Aus einem Brand entstand Fortschritt: Der neue Hauptsitz der Axova AG Diepfl
29.01.2026 DiepflingenEin Neubau bündelt erstmals Büro, Lager und Schreinerei – und verändert mehr als nur die Infrastruktur
Ein Brand zerstörte innert Stunden das ganze Materiallager und stellte die Axova AG vor existenzielle Fragen. Drei Jahre später steht an gleicher Stelle ein moderner Hauptsitz, der weit mehr ist als ein Ersatzbau: Er ist Ergebnis eines langen Prozesses, geprägt von Improvisation, Durchhaltewillen und dem Anspruch, aus einer Krise nachhaltig zu lernen.
Luana Güntert
Wer heute vor dem neuen Hauptsitz der Axova AG (siehe Kasten) in Diepi ingen steht, sieht ein modernes, funktionales Gebäude, eingebettet in die Hanglage. Nichts deutet mehr darauf hin, dass sich hier bis vor Kurzem eine Brandruine befand: ein Ort der Zerstörung, des Verlustes und der Ungewissheit. Und doch beginnt genau hier die Geschichte dieses Neubaus.
Der 18. Juni 2022 hat sich unauslöschlich in das Gedächtnis von Axova-Geschäftsführer Andreas Meier und seinen Mitarbeitenden eingebrannt. An diesem brütend heissen Frühsommertag brach in einer Garage auf dem Areal des damaligen «Gewerbehauses Marti» ein Feuer aus. Die Flammen griffen rasch auf die benachbarte Immobilie über – ein altes Holzgebäude, in dem unter anderem das Materiallager der Axova untergebracht war. Innerhalb kürzester Zeit wurde fast alles zerstört: das gesamte Lagermaterial der Axova, die Räumlichkeiten der Zimmerei Marti, eine eingemietete Carrosserie-Firma sowie Teile einer Wohnung, in der eine Familie lebte.
«Das alte Gebäude war komplett aus Holz – es brannte lichterloh», erinnert sich Meier im Gespräch mit der «Volksstimme» bei einem Rundgang durch die neue Immobilie. Der Schaden war immens, materiell wie emotional. Für die Axova bedeutete der Brand den Verlust eines Vermögens an Material, und das in einer Zeit, in der Lieferketten wegen der Pandemie ohnehin stark angespannt waren.
Ein Schritt – und eine Chance
Der Brand traf das Unternehmen in einer Phase, in der intern bereits über Veränderungen nachgedacht wurde. Der Hauptsitz der Axova befand sich damals in Sissach, verteilt auf drei Standorte. Büro und Lager waren räumlich getrennt, die Abläufe umständlich, der Platz knapp. «Schon vor dem Brand war uns klar, dass wir einen neuen Standort brauchen, einen Ort, an dem wir Lager und Büro zusammenführen können», sagt Meier. Am liebsten hätte man diesen Schritt innerhalb von Sissach gemacht, doch passende Möglichkeiten fanden sich nicht.
Wenige Tage nach dem Brand kam Bewegung in die Sache. Rolf Marti, der damalige Eigentümer des Areals und selbst vom Feuer betroffen, trat an die Axova heran. Ob es eine Option sei, das Grundstück mitsamt Brandruine zu übernehmen und neu zu bauen? «Er hatte nicht mehr die Energie für einen Wiederaufbau», erklärt Meier.
Die Axova prüfte die Idee daraufhin sorgfältig – gemeinsam mit einem Architekten, der Bank, mit Blick auf Machbarkeit und Finanzierung. Die Abklärungen dauerten Monate – und führten zu einer zentralen Erkenntnis: Die Parzelle allein war zu klein. Für Mitarbeitende, Monteure, Kunden und Fahrzeuge würde es eine kostspielige Tiefgarage brauchen. Die Lösung lag direkt nebenan. Die Nachbarparzelle gehörte dem Kanton. Die Axova bewarb sich, ein Bietverfahren folgte – mit Erfolg. Damit war der Weg frei für ein Projekt, das nicht nur einen Neubau, sondern einen echten Neuanfang bedeutete.
Alltag im Ausnahmezustand
Während geplant, gerechnet und verhandelt wurde, lief der Betrieb weiter – unter erschwerten Bedingungen. Das verlorene Material musste ersetzt werden, Lieferfristen waren ungewiss, improvisierte Lösungen gefragt. «Es war eine extrem strenge Zeit», sagt Meier. Übergangsweise lagerte die Axova ihre Waren zuerst in Pratteln, später bei der Zimmerei Hänni in Rümlingen.
Trotz allem steht für Meier rückblickend der Zusammenhalt im Vordergrund: «Unser Betrieb stand nur eine Woche still. Danach haben alle alles gegeben, um die Axova wieder zum Laufen zu bringen.» Bis die Abläufe wieder reibungslos funktionierten, vergingen jedoch Monate.
Bevor der eigentliche Bau beginnen konnte, wartete eine weitere Herausforderung: der Rückbau der Brand ruine. Die Entsorgung erwies sich als komplex. Unterschiedliche Materialien, kontaminierte Bauteile, unklare Kosten. «Wir wussten zu Beginn nicht, was so etwas kostet und wie die Stoffe korrekt entsorgt werden müssen», sagt Meier. Erst nach Sondierungsbohrungen und externen Analysen konnten alle Materialien fachgerecht entsorgt werden. Der Spatenstich erfolgte im Oktober 2024. 14 Monate später, am 19. Dezember 2025, konnte das Gebäude bezogen werden.
