Bei Frühsprachen ist Unterrichtsqualität entscheidend
29.05.2026 BaselbietWissenschaftlicher Bericht sieht nicht frühen Startzeitpunkt als entscheidend an
Französisch ab der 3. und Englisch ab der 5. Klasse bleiben im Baselbiet gesetzt. Eine Untersuchung stellt den frühen Fremdsprachenunterricht nicht grundsätzlich infrage, zeigt aber ...
Wissenschaftlicher Bericht sieht nicht frühen Startzeitpunkt als entscheidend an
Französisch ab der 3. und Englisch ab der 5. Klasse bleiben im Baselbiet gesetzt. Eine Untersuchung stellt den frühen Fremdsprachenunterricht nicht grundsätzlich infrage, zeigt aber Schwächen beim heutigen System auf.
vs. Der Kanton Baselland liess den Fremdsprachenerwerb in der Volksschule wissenschaftlich untersuchen. Hintergrund ist ein Landratsauftrag aus dem Jahr 2010, als das heutige Modell mit Frühfranzösisch und Frühenglisch eingeführt worden war. Nun liegt der Schlussbericht vor. Die wichtigste Aussage: Nicht der Startzeitpunkt allein entscheide über den Lernerfolg, sondern das Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
In der Medienmitteilung der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) von gestern heisst es dazu, «der Startzeitpunkt alleine ist nicht matchentscheidend». Wichtiger seien die Sprachkompetenz der Lehrpersonen, ein alltagsnaher Unterricht, genügend Unterrichtszeit in der Zielsprache sowie gut abgestimmte Übergänge zwischen den Schulstufen.
Breite Untersuchung
Für die Untersuchung wurden laut BKSD mehrere wissenschaftliche Teilprojekte durchgeführt. Eingeflossen seien Meta-Analysen, Auswertungen von Leistungstests und Checks sowie Befragungen von Lehrpersonen, Schulleitungen und weiteren Anspruchsgruppen. Begleitet wurde die Arbeit von einem wissenschaftlichen Beirat. Das Baselbiet arbeitete dabei mit Basel-Stadt und Solothurn zusammen.
Der Bericht bewertet auch den Lernerfolg in beiden Fremdsprachen. Dabei zeigt sich ein deutliches Gefälle: Während in Englisch die grosse Mehrheit die Grundkompetenzen erreicht, tut dies in Französisch nur etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler. Entscheidend für den Erfolg seien aber nicht allein die frühe Einführung, sondern Unterrichtsqualität, Sprachpraxis und Motivation.
Kritisch erwähnt der Bericht etwa Unterschiede bei den Sprachkompetenzen der Lehrpersonen sowie Schwierigkeiten beim Übergang von der Primar- zur Sekundarschule. Teilweise fehle zudem genügend Unterricht in der Zielsprache.
Weiterentwicklung geplant
Politisch brisant ist die Standortbestimmung deshalb, weil das Frühfranzösisch im Baselbiet seit Jahren umstritten ist. Bürgerliche Kreise hatten wiederholt verlangt, Französisch erst auf der Sekundarstufe zu unterrichten. Der nun vorgelegte Bericht liefert dafür allerdings keine eindeutige direkte wissenschaftliche Grundlage.
Ganz vom Tisch ist die Diskussion dennoch nicht. Laut BKSD wollen Baselland und Basel-Stadt nun gemeinsam mögliche «Umsetzungsvarianten zur Weiterentwicklung des Sprachenkonzepts» prüfen. Bis zum Sommer 2027 sollen konkrete Vorschläge ausgearbeitet werden. Eine Umsetzung wäre frühestens ab dem Schuljahr 2030/31 möglich.
Welche Änderungen konkret diskutiert werden, bleibt vorerst offen. Denkbar sind laut Bericht Verbesserungen bei der Ausbildung der Lehrpersonen, mehr Unterrichtszeit in der Zielsprache oder auch Anpassungen bei den Lehrmitteln und den Stundentafeln.
Damit dürfte die politische Debatte um das Frühfranzösisch im Baselbiet noch eine Weile weitergehen. Der Schlussbericht verschiebt den Fokus allerdings weg von der Frage des Einstiegsalters hin zur Qualität des Unterrichts.
