Der «Mitte»-Landrat soll kandidieren – Amtsinhaberin Maya Graf (Grüne) entscheidet bald, ob sie nochmals antritt
Pascal Ryf steigt voraussichtlich ins Rennen um den Baselbieter Ständeratssitz. Die Spitzen von SVP, FDP und «Mitte» schlagen den ...
Der «Mitte»-Landrat soll kandidieren – Amtsinhaberin Maya Graf (Grüne) entscheidet bald, ob sie nochmals antritt
Pascal Ryf steigt voraussichtlich ins Rennen um den Baselbieter Ständeratssitz. Die Spitzen von SVP, FDP und «Mitte» schlagen den 47-Jährigen zur Nomination vor. Gewählt wird in einem Jahr.
Janis Erne
«Euer Einsatz ist nicht selbstverständlich»: Die Rede, die Pascal Ryf an der Jahresversammlung des Feuerwehrverbands beider Basel im April 2024 hielt, war zwar kurz, aber eloquent, bürgernah und staatsmännisch zugleich. Viele Leute in der Gelterkinder Mehrzweckhalle waren sich einig: Hier spricht ein künftiger Regierungsrat. Ryf, damals für ein Jahr Landratspräsident, signalisierte parteiintern aber schon früh, dass er lieber National- oder Ständerat werden und damit Milizpolitiker bleiben möchte. Diese Chance erhält der 47-jährige «Mitte»- Landrat und Gemeinderat aus Oberwil nun.
Gestern haben die Spitzen der bürgerlichen Allianz aus SVP, FDP und «Mitte» bekannt gegeben, Ryf ins Rennen um den Baselbieter «Stöckli»-Sitz schicken zu wollen. Gewählt wird im Oktober kommenden Jahres, zuvor müssen die Mitglieder der drei Parteien Ryfs Kandidatur noch absegnen, doch das dürfte Formsache sein. Das Nachsehen hat der ehemalige FDP-Landrat Balz Stückelberger (Arlesheim), der ebenfalls für den Ständerat kandidieren wollte.
Der «Panaschierkönig»
Ein wichtiger, wenn nicht sogar entscheidender Punkt, der für Ryf sprach, ist seine Beliebtheit über die Parteigrenzen hinaus. Er holte bei den letzten Landratswahlen am meisten Stimmen anderer Parteien und wurde daher medial als «Panaschierkönig» bezeichnet. Auf diesen Punkt verwies gestern an einer Medienkonferenz der bürgerlichen Allianz auch Peter Riebli. Der SVP-Präsident aus Buckten betonte zudem, dass Ryf in allen Teilen des Kantons bekannt sei. «Wir sind überzeugt, mit ihm den Sitz wieder in bürgerliche Hände zu bekommen», so Riebli. Interessantes Detail: Ryf war einst SVP-Mitglied.
Ryf selbst sagte gestern, es sei wichtig, in Bundesbern «überregional» zu denken. Die Nordwestschweiz, dazu gehören für ihn neben Baselland und Basel-Stadt auch Aargau und Solothurn, müsse mit einer Stimme auftreten. Programmatisch zählte der «Mitte»-Politiker klassische bürgerliche Dauerbrenner auf: gesunde Finanzen, gute Rahmenbedingungen für Unternehmen, eine moderne Infrastruktur, Sicherheit und eine geordnete Migration sowie eine wettbewerbsfähige Steuerpolitik. Ein Augenmerk will Ryf, ehemals Lehrer und heute Unternehmer im Bildungsbereich, auch auf die Bildung legen. «Ohne gute Ausbildung für junge Menschen gibt es keinen Wohlstand», sagte der Familienvater.
Klar: Die gestrige Medienkonferenz zwischen den Landratssitzungen war zu kurz, um inhaltlich weiter ins Detail zu gehen. Dennoch zeigte sich Ryf «sehr optimistisch», den Baselbieter Ständeratssitz zu ergreifen. Dieser liegt seit bald 20 Jahren in linksgrüner Hand: Bis 2019 war SP-Politiker Claude Janiak im Amt, seither die Sissacherin Maya Graf (Grüne). Ob sie weitermacht, hält die Politikerin weiterhin offen: Sie werde ihren Entscheid «bis zur Wintersession» bekannt geben, schreibt Graf auf Anfrage der «Volksstimme». Diese beginnt am 30. November.
Es ist gut möglich, dass Graf, die zwar schon seit 25 Jahren im Bundesparlament politisiert, aber alles andere als amtsmüde wirkt, erneut kandidiert. Würde sie jedoch verzichten, käme wohl SP-Nationalrätin Samira Marti zum Zug. Ob Graf oder Marti – für Ryf ist klar: «Es sind beide profilierte Politikerinnen, der Wahlkampf wird so oder so nicht einfach.» Seine rhetorischen Fähigkeiten dürfte der Bürgerliche also noch brauchen.