Aus Begleitung wird Freundschaft
17.09.2026 BaselbietDas Integrationsprogramm «Salute» verbindet Geflüchtete und Freiwillige
Das Integrationsprogramm «Salute» des Roten Kreuzes Baselland unterstützt Geflüchtete beim Ankommen in der Schweiz. Für Omid Rezaie und Thomas Kunz ist daraus eine Freundschaft ...
Das Integrationsprogramm «Salute» verbindet Geflüchtete und Freiwillige
Das Integrationsprogramm «Salute» des Roten Kreuzes Baselland unterstützt Geflüchtete beim Ankommen in der Schweiz. Für Omid Rezaie und Thomas Kunz ist daraus eine Freundschaft entstanden, die weit über Deutschübungen hinausgeht.
Fiona Findlay
Wenn Omid Rezaie über seine Flucht aus Afghanistan erzählt, wird er immer noch emotional. Der 44-Jährige spricht von langen Wegen, die er mit seinen Kindern teilweise zu Fuss zurücklegen musste. Es waren vor allem Ungewissheit und Angst, die ihn auf seiner fünfjährigen Flucht ständig begleiteten.
In Kabul war es für die Familie Rezaie nicht mehr sicher. Sie gehören zur Volksgruppe der Hazara, die in Afghanistan seit Jahrzehnten der Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt ist. Die politische und gesellschaftliche Lage für die Hazara hat sich unter der Herrschaft der Taliban weiter verschärft. Aus Angst um das Überleben seiner Familie entschloss sich Rezaie 2018, seine Heimat zu verlassen. Ein schwerer, aber nötiger Entschluss.
Die Flucht führte die Familie über den Iran in die Türkei und weiter durch Europa, bis sie 2023 in der Schweiz ankam. Teilweise mussten sie Strecken von mehr als 80 Kilometern zu Fuss zurücklegen. Rezaies jüngste Tochter war damals erst drei Jahre alt.
Ansprechpartner im neuen Alltag
Seit drei Jahren lebt Rezaie mit seiner Familie in Frenkendorf. Jeden Werktag besucht er morgens einen Deutschkurs in Basel. Er möchte möglichst schnell Deutsch lernen, eine Arbeit finden und sich in der Schweiz integrieren. Dabei hat er festgestellt, dass er seine Sprachkenntnisse zusätzlich ausserhalb des Deutschkurses festigen möchte. Mit diesem Anliegen wandte sich Rezaie vor drei Monaten an das Rote Kreuz Baselland.
Durch das Integrationsprogramm «Salute» wurde Rezaie mit dem Freiwilligen Thomas Kunz verbunden. Kunz lebt in Gelterkinden und engagiert sich seit rund anderthalb Jahren als Freiwilliger bei «Salute». Nachdem er vor drei Jahren nach seiner langjährigen Arbeit als Drogist in Pension ging, stellte er fest, dass ihm etwas fehlte. «Es füllte mich nicht aus», erklärt Kunz. Er sei dann auf das Freiwilligenangebot des Roten Kreuzes Baselland gestossen. Seither hat er mehrere geflüchtete Menschen beim Deutschlernen und im Alltag begleitet. Aus einigen dieser Begegnungen sind Freundschaften entstanden, die bis heute bestehen.
Zweimal wöchentlich treffen sich Kunz und Rezaie in der Kantonsbibliothek in Liestal. Sie arbeiten an Übungen aus Rezaies Deutschkurs, suchen gemeinsam nach den richtigen Worten oder sprechen einfach über das, was sie gerade beschäftigt. Kunz hilft Rezaie dabei, seine Sprachkenntnisse im Alltag anzuwenden und Sicherheit beim Sprechen zu gewinnen.
Empathie, Lebenserfahrung, Zeit
«Salute» geht weit über das gemeinsame Lernen hinaus. Aus dem Integrationsprogramm ist längst eine persönliche Verbindung entstanden. Neben den Deutschübungen unterstützt Kunz Rezaie bei der Stellensuche und gibt ihm Orientierung, wenn er sich in seinem neuen Alltag zurechtfinden muss. Auch beim Thema Führerausweis kann Kunz mit Rat und Erfahrung zur Seite stehen. Für Rezaie ist diese Unterstützung wertvoll, denn ein Deutschkurs allein reicht nicht aus, um in einer neuen Gesellschaft anzukommen. Das Integrationsprogramm setzt deshalb dort an, wo formelle Angebote an ihre Grenzen stossen können: bei der persönlichen Begegnung.
Manchmal geht es in den Gesprächen zwischen Kunz und Rezaie auch um die leidvollen Erinnerungen an die Flucht. Rezaie schätzt den persönlichen und regelmässigen Kontakt. Für Kunz wiederum ist gerade diese menschliche Ebene ein wichtiger Teil seines Engagements. «Es geht um viel mehr als nur darum, Deutsch zu lernen», sagt Kunz. Durch die Begegnungen mit Rezaie und anderen Geflüchteten lerne er ebenfalls neue Lebenswege kennen. Man verstehe zunehmend, wie unterschiedlich Menschen ihren Weg gehen müssen.
Was es für eine solche Begleitung braucht, sind laut Thomas Kunz vor allem Zeit, ausreichende Deutschkenntnisse und Lebenserfahrung. «Ich denke aber, Empathie ist das Wichtigste», betont er. Für Rezaie ist eindeutig, dass er eine solche Unterstützung wie das «Salute» weiterempfehlen würde. Die Nachfrage nach dem Angebot ist sehr gross. Eine Begleitung dauert in der Regel ein Jahr. Wenn eine längere Begleitung sinnvoll ist, kann der Kontakt darüber hinaus bestehen bleiben.
Für Kunz und Rezaie ist ohnehin schon klar, dass ihre Verbindung nicht mit dem Ende der offiziellen Begleitung aufhören soll. Rezaie hat Pläne für die Zukunft. Mit seinen erworbenen Deutschkenntnissen kann er sich vorstellen, eine Ausbildung zum Busfahrer zu absolvieren. Jedenfalls ist aus dieser Begegnung zwischen Kunz und Rezaie eine Freundschaft entstanden, die weit über das gemeinsame Lernen hinausgeht.

