Basler Handelsherr und Jägersmann

  13.08.2026 Sissach, Porträt

Vor 250 Jahren baute der Basler Fabrikant Martin Bachofen das Schloss Ebenrain

Den Sommer in der stickigen Stadt zu verbringen, war in Basel auch früher kein Vergnügen. Wer es sich leisten konnte, baute oder erwarb ein Landhaus als Sommersitz. Martin Bachofen (1727 – 1814) verfügte über die nötigen Mittel und leistete sich eine teure Sommerund Herbstresidenz in Sissach.

Martin Stohler

Martin Bachofen war der Besitzer einer der ältesten Bandfabriken Basels. Die im Jahr 1690 gegründete Bandfabrik hatte ihr Domizil im Haus «zum Friedhof» hinter dem schwarzen Pfahl (heute Petersgasse 34). Martin Bachofens Vater Johann Jakob Bachofen (1701 – 1784) war durch Heirat mit Maria Magdalena Strub 1724 zum Teilhaber an der Bandfabrik seines Schwiegervaters Martin Strub geworden. Die oberen Stockwerke des geräumigen Geschäftshauses dienten der Familie Bachofen-Strub auch als Wohnung.

Um im Sommer der stickigen Stadtluft zu entfliehen, erwarb Johann Jakob Bachofen ein bescheidenes, aber hübsches Landhaus vor dem Aeschentor. Der Tod seiner Gemahlin Maria Magdalena im Jahr 1751 machte Johann Jakob Bachofen schwer zu schaffen. Danach suchte der «besonders gute, freundliche und gottesfürchtige Mann», wie es in der Chronik der Familie Bachofen heisst, mit Vorliebe die Einsamkeit auf. Neben dem im Jahr 1727 geborenen Sohn Martin hatte das Ehepaar Bachofen-Strub zwei weitere Kinder. Diese starben allerdings in zartem Alter.

Florierendes Unternehmen
Martin Bachofen erhielt eine solide Ausbildung. Nach dem Abschluss des Gymnasiums schickte ihn sein Vater zur Erweiterung seiner Kenntnisse im Handel nach Genf. 1743 kehrte er von dort nach Basel zurück. In den folgenden Jahren unternahm er mehrere Geschäftsreisen durch Italien, Deutschland und Frankreich. Im Jahr 1748 wurde er anstelle seines Grossvaters Martin Strub Teilhaber an der väterlichen Bandfabrik. Von 1758 bis 1780 führte er diese alleine, danach bis zu seinem Rückzug aus dem Geschäft 1795 zusammen mit seinem Sohn Johann Jakob.

Im Jahr 1752 heiratete Martin Bachofen die Baslerin Margaretha Heitz (1735 – 1819). Der Verbindung entsprangen acht Kinder, von denen vier allerdings bereits im frühen Kindesalter starben.

Zu Martin Bachofens Tätigkeit als Geschäftsmann gehörte auch der Besuch der verschiedenen Messen in Stuttgart, Strassburg und Frankfurt am Main. Zum Teil begleitete ihn dabei seine ebenso hübsche wie geschäftskundige Frau. Diese befasste sich, wie die Familienchronik berichtet, «wohl nicht zum Nachteil des Absatzes mit dem Verkauf der Seidenbänder». Denn «so oft die schöne und heitere Blondine die Waren anbot», habe sie die kauflustige Menge angezogen. «Vornehmlich waren es die in Strassburg garnisonierenden französischen Offiziere, die so regelmässig bei ihr vorsprachen, um ihre Zopfbänder zu kaufen, dass es dem eifersüchtigen Ehemann fast zu viel wurde und er jedes Mal, wenn die galanten Franzosen nahten, seiner jungen Frau ärgerlich zurief: ‹Gang ine› (geh in den Hinterraum).» Die Offiziere hielten den Zuruf für den Namen der schönen Verkäuferin und tauften den Laden «Le magasin de la belle Canina».

Wachsender Haushalt
Neben der Mitarbeit im Verkauf hatte Margaretha auch einen anspruchsvollen Haushalt zu führen, zunächst noch im Haus «zum Friedhof» an der Petersgasse, dann im Rollerhof am Münsterplatz. 1767 arrondierte Martin Bachofen seinen Besitz am Münsterplatz durch den Kauf des alten, baufällig gewordenen Pfarrhauses.

