Biodiversität auf der Sparliste
23.01.2026 SissachFörderbeiträge werden gekürzt, Flächenwachstum wird gebremst
Das kantonale Budget auferlegt dem Ebenrain-Zentrum Sparmassnahmen. Es muss unter anderem jährlich 50 000 Franken bei Naturschutzverträgen einsparen. Bei neuen Biodiversitätsflächen von ...
Förderbeiträge werden gekürzt, Flächenwachstum wird gebremst
Das kantonale Budget auferlegt dem Ebenrain-Zentrum Sparmassnahmen. Es muss unter anderem jährlich 50 000 Franken bei Naturschutzverträgen einsparen. Bei neuen Biodiversitätsflächen von nicht subventionierten Landwirtschaftsbetrieben tritt der Kanton auf die Bremse.
Elmar Gächter
Bund und Kantone fördern die Biodiversität über verschiedene Anreize. Gestützt auf die Bundesverordnung über die Direktzahlungen in der Landwirtschaft sowie die kantonale Verordnung über die Förderung der Biodiversität und Landschaftsqualität im Landwirtschaftsgebiet wurden 2025 im Kanton Baselland Biodiversitätsbeiträge in Höhe von 10,83 Millionen Franken ausgerichtet. Förderflächen in den Qualitätsstufen I und II werden zu 100 Prozent durch den Bund bezahlt, Vernetzungsbeiträge und Landschaftsqualitätsbeiträge gehen zu 90 Prozent zulasten des Bundes und zu 10 Prozent an den Kanton. Hinzu kommen kantonale Beiträge für den Naturschutz, die voll durch den Kanton finanziert werden.
Das Ebenrain-Zentrum hat bisher mit 735 Bewirtschaftenden im Baselbiet und Basel-Stadt knapp 5000 Vereinbarungen über Biodiversitätsförderflächen abgeschlossen. Ein Sparauftrag der Regierung verpflichtet das Zentrum neu, in diesem Bereich ab 2026 jährlich 50 000 Franken einzusparen.
In einem Schreiben vom Dezember an die Landwirtschaftsbetriebe und an private Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter spricht das Ebenrain-Zentrum von einer erfreulichen Entwicklung der Biodiversitätsförderfläche: Sie habe in den vergangenen Jahren stetig auf aktuell rund 3000 Hektaren zugenommen. Die Kehrseite sei das kantonale Budget, das zu Massnahmen zwinge: So würden Beiträge für den Naturschutz beim Abschluss neuer Verträge ab 2026 reduziert oder ganz gestrichen.
Stopp für neue Verträge
Der Kanton Baselland bewirtschaftet traditionell auch mehrere Naturschutzverträge auf Flächen, die nicht durch direktzahlungsberechtigte Betriebe und Grundeigentümer gepflegt werden. Für diese Flächen, die der Kanton zu 100 Prozent finanziert, werden bis auf Weiteres keine neuen Verträge mit nicht direktzahlungsberechtigten Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern abgeschlossen. Laufende Verträge und Objekte mit Flächenstandort Basel-Stadt sind von den Beitragsanpassungen nicht betroffen.
Beim Abschluss neuer Verträge ab 2026 fallen verschiedene Beitragszahlungen weg. Betroffen sind die Boni im Bereich Naturschutz, unter anderem für Brachen und Säume auf Ackerland, Hecken bei der Neupflanzung von Ackerland, Zuschläge bei Neuanlagen von Kleinstrukturen und Spezialstandorten, Bonuszahlungen für Jungbäume bei Hochstamm-Streuobstbeständen oder ökologisch wertvolle Rebflächen. Die Laufzeit der Verträge beträgt acht Jahre. «Ende 2025 wären rund 500 Verträge abgelaufen. Der Anteil von Vertragsauflösungen war in den vergangenen Jahren jedoch marginal. Wir sind auf jeden Fall bestrebt, möglichst viele Verträge trotz dieser Kürzung weiterzuführen», so die Verantwortlichen des Ebenrain-Zentrums gegenüber der «Volksstimme».
Beiträge erhalten generell nur ökologisch besonders wertvolle Objekte und solche, die der Vernetzung dienen – ausserhalb der Bauzone. Die Kontrollen über die Einhaltung der Biodiversitätsbedingungen erfolgten bis Ende 2025 durch Mitarbeitende des Ebenrain. Aus Ressourcengründen übernimmt künftig die auf Bundesebene zertifizierte AgroControll GmbH in Sissach diese Arbeiten; sie kontrolliert bereits heute die landwirtschaftlichen Betriebe im Kanton Baselland. «Die Erweiterung der Kontrollaufgabe ergibt daher logistisch und finanziell Sinn», heisst es beim Ebenrain-Zentrum. Die Kosten von 90 Franken pro Stunde werden nach Aufwand den Bewirtschaftern in Rechnung gestellt. Der Vorstand der AgroControll GmbH setzt sich aus je zwei Vertretern der Bauernverbände beider Basel und Solothurn zusammen.
Der Bauernverband beider Basel bedauert die angekündigten Sparmassnahmen: «Da die Landwirtschaft regelmässig mit neuen Situationen konfrontiert wird, die finanzielle Konsequenzen haben, müssen wir uns auch auf diese Veränderung einstellen», so Präsident Marc Brodbeck.
