Chelsea liegen gelassen. Er habe den nächsten Abschluss trotzdem gewagt, weil ihm das ganze Team immer viel Vertrauen entgegengebracht habe. Heusler pointiert: «Wenn man den Menschen Vertrauen schenkt, machen sie etwas Besonderes, sonst nur Dienst nach Vorschrift.»
Ein ganz dünner Faden trenne Erfolg von Misserfolg. Oft nur der Zufall. «Ob du im Gazastreifen oder in der Schweiz geboren wirst, ist ein grosser Unterschied.» Schon der Zufall der Geburt könne über künftigen Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
So gut gelaunt Dominik Straumann den Plenarsaal der Kaserne betrat, so gut gelaunt verlässt er ihn. Was ihm Bernhard Heusler nun mit auf den Weg gegeben habe, formuliert er so: «Man muss Menschen mögen, sich seiner Verantwortung bewusst sein, aber die Herzlichkeit darf nicht fehlen, wenn man führt.»

