Ausserordentlich
18.09.2026 BaselbietChristian Horisberger
«Gemeindeversammlung mangels Traktanden abgesagt.» Diese Meldung war in den vergangenen Wochen aus etlichen Gemeinden zu hören. Vorgestern konnten auch die Sissacherinnen und Sissacher die für den 16. Oktober vorgesehene ...
Christian Horisberger
«Gemeindeversammlung mangels Traktanden abgesagt.» Diese Meldung war in den vergangenen Wochen aus etlichen Gemeinden zu hören. Vorgestern konnten auch die Sissacherinnen und Sissacher die für den 16. Oktober vorgesehene Herbst-Gemeindeversammlung aus der Agenda löschen: Der Gemeinderat hat den reservierten Termin gestrichen.
In Tecknau läuft es genau andersherum. Dort wird am 29. September sogar zu einer ausserordentlichen Einwohnergemeindeversammlung (EGV) geladen. Das klingt zunächst nach Dringlichkeit. Nach einem Bauvorhaben vielleicht, das keinen Aufschub duldet. Nach einem Reglement, das unbedingt rasch vors Volk muss. Oder gar nach Kampfmassnahmen gegen das Abhängen Tecknaus vom öV.
Nichts dergleichen.
Neben dem Protokoll der Juni-EGV und «Verschiedenes» steht genau ein Geschäft auf der Traktandenliste: die Ersatzwahl eines Mitglieds der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK).
Echt jetzt? Dafür eine ausserordentliche «Gmäini»? Wurde da vielleicht ein Traktandum vergessen?
Die «Volksstimme» hat in Tecknau nachgefragt. Gemeindeverwalterin Colette Koitzsch bestätigt: Nein, die Einladung ist vollständig. Und hinter der auf den ersten Blick etwas üppigen demokratischen Veranstaltung für ein einziges Wahlgeschäft steckt durchaus ein praktischer Grund.
Im Herbst steht die Prüfung des Budgets 2027 an. Die RGPK hat dieses Jahr gleich zwei bewährte Mitglieder verloren: die weggezogene Präsidentin und Martin Scheidegger, der in den Gemeinderat gewählt worden ist. Einer der beiden frei gewordenen Sitze konnte inzwischen besetzt werden, einer ist noch vakant. Damit besteht die Kommission derzeit aus einem routinierten Mitglied und einem
Neuling.
Diese beiden sollen die kommende Budgetprüfung möglichst nicht allein stemmen müssen. Deshalb hat der Gemeinderat beschlossen: Die Ersatzwahl muss subito über die Bühne.
Das Problem dabei: Die RGPK wird gemäss Gemeindeordnung von der Gemeindeversammlung gewählt. Und vor der Budgetprüfung war keine ordentliche EGV mehr vorgesehen. Also blieb nur, eigens eine ausserordentliche «Gmäini» einzuberufen. Damit könne sich die Gemeinde zugleich die Recherche sparen, ob das Budget überhaupt von lediglich zwei statt der vorgesehenen drei Prüfern unter die Lupe genommen werden dürfte, merkt die Verwalterin an.
Immerhin: An einer Kandidatur soll das Vorhaben nicht scheitern. Bis zum Druck der Einladung lag jene von Andreas Schmidt vor. Die erste Voraussetzung für eine wieder komplett besetzte RGPK wäre damit erfüllt.
Die zweite könnte die grössere Knacknuss werden: Es muss jemand hingehen. Für eine ordentliche Wahl muss am ersten Dienstag in den Herbstferien mindestens eine wahlberechtigte Person im Gemeindesaal aufkreuzen. Denn der Gemeinderat kann die Mitglieder seines eigenen Kontrollorgans nicht einfach selber bestimmen. Der offiziell zur Wahl stehende Kandidat wäre zwar dazu berechtigt, sich selber zu wählen, dies setzt aber dessen Anwesenheit voraus. Laut Verwalterin Colette Koitzsch wird Andreas Schmidt am 29. September jedoch ferienhalber fehlen …
Wir fiebern der Versammlung mit Spannung entgegen.

