Mit unterschiedlichen Ellen gemessen
Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: In Hölstein ist kürzlich ein Brunnen verschwunden. Nicht irgendein Brunnen, sondern einer, der seit vielen Jahrzehnten das Ortsbild mitgeprägt hat. Mehr als ...
Mit unterschiedlichen Ellen gemessen
Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: In Hölstein ist kürzlich ein Brunnen verschwunden. Nicht irgendein Brunnen, sondern einer, der seit vielen Jahrzehnten das Ortsbild mitgeprägt hat. Mehr als das: Er hat – in welcher Art und Weise auch immer – den verschiedenen Lebewesen gedient. Dass er vor Jahren einmal ersetzt worden ist, mag den Standort noch unterstreichen.
Da der Brunnen einem Schulhaus mit Spielwiese gegenübergestanden hat, ermöglichte er es den Kindern, dort ihren Durst zu löschen. Da die Veloroute durch das Tal am ehemaligen Brunnen vorbeiführte, wussten auch Velofahrer das kühle Nass zu schätzen. Ob das neu erstellte Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen, die derzeit bezogen werden, einen Einfluss auf den Abbau des Brunnens hat, vermute ich nicht.
Die Umgebung des neuen Hauses ist mit humusiertem Schotter belegt und die Bauherrschaft wurde verpflichtet, auch Bäume zu pflanzen. Natur ist unbestrittenermassen angesagt, wenn es auf Kosten von Bauherrschaften geht. Die Gemeinde aber, die sich scheinbar vor den Kosten für einen Brunnen an dieser speziellen Lage scheut, zieht sich zurück. Als ehemaliger Mann vom Bau ist dies für mich ein weiteres Indiz, dass mit unterschiedlichen Ellen gemessen wird.
Peter Hertenstein, Hölstein