Bankomatensprengung – die neue Landplage
25.02.2025 RegionMit meistens nächtlichen Sprengungen von Banknoten-Automaten richten organisierte Verbrecher teils enorme Schäden an Gebäuden an. Dabei wird die Beute beim Sprengvorgang durch Farbpatronen eingefärbt und damit wertlos gemacht.
Thomas Gubler
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Mit meistens nächtlichen Sprengungen von Banknoten-Automaten richten organisierte Verbrecher teils enorme Schäden an Gebäuden an. Dabei wird die Beute beim Sprengvorgang durch Farbpatronen eingefärbt und damit wertlos gemacht.
Thomas Gubler
Die Täter, neuerdings sind es vor allem Banden aus den Niederlanden, kennen kein Pardon. Sie stürmen – mit Vorliebe in ländlichen Gebieten – einen Bankomaten, den sie wahrscheinlich zuvor über längere Zeit einer Beobachtung unterzogen haben, setzen eine Ladung aus Gas oder Sprengstoff aus verbotenen Feuerwerkskörpern an und sprengen den Bankomaten. Und so schnell, wie sie gekommen sind, sind die Täter auch schon wieder weg.
Die eintreffende Polizei steht meistens nur noch einem riesigen Sachschaden gegenüber. 41 Angriffe auf Geldautomaten waren laut Bundespolizei Fedpol 2024 zu verzeichnen, inklusive gescheiterte Versuche. Davon erfolgten 24 mit Sprengstoff und sechs mit Gas. Seit 2020 nehmen insbesondere die Angriffe mit Sprengstoff zu.
Jüngstes Opfer ist eine Bank in Sevelen im St. Galler Oberland, die Anfang Februar heimgesucht und verwüstet wurde. Laut Fedpol «weist die Täterschaft hochkriminelle Strukturen auf und verfügt über enorme Personalreserven», so Fedpol-Sprecherin Berina Repesa gegenüber Fernsehen SRF. Wie viel und ob die Räuber überhaupt etwas erbeutet haben, wird jeweils nicht bekannt gegeben.
Verletzte oder gar Tote haben die Sprengungen bis jetzt nicht gefordert. Das Gefährdungspotenzial für die Liegenschaftsbewohnerinnen und -bewohner war indessen häufig beträchtlich – und entsprechend gross der Schreck.
Nuglar, Sommer 2022
In der Region noch in Erinnerung ist der Überfall auf den Raiffeisen-Bankomaten in Nuglar (SO) im August 2022. Das Gebäude wurde damals derart in Mitleidenschaft gezogen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner vorübergehend evakuiert werden mussten. Und einmal mehr konnte die Täterschaft entkommen.
Das wirft die Frage auf, wie Banken ihre Bankomaten einerseits und die Liegenschaftsbewohnerinnen und -bewohner andererseits vor derartigen Überfällen schützen können. Laut Matthias Renevey, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet, hat die Raiffeisenbank ihre Lehren – teilweise auch aus versicherungstechnischen Gründen – aus dem Fall Nuglar gezogen. «All unsere Bankomaten sind mit Farbpatronen ausgerüstet», sagt Renevey. Diese werden im Falle einer Sprengung oder eines Aufbruchs aktiviert, sodass die Banknoten eingefärbt und damit unbrauchbar beziehungsweise wertlos gemacht werden.
«Wir haben damit erst einmal gemacht, was wir konnten. Mehr ist zurzeit nicht möglich», sagt Renevey. Eine Bewachung durch die Securitas etwa sei weder verhältnismässig noch zielführend. Gefährdet seien in erster Linie die Outdoor-Bankomaten. «Und von diesen haben wir nur noch ganz wenige», sagte der Chef der Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet.
Auch für die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) ist der Schutz der Geldautomaten und der Anwohner ein Daueranliegen. «Seit 2021 haben wir die Schutzmassnahmen an unseren Bankomaten laufend erweitert», sagt Sandro Spaeth, Mediensprecher der BLKB. So werde etwa das Einführen von Sprengstoff durch besondere Vorkehrungen erschwert. Und auch das Geld bei den BLKB-Automaten werde im Falle einer Sprengung eingefärbt. «Zudem ist die Bank laufend mit nationalen und internationalen Strafverfolgungsbehörden im Austausch und reagiert unverzüglich auf etwaige Gefährdungsmeldungen.»
Diese Massnahmen, so Sandro Spaeth weiter, hätten sich bewährt. Jedenfalls sei es in den vergangenen zwei Jahren zu keinen Vorfällen bei BLKB-Geldautomaten gekommen. Entsprechend ist bei der BLKB mit ihren 70 Bankomaten an 40 Standorten der Nordwestschweiz laut Sandro Spaeth «ein allgemeiner Rückbau von Bankomaten nicht geplant».
Geldautomat weiterhin gefragt
Tatsächlich dürfte der klassische Geldautomat nach wie vor einem Kundenbedürfnis entsprechen. Zwar ist der Bargeldverkehr rückläufig, aber immer noch ein äusserst relevanter Faktor. Gemäss dem «Swiss Payment Monitor 1/2025», dem gemeinsamen Forschungsprojekt der Universität St. Gallen und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), erfolgt derzeit die Gesamtzahl der Transaktionen zu 30,7 Prozent mittels mobilen Geräten. Das entspricht einem Plus von 3,9 Prozentpunkten gegenüber Mai 2024. 24,4 Prozent erfolgen mittels Debitkarte (-1,8 Prozentpunkte) und immerhin 24,2 Prozent (-1,5 Prozentpunkte) mit Bargeld.
Betrachtet man die Zahlungen im Laden, so liegt das Bargeld immer noch, beziehungsweise wieder an der Spitze, und zwar mit 28,2 Prozent (-1,7 Prozentpunkte gegenüber Mai 2024) vor der Debitkarte mit 28 Prozent (-2,1 Prozentpunkte) und den mobilen Geräten mit 24,4 Prozent (+4,3 Prozentpunkte). Letztere Zunahme ist darauf zurückzuführen, dass inzwischen auch kleinere Beträge häufiger mobil (etwa mit Twint) bezahlt werden. Das dürfte zwar auf eine weitere Abnahme des Bargeldverkehrs hinweisen, nicht aber auf ein Verschwinden des Bargeldes in absehbarer Zeit.

