Banntag mit Dorffest-Charakter
12.05.2026 Ziefen«Happy Day»-Moderator Nik Hartmann ist als Ehrengast mit dabei Der Ziefner Banntag vom Donnerstag findet im Rahmen des 800-Jahre-Jubiläums des Dorfes statt. Er wird grösser inszeniert als üblich. So wird an die erste Erwähnung von Ziefen im Jahr 1226 erinnert. Die ...
«Happy Day»-Moderator Nik Hartmann ist als Ehrengast mit dabei Der Ziefner Banntag vom Donnerstag findet im Rahmen des 800-Jahre-Jubiläums des Dorfes statt. Er wird grösser inszeniert als üblich. So wird an die erste Erwähnung von Ziefen im Jahr 1226 erinnert. Die «Volksstimme» stellt das Dorf im «Föiflybertal» vor.
Willi Wenger
Der sogenannte «Grosse Banntag» startet am Donnerstag beim Schulhaus Eien im Anschluss an den Auffahrtsgottesdienst. Gelaufen wird auf drei Routen, zwei von ihnen gelten als mittel bis anspruchsvoll. Die leichte Route entlang der alten Dorfgrenze ist einfach und sogar kinderwagentauglich. Alle drei Parcours haben eines gemeinsam: Sie enden beim Festplatz beim Gemeindehaus im Herzen von Ziefen, wo allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine kostenlose Verpflegung von der Organisatorin, der Bürgergemeinde, offeriert wird.
Der Ziefner Banntag ist eine Art Ersatz-Dorffest, erinnert er doch an die Gründung von «Civenne» vor 800 Jahren. Damals, 1226, wurden verschiedene Gemeinden, neben Ziefen etwa Arboldswil, Lampenberg, Itingen und Seltisberg, erstmals urkundlich erwähnt. Dank der Bürgergemeinde wird in Ziefen nach der Absage des ursprünglich geplanten Dorffestes doch noch gefeiert.
Dass Ziefen «steinalt» ist, ist belegt. Zahlreiche Funde von baulichen Überresten und Münzen zeugen davon, dass schon die Römer vor Ort waren. Der Ortsname, so Dorfchronist Franz Stohler, werde von der Flurnamenforschung als «Civius», dem Besitzer eines Landgutes, gedeutet. In der Urkunde der Ersterwähnung von 1226 bestätigte der Bischof von Basel, Heinrich II. von Thun, dem Benediktinerkloster Schönthal bei Langenbruck einen Landbesitz in «Civenne».
Allerdings: Sehr wahrscheinlich bestand damals noch kein eigentliches Dorf. Dieses entwickelte sich erst später entlang des dortigen Bachs. Parallel dazu wurde auch die Hauptstrasse gebaut. Die Hintere Frenke gab dem Tal den Namen. Der Volksmund nennt es, in Anspielung an die einst blühende Heimposamenterei, auch das «Föiflybertal».
Im 14. Jahrhundert besassen die Grafen von Frohburg in Ziefen die Mühle und Landgarbe. Ihnen folgten die Herren von Eptingen, auch «Edle von Eptingen» genannt, als Besitzer von Ziefen. Eine zentrale Figur der Gründung des Dorfs, so Stohler weiter, sei Heinrich, genannt der «Zyfener», gewesen, der seine Wohnstätte auf dem heutigen «Chilchberg» hatte. Seit 1943 hat die Gemeinde im Übrigen den Eptinger Adler im Wappen.
Im Wandel der Zeit
Ziefen hat sich in den vergangenen Jahrhunderten stark verändert. Das ehemalige Posamenter- und Kleinbauerndorf (1880 klapperten 244 Webstühle in den Häusern) hat sich zu einem Wohnort mit moderner Infrastruktur gewandelt. Die Landwirtschaft verabschiedete sich nach der jüngsten Jahrtausendwende vollkommen vom Dorfkern und verlagerte sich auf die umliegenden Höfe.
Es gibt heute noch ganz wenige Milchlieferanten. Stohler sagt, dass sich die Bauernbetriebe in jüngerer Vergangenheit zunehmend spezialisiert hätten. «Heute haben wir eine Eierfarm, einen Kompostierungsbetrieb, einen Reiterhof oder einen Betrieb mit Pouletproduktion, um nur einige zu nennen», sagt der 88-jährige ehemalige Energieberater und Fachjournalist.
