Bei der SP setzt sich der Favorit durch
06.11.2026 BaselbietNeben Amtsinhaberin Kathrin Schweizer wird Adil Koller für den Regierungsrat nominiert
Die SP Baselland nominierte an ihrer Delegiertenversammlung neben Amtsinhaberin Kathrin Schweizer den Münchensteiner Landrat Adil Koller. Mit ihm erhoffen sich die Sozialdemokraten einen ...
Neben Amtsinhaberin Kathrin Schweizer wird Adil Koller für den Regierungsrat nominiert
Die SP Baselland nominierte an ihrer Delegiertenversammlung neben Amtsinhaberin Kathrin Schweizer den Münchensteiner Landrat Adil Koller. Mit ihm erhoffen sich die Sozialdemokraten einen Generationenwechsel in der Regierung.
Tobias Gfeller
Die Baselbieter Sozialdemokraten greifen an. Einstimmig und unter lautem Applaus segnete die Delegiertenversammlung der SP Baselland am Mittwochabend im Gemeindesaal in Gelterkinden den Antrag der Geschäftsleitung ab, mit einer Zweierkandidatur in den Regierungsratswahlkampf für die Gesamterneuerungswahlen im kommenden April zu steigen. Die Nomination der amtierenden Vorsteherin der Sicherheitsdirektion Kathrin Schweizer war erwartungsgemäss ein Selbstläufer. Im Duell um das zweite Ticket setzte sich der Münchensteiner Landrat und Fraktionschef Adil Koller gegen die Liestaler Stadträtin und Landrätin Pascale Meschberger klar mit 119 zu 21 Stimmen durch.
Adil Koller blickte in seiner Bewerbungsrede auf seine Kindheit zurück. Als er zwölf Jahre alt war, verloren seine Eltern ihren Job bei der Post. «Ich habe als Kind Angst und Unsicherheit verspürt.» Diese Erfahrung habe ihn schliesslich in die Politik gebracht. «Die Politik kommt bei mir aus dem eigenen Erlebten. Ich möchte, dass sich alle im Baselbiet auf den Kanton verlassen können.» Die Steuer- und Finanzpolitik müsse konsequent für die breite Bevölkerung und nicht nur für die Wohlhabenden gedacht werden, forderte der 33-Jährige. Er stehe ein für ein Baselbiet, das in Menschen, in die Wirtschaft und in die Natur investiert, versicherte Koller.
Nationalrätin als Fürsprecherin
Pascale Meschberger (52) forderte in ihrer Ansprache unter anderem mehr regionale Planungen über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinaus. Für sie spreche ihre Exekutiverfahrung als Liestaler Stadträtin, ihre Innenansicht im Gesundheitswesen als Chirurgin am Kantonsspital Baselland (KSBL) und ihre Vernetzung im Landrat. «Ich kandidiere nicht, weil ich ein Amt brauche, sondern weil ich etwas verändern will.» «Die Stärke des Volkes misst sich am Wohle der Schwachen», sei Meschbergers politisches Leitmotto.
Für Adil Koller sprach sich als offizielle Fürsprecherin Nationalrätin Miriam Locher aus. Für Pascale Meschberger warb Stadtratskollege Lukas Felix. Für die Diskussion im Plenum mussten die beiden Kandidierenden und die Medienschaffenden den Saal verlassen. Mit Adil Koller setzte sich kurz vor elf Uhr abends schliesslich der Favorit durch. Dass das Resultat so deutlich ausfällt, überraschte dann doch.
Die Baselbieter Sozialdemokraten wittern seit dem Rücktritt von Finanzdirektor Anton Lauber («Mitte») ihre Chance. Parteipräsidentin Tania Cucé gab in ihrer Begrüssungsrede den Takt vor. «Wir wollen das Leben der Menschen konkret verbessern. Wir haben Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit.» Der Rücktritt von Lauber sei für die SP ein «toller Moment» gewesen, meinte Cucé lächelnd. Dass bei den Bürgerlichen aktuell wenig Einigkeit zu spüren ist, eröffne der SP eine Chance, frohlockte Cucé. Eine gute Ausgangslage gewinne aber noch keine Wahlen, mahnte die Parteipräsidentin vor Übermut, und appellierte an den Kampfgeist und das Selbstbewusstsein. Als Kernthemen der Baselbieter SP nannte Cucé die Kaufkraft, Klimaschutz und Gleichstellung.
Forderung nach höheren Zulagen
Die Delegiertenversammlung segnete den Initiativtext für die eigene «Kaufkraft-Initiative» ab. Damit fordert die SP im Baselbiet die Erhöhung der Kinderzulagen von aktuell 215 auf «mindestens» 275 Franken. Die Ausbildungszulagen sollen von 268 auf mindestens 325 Franken erhöht werden. Dies entspräche den Beträgen, die der Kanton Basel-Stadt an Familien auszahlt.
«Die Kaufkraft im Baselbiet leidet», mahnte Parteipräsidentin Tania Cucé. Mit wirksamen Familienzulagen würden Eltern spürbar entlastet. Die SP stört sich daran, dass Baselland zu jenen wenigen Kantonen gehört, die pro Kind lediglich den vom Bund gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbetrag ausrichten. «Damit reiht sich unser Kanton einmal mehr auf den hinteren Plätzen ein, wenn es um die Familienfreundlichkeit geht», schreibt die SP in der Initiative.
Schliesslich beschloss die Baselbieter SP bereits die Nein-Parole für alle drei eidgenössischen Abstimmungen des kommenden Jahres: den Bau neuer Atomkraftwerke, das Lohnsenkungsgesetz und das Freihandelsabkommen mit Malaysia.