Der Neubau unterscheidet sich grundlegend vom alten Lager. Die Gebäudehülle besteht aus Beton, die Innenräume sind modern und offen gestaltet – eine bewusste Kombination aus Sicherheit und Identität. «Das Gebäude weist eine hohe Brandschutzklasse auf», erklärt Meier. Ein umfassendes Brandschutzkonzept, interne Löschanlagen, klar defi nierte Brandabschnitte und ein separater Batterieraum sorgen dafür, dass ein allfälliges Feuer eingedämmt werden kann.
Auf dem Dach produziert die Axova Strom mit einer Photovoltaikanlage, angebracht von den eigenen Monteuren. Ergänzt wird das System durch einen grossen Batteriespeicher, eine Erdsonden-Wärmepumpe, verschiedene Ladestationen für Elektrofahrzeuge sowie – ab März – eine Schnellladestation.
Der Neubau ist damit nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Schaufenster der eigenen Kompetenzen: Solarstrom, Energiemanagement, Elektromobilität, Wärmepumpen. Einige Arbeiten konnten intern ausgeführt werden, für andere arbeitete die Axova mit lokalen Unternehmen zusammen. Für Baumanagement und Unterstützung zeichnete die Solvo Bauprojekt AG aus Arlesheim verantwortlich.
Zweckbau wird Wohlfühlort
Ursprünglich hatte Meier eine klare Vorstellung vom Neubau: ein grüner Würfel, ganz in den Farben der Axova. Doch mit der Zeit wich diese Idee einem pragmatischeren Ansatz. Das Gebäude sollte vielseitig nutzbar sein – heute wie in Zukunft. Für das Interieur engagierte die Axova eine Innenarchitektin. «Sie hat aus einem Zweckbau einen echten Wohlfühlort gemacht», schwärmt Meier. Helle Räume, klare Linien, moderne Materialien – und doch immer wieder gezielte Akzente in Axova-Grün, etwa in den Teppichen. Wie er den Stil beschreiben würde? Meier überlegt kurz, lacht und sagt: «Es ist einfach schön.»
Rund 30 Personen arbeiten heute im Büro am Hauptsitz. Morgens kommen zusätzlich die Monteure, um ihre Fahrzeuge zu laden. Insgesamt sind es 70 Mitarbeitende in Diepfl ingen, ergänzt durch Teams an den Aus senstandorten in Unterkulm (AG) und Zug.
Die Bündelung hat die Unternehmensstrategie nicht verändert, wohl aber die Abläufe. «Kommunikation, Prozesse, Platz – alles ist einfacher geworden», sagt Meier. Sitzungszimmer stehen für Besprechungen und Schulungen zur Verfügung, interne Weiterbildungen können endlich vor Ort stattfi nden. In Sissach sei das ein logistischer Kraftakt gewesen: externe Räume mieten, Material transportieren, alles für kurze Zeit. «Es war zu eng, zu verstreut, nicht ideal.»
Das Gebäude ist in Ebenen organisiert, angepasst an die Hanglage. Im untersten Stock lagern Materialien für Elektro- und Wechselrichterarbeiten. Im Erdgeschoss – von der oberen Seite her ebenerdig – benden sich das Lager für die Solarmodule, die Unterkonstruktionen und die Dachabteilung sowie die Schreinerei. Darüber liegen Archivräume, ganz oben Büro, Showroom, Sitzungszimmer und der grosszügige Pausenraum. Dank der beidseitigen Erschliessung können Waren heute direkt dort deponiert werden, wo sie gebraucht werden. «Früher mussten wir alles in den Keller tragen – und am nächsten Tag wieder hoch», erinnert sich Meier.
Mehr Raum, mehr Miteinander
Besonders stolz ist Meier auf den Pausenraum. Eine grosse, moderne Küche, viel Platz, gesunde Fertigmenüs im Kühlschrank, Zapfhähne mit gekühltem Mineralwasser und eine hochwertige Kaffeemaschine lassen den Mitarbeitenden während ihrer Pause keine Wünsche offen. Dazu kommen bei den Garderoben moderne sanitäre Anlagen mit Duschen. «In Sissach war alles wie in einem ‹Chüngelistall›», sagt Meier offen. «Hier haben die Mitarbeitenden Platz. Sie bleiben auch nach Feierabend noch zusammen sitzen.» Das Feedback aus dem Team sei durchwegs positiv.
Der Neubau in Diepfl ingen ist damit mehr als ein Ersatz für Verlorenes. Er ist Ausdruck von Resilienz, von unternehmerischem Mut – und von der Fähigkeit, aus einer Krise etwas Nachhaltiges entstehen zu lassen. Geblieben ist die Erinnerung an den Brand. Entstanden ist ein Ort, der Sicherheit bietet, Identität stiftet und Raum für Zukunft schafft.
Die Axova AG
lug. Die Axova AG ist ein Energie- und Handwerksunternehmen mit breitem Leistungsspektrum. Sie plant, installiert und wartet Solaranlagen, Stromspeicher, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge sowie Systeme für intelligentes Energiemanagement.
Daneben ist das Unternehmen im klassischen Dach- und Holzbau tätig – von Dachsanierungen und Bedachungen über Holz- und Innenausbau bis hin zum Einbau von Dachfenstern. Ein weiteres Standbein ist der Vertrieb und die Installation von Wärmepumpen.
Gemeinsam ist all diesen Bereichen der Fokus auf nachhaltige Energielösungen, handwerkliche Qualität und eine möglichst ganzheitliche Betrachtung von Gebäuden. Die Axova verbindet damit traditionelles Bauhandwerk mit moderner Energietechnik – und bietet Planung, Umsetzung und Service aus einer Hand.