Das Dorf dehnt sich vor allem mit Einfamilienhäusern nach Norden und nach Westen aus. Erst in den vergangenen Jahren wurden auch Mehrfamilienhäuser im «Grossraum» Hintermatt gebaut und Stockwerkeigentum statt Miete wurde üblich. Das zahlreiche Gewerbe ist in einem Zentrum, im Untertal, angesiedelt: Holzbau, Metallbau, Befestigungstechnik, Abfallentsorgung, Bedachung, Pharma und Autogaragen sind dort tätig. Die Betriebe bieten zahlreiche Arbeitsplätze an. Dennoch arbeitet der Grossteil der Bevölkerung heute auswärts. Alle ehemaligen Fabriken sind längst verschwunden: Oris-Uhren 1976, Waschmaschinen Chroma 1959, Kannengiesser Wäschereitechnik 1987 sowie die Bandfabrik Senn 2001.
Einige Besonderheiten
Ziefen hat einige Besonderheiten, die das Dorf weit über seine Grenzen bekannt machten. Erwähnenswert sind die seit uralten Zeiten ehemals auf genossenschaftlicher Basis betriebenen «Buuchhüüsli» (Waschhäuschen). Heute sind noch zwei erhalten und werden vom «Verein 4417» genutzt. Im einen wurde 1982 ein Backofen eingebaut. Dort wird regelmässig Holzofenbrot gebacken und an die Bevölkerung verkauft. Im anderen werden als Demonstration «Waschtage wie anno dazumal» durchgeführt.
National am bekanntesten ist der alte Winterlärmbrauch «Nünichlingle» am Heiligen Abend. Der Brauch, wie er heute als Umzug durchs Dorf durchgeführt wird, existiert seit mehr als 100 Jahren. Er wurde 2012 ins nationale Verzeichnis «Lebendige Traditionen» aufgenommen. Die Ziefner «Nünichlingler» treten regelmässig auf Einladung an bedeutenden nationalen Festumzügen auf, so im kommenden Monat auch am Eidgenössischen Jodlerfest in Basel.
Ebenfalls landesweit bekannt ist das Ziefner Schauturnen, das 2025 zum 30. Mal durchgeführt wurde. Es treten jeweils Spitzenturnvereine mit vielfältigen Darbietungen vor einem grossen Publikum auf. Der Turnverein Ziefen selbst gehört zur Schweizer Elite an den Schaukelringen und ist mehrfacher Schweizer Meister in dieser Disziplin. Er ist zudem auch international im Einsatz.
Drei Tatsachen sind weiter erwähnenswert: Die Musikgesellschaft ist mit 168 Jahren eines der ältesten Musikkorps im Baselbiet. Und: Das Haus neben der Kirche ist nicht das Pfarrhaus, sondern das einzige Sigristenhaus im Besitz der Stiftung Kirchengut Baselland. Typisch für Ziefen sind zudem die zahlreichen Fussweglein um den alten Dorfkern wie auch die sonnigen und aussichtsreichen Spazierwege in der Rebhalde.
Gute Infrastruktur
Trotz der Tatsache, dass viele alte Institutionen verschwunden sind, verfügt Ziefen über eine gute Infrastruktur. Vieles erfolgt heute in regionaler Zusammenarbeit. Im Dorf lässt es sich gut leben: Vorhanden sind zwei Läden, ein Restaurant, Coiffeursalons, ein Café, eine Arztpraxis, ein gut ausgebauter öffentlicher Verkehr sowie einige kleine Dienstleistungsbetriebe.
Für Kinder stehen Spielplätze und Kindergarten zur Verfügung; für Schülerinnen und Schüler die Primarschule. Die Sekundarschule, die einstige Realschule, wird in Reigoldswil geführt. Die Umgebung bietet zudem viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und Erholung. Ein intaktes Vereinsleben ist ebenfalls vorhanden.
Der erste Nationalrat
Nicht viele, aber doch einige wenige Ziefner erlangten dank ihres Wirkens eine überkommunale Berühmtheit. Johannes Recher-Schneider (1783 – 1860) war Landwirt, Weinhändler und Gemeindepräsident. In seiner Amtszeit wurden in Ziefen sieben steinerne Dorfbrunnen angeschafft. Recher betätigte sich politisch auch ausserhalb von Ziefen. Ab 1823 war er Mitglied des Grossen Rats Basel und 1831 gar Mitglied des Kleinen Rats, der Basler Regierung. Nach der Kantonstrennung 1832 war er Baselbieter Landrat und von 1838 bis 1844 der bisher einzige Regierungsrat aus Ziefen.
Anfang des 19. Jahrhunderts war der Ziefner Arzt Dr. Johann Jakob Matt auch ein bedeutender Politiker. Er war 13-mal Landratspräsident, von 1842 bis 1847 Tagsatzungsgesandter und 1848 erster Baselbieter Nationalrat.
Der am 22. August 1828 geborene Jonas Breitenstein wuchs im ersten Ziefner Schulhaus im Unterdorf auf. Er war später Pfarrer in Binningen und gilt als erster Baselbieter Mundartdichter. Sein 200. Geburtstag soll 2028 in Ziefen mit einer besonderen Veranstaltung gefeiert werde. Ein Organisationskomitee ist bereits mit den Vorbereitungen beschäftigt.