Die Geschäfte der Firma liefen offensichtlich gut, und der wachsende Reichtum ermöglichte es Martin Bachofen, in den Jahren 1775/76 auf dem Ebenrain in Sissach ein repräsentatives Sommerhaus mit einer Parkanlage auf der Vorder- und Hinterseite des Hauses zu bauen. Die Baupläne entwarf der Basler Architekt Samuel Werenfels, der ausführende Baumeister war Daniel Büchel. In seiner Publikation zum Ebenrain hebt Rudolf Riggenbach die besondere Stellung des Baus und der Anlage unter den Basler Landgütern hervor: «Was uns auffällt, ist die Stattlichkeit des Baus und seine weite Entfernung von der Stadt.»

Für den Bau des Schlosses und die Gestaltung der Parkanlage musste Martin Bachofen ziemlich viel Geld in die Hand nehmen. Was ihn das Ganze schliesslich gekostet hat, weiss man nicht. Dafür war Martin Bachofen selbst besorgt. Er soll nämlich, wie sein Enkel Johann Jakob Bachofen berichtet, alle diesbezüglichen Schriften zerrissen haben.

Gutes Verhältnis zu Sissach
Das Ehepaar Bachofen-Heitz zog jeweils im Monat Mai auf den Ebenrain. Dort blieben sie jeweils bis spät im Jahr, häufig auch bis Januar oder Februar, dem Ende der Jagdsaison. Denn Martin Bachofens grosse Leidenschaft war die Jagd. So waren in Schloss Ebenrain auch immer wieder Freunde und Bekannte zu Gast, die Bachofens Begeisterung für die Jagd teilten.

Das Verhältnis zwischen den Leuten im Dorf und der Besitzerfamilie des Ebenrains beschreibt Johann Jakob Bachofen, basierend auf den Erzählungen seines Grossvaters, folgendermassen: «Meine Grosseltern wussten sich bei den Sissachern beliebt zu machen und diese waren wiederum denselben sehr ergeben.» Dies zeigte sich insbesondere in den Zeiten der Helvetischen Revolution, als im Januar 1798 die Farnsburg, die Homburg und die Waldenburg in Flammen aufgingen. Damals «sandten die Vorsteher von Sissach eine tägliche Wache auf den Ebenrain, um meine Grosseltern in allem zu beschützen und obschon sonst viele Bosheiten ausgeübt wurden, so geschah meinen Grosseltern nie das mindeste und ist die Gemeinde Sissach insbesondere darin zu loben und zu danken.»

Schmerzhafter Verkauf
Martin Bachofen starb 1814 in seinem 86. Lebensjahr. Nach dem Tod ihres Gatten mochte Margaretha Bachofen die Sommer nicht mehr in Sissach verbringen, sondern verkaufte das Landgut an Johann Rudolf Ryhiner-Streckeisen. Der Verkauf machte ihr allerdings schwer zu schaffen. Ihr Enkel Johann Jakob Bachofen schreibt dazu: «Meine Grossmutter war auch altersschwach, und obwohl sie selbst begehrte, dass das Gut verkauft werde, hatte der Verkauf doch grossen Einfluss auf ihr Gemüt und sie konnte es fast nicht ertragen, der Gedanke, dass ein anderer und nicht mehr sie auf dem Gut wohnte, und nannte diesen Herrn Ryhiner nur den reichen Narr (Riechnarr).» Margaretha Bachofen-Heitz starb 1819 in ihrem 83. Lebensjahr.


Quellen

sto. Die Angaben zu Martin Bachofen-Heitz (1727 – 1814) und zu seiner Ehefrau Margaretha Bachofen-Heitz (1735 – 1819) in diesem Artikel beruhen auf der «Chronik der Familie Bachofen in Basel» (bearbeitet und herausgegeben von R. Forcart-Bachofen und F. Vischer-Ehinger, Basel 1911) sowie auf den Erinnerungen von Johann Jakob Bachofen-Merian (1788 – 1876), in denen er auf seinen Grossvater Martin Bachofen zu sprechen kommt. Letztere findet man in Rudolf Riggenbachs kleiner Schrift «Der Ebenrain bei Sissach» (Basel 1948).


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