Aus der Not in die Zukunft
08.09.2026 Wenslingen«Leimenhof» blickt auf drei Jahrzehnte mit viel Wandel zurück
Mit einem grossen Hoffest feierte der «Leimenhof» in Wenslingen am vergangenen Samstag sein 30-jähriges Bestehen. Das Jubiläum markiert zugleich einen Wendepunkt: Mitgründer Andreas Gass ...
«Leimenhof» blickt auf drei Jahrzehnte mit viel Wandel zurück
Mit einem grossen Hoffest feierte der «Leimenhof» in Wenslingen am vergangenen Samstag sein 30-jähriges Bestehen. Das Jubiläum markiert zugleich einen Wendepunkt: Mitgründer Andreas Gass gibt Anfang 2027 die Verantwortung weiter.
Pascal Kamber
Für einmal ruhten die Traktoren auf dem Leimenhof in Wenslingen. Stattdessen wurde angestossen und gelacht, mitgesungen und über Geschehenes oder Aktuelles diskutiert. Am vergangenen Samstag war einiges los – und das aus gutem Grund: Der Leimenhof feierte sein 30-jähriges Bestehen. Unter der Woche hatten die beiden Hofbetreiber Andreas Gass und René Ritter zusammen mit vielen fleissigen Helferinnen und Helfern den Aussenplatz vor dem Stall in eine gemütliche Gastwirtschaft verwandelt.
Während sich die Kleinsten im Sandkasten oder auf der Hüpfburg austoben konnten, widmeten sich die Erwachsenen bei Live-Musik Gesprächen und dem einen oder anderen Getränk – oder nahmen an einer Führung durch den Hof teil. Sogar Rätselfans kamen auf ihre Kosten: Sie konnten sich auf dem Feld nebenan auf Postensuche begeben. Spätabends lockte ein Barbetrieb mit DJ-Musik schliesslich das jugendliche Partyvolk auf das Hofgelände.
Je länger der Tag dauerte, desto mehr Besucherinnen und Besucher strömten auf den Leimenhof. Das zauberte Andreas Gass nach dem schwierigen Hitzesommer ein umso breiteres Lächeln ins Gesicht. Denn die anhaltende Trockenheit ging auch am Leimenhof nicht spurlos vorbei: Die Betreiber mussten zusätzliches Futter einkaufen. «Dass so viele Leute hier sind, ist natürlich toll. Ich denke, sie schätzen es, dass sie mit uns in Kontakt treten können», sagte Gass.
Wegweisender Entscheid
Was heute im grossen Stil gefeiert wird, nahm 1996 eher notgedrungen seinen Lauf. Die Familien Buess, Ritter und Gass waren damals noch eigenständig in der Landwirtschaft tätig, ihre Bauernhöfe lagen mitten im Dorf. Das neue Gewässerschutzgesetz und verschärfte Tierschutzanforderungen liessen einen Betrieb in der bisherigen Form jedoch kaum mehr zu. Statt aufzugeben, wählten die drei Familien die Flucht nach vorne: Sie schlossen sich zu einer Tierhaltergemeinschaft zusammen und bauten etwas ausserhalb des Dorfs den Leimenhof. «Wir haben das damals für die Zukunft unserer Familien gemacht. Hätten wir diesen Entscheid nicht getroffen, würde es uns heute als Bauern nicht mehr geben», ist Gass überzeugt. Der gelernte Landmaschinenmechaniker hatte den Betrieb kurz vor dem Zusammenschluss von seinem Vater übernommen.
Mit der Aufgabe der Milchproduktion folgte 2010 der nächste Einschnitt. Seither setzt der Leimenhof auf Aufzucht- und Mastrinder sowie Mutterkühe. 2014 übernahm René Ritter den Betrieb von seinem Vater Max, ehe 2018 aus drei Partnern deren zwei wurden: Felix Buess liess sich «im gegenseitigen Einvernehmen» auszahlen. In den folgenden Jahren widmete sich René Ritter intensiver den Sozialen Medien – nicht nur aus Spass, sondern auch, um den Leimenhof als Marke bekannt zu machen.
Heute erreicht er auf den verschiedenen Kanälen Tausende «Follower», und der Leimenhof steht für «Wagyu-Beef», Rapsöl, Kichererbsen und Linsen. Selbstverständlich wurden diese Produkte am vergangenen Samstag den ganzen Tag über verkauft. «Für uns ist das Leimenhof-Fest eine gute Plattform. Wir verkaufen hier fast alles, was aus unserem Stall kommt», sagt Andreas Gass.
Für den ehemaligen Wenslinger Gemeindepräsidenten ist das Jubiläum auch aus einem anderen Grund eine emotionale Angelegenheit: Nach 30 Jahren als Betriebsleiter übergibt er im kommenden Januar seinen Anteil am Leimenhof an Marco Lorenzoni, der bisher als Mitarbeiter auf dem Hof tätig war. «Nach dieser langen Zeit ist es gut für mich, dass ich die Verantwortung abgeben kann», sagt Gass, der bald seinen 60. Geburtstag feiert.
Im nächsten Jahr möchte er sich vermehrt um andere Mandate kümmern. Ganz vom Leimenhof verabschieden wird sich Gass aber nicht, sondern je nach Arbeitsaufkommen weiterhin regelmässig auf dem Gelände anzutreffen sein. Die Zukunft ist also geregelt – etwas, womit man auf dem Leimenhof bereits Erfahrung hat.