Walter Zeller (1880 – 1965) wurde in Ziefen im Haus «zur Zukunft» geboren. Später war er Hauptmann bei der Kantonspolizei und führte unter anderem das Schweizerische Fahndungsregister ein. Später war er lange Zeit als Direktor und Verwaltungsratspräsident der Autobus AG Liestal tätig. Er gilt als Initiant der Luftseilbahn auf die Wasserfallen Mitte der 1950er-Jahre. Zeller präsidierte den Landrat im Jahr 1950.
Langes Einbürgerungsverbot
Ziefen verfügt über eine Vielzahl von Bürgergeschlechtern. Es sind dies: Buser, Furler, Hartmann, Hertner, Henni, Hug, Koch, Matt, Meuri, Müller, Rippas, Recher, Rudin, Schad, Schweizer, Senn, Spiess, Stohler, Straumann, Tschopp, Waldner und Zeller. Einige davon sind heute im Dorf nicht mehr existent.
Am diesjährigen Banntag wird nach 2022 erneut Nik Hartmann mit seiner Familie teilnehmen. Er ist Ziefner Bürger, «Happy Day»-Moderator beim Fernsehen SRF und «Prix Walo»- Publikumsliebling. Speziell an der Bürgergemeinde ist, dass diese 1835 ein Einbürgerungsverbot verfügte. Dieses wurde erst 1965 und nach 130 Jahren (!) aufgehoben. In jüngerer Vergangenheit sind zahlreiche Einbürgerungen erfolgt, auch von Ausländerinnen und Ausländern.
Am Banntag vom kommenden Donnerstag wird ab 14 Uhr am Festplatz das Rahmenprogramm zum Jubiläum stattfinden: unter anderem mit Ansprachen von Bürgerpräsident Dominik Tschopp, Gemeindepräsidentin Cornelia Rudin und Kulturhistoriker Rémy Suter. Die musikalische Begleitung stellt die Musikgesellschaft sicher. Vor Ort wird zudem das Jubiläumsbuch «800 Jahre Civenne-Ziefen» zum Kauf angeboten, ebenso ein Nachdruck der Publikation «Ziefner Häuser-Geschichten».
Aktuelle Kennzahlen
710 Häuser, 1770 Einwohnerinnen und Einwohner, 370 Ortsbürger, 1100 Motorfahrzeuge, 782 Hektaren Gemeindebann, 374 Hektaren Wald, Gemeindegrenze gut 12 Kilometer Länge (davon 5,5 km zu Baselbieter Gemeinden im selben Bezirk, 4,5 km Bezirksgrenze Liestal/Waldenburg, 2 km Kantonsgrenze BL/SO). 428 Meter über Meer im Dorfkern; höchster Punkt am Holzenberg-Chöpfli auf 756 Meter, tiefster Punkt auf 399 Meter an der Grenze zu Bubendorf. en.
800 Jahre – wichtige Eckdaten
1226 Ziefen wird erstmals in einer Urkunde aufgeführt – in: «ville ciuenne due hovbe» im Besitz des Klosters Schönthal bei Langenbruck.
1302 Kirche St. Blasius wird erstmals urkundlich erwähnt.
1318 Die Mühle taucht erstmals in einer Urkunde auf.
1400 Die Stadt Basel erwirbt Ziefen von den Freiherren von Falkenstein.
1525 Einführung der Reformation in Ziefen.
1564 Pestepidemie mit sehr vielen Toten.
1756 Erstes Schulhaus im Unterdorf wird gebaut.
1798 Ziefen kommt neu zum Bezirk Liestal, vorher Waldenburg.
1810 Ziefen, Arboldswil und Lupsingen sind neu eine Kirchgemeinde; Pfarrhausneubau in Ziefen 1811 – 1813.
1833 Ziefen wird Teil des neuen Kantons Basel-Landschaft.
1855 Hochwasser richtet in Ziefen grossen Schaden an.
1873 Erste öffentliche Strassenbeleuchtung mit Petroleumlaternen wird errichtet.
1880 Die Heimposamenterei erreicht mit 244 Webstühlenihren Höchststand.
1892 Erste Wasserversorgung mit Hausanschlüssen.
1899 Erster Telefonapparat in der Mühle.
1903 Einführung des elektrischen Stroms.
1956 Bau des dritten Schulhauses mit erster Turnhalle.
2012 Erstmals wird mit Christine Brander eine Frau Gemeindepräsidentin.
2012 Bürgergemeinde wird von der Einwohnergemeinde losgelöst. Ein neuer Bürgerrat wird gewählt.
en.


