Auf Hebels Spuren durchs Wiesental
22.10.2026 RegionEine «literatur-touristische» Wanderung zwischen Basel und dem Feldberg
Vor 200 Jahren verstarb Johann Peter Hebel in Schwetzingen. Der grosse alemannische Dichterpfarrer stammte aber aus dem südlichen Markgräflerland. Dort und in seiner Geburtsstadt Basel verbrachte ...
Eine «literatur-touristische» Wanderung zwischen Basel und dem Feldberg
Vor 200 Jahren verstarb Johann Peter Hebel in Schwetzingen. Der grosse alemannische Dichterpfarrer stammte aber aus dem südlichen Markgräflerland. Dort und in seiner Geburtsstadt Basel verbrachte er Kindheit und erste Berufsjahre. Viel über sein Wirken ist auf einem Wanderweg zwischen Basel und dem Feldberg zu erfahren.
Dominik Wunderlin
Johann Peter Hebel zählt unzweifelhaft zu den wenigen deutschsprachigen Dichtern, deren Werk (oder Teile davon) zeitlos ist. Im Vergleich zu anderen Literaturschaffenden hinterliess er jedoch nur wenig: Neben theologischen Arbeiten (unter anderem die «Biblischen Geschichten» für die Jugend) sind es vor allem seine «Alemannischen Gedichte» und die Kalendergeschichten.
Bei deren Lektüre merkt man rasch, wie sehr Johann Peter Hebel zeitlebens das badische Oberland und Basel in seinem Herzen trug. Denken wir nur an das grossartige Gedicht «Die Vergänglichkeit», ein Dialog zwischen «Ätti» und «Bueb» zur Frage von Sterben und Verfall, den einst auch die herrlich dastehende Stadt Basel erleiden wird. Verarbeitet hat der Dichter den frühen Verlust seiner Mutter, den er als Zwölfjähriger unweit der Burgruine Rötteln (oberhalb Lörrach) erleben musste.
Die starke Beziehung Hebels zu seiner engeren Heimat widerspiegelt sich eindrücklich im grossen Engagement einschlägiger Kreise, damit sein Werk nicht in Vergessenheit gerät, sondern mit heutigen Augen gewürdigt werden kann. Aus Anlass des 200. Todestags wurde jetzt im ganzen Oberrheingebiet (von Nordbaden bis ins Baselbiet) in zahlreichen Veranstaltungen verschiedenster Formate an den Meister des trefflichen Worts erinnert.
Bereits zur Feier seines 250. Geburtstags im Jahr 2010 hatte es viele Aktivitäten gegeben, damals allerdings deutlich mehr auf der badischen Seite als in der Vaterstadt. Vielleicht durfte man es als Ausgleich werten, dass zur Überraschung vieler badischer Hebel-Freunde die Schweizer Post auf Anregung des Schreibenden eine Sondermarke herausgegeben hatte.
Zu Ehren eines grossen Wanderers
Wie aus vielen Zeugnissen überliefert ist, war Hebel viel zu Fuss unterwegs. So bestieg er mit Freunden mehrfach den Belchen, durchwanderte Teile der Schweiz und spazierte sonntags regelmässig von Lörrach aus ins Pfarrhaus von Weil, um dort seine «theuerste» Freundin zu besuchen.
Alles gute Gründe, um im damaligen Jubiläumsjahr einen Johann-Peter-Hebel-Wanderweg einzurichten. Er führt seither von Basel durch das ganze Wiesental bis zur Quelle der Wiese am Feldberg. Mit einer Gesamtlänge von rund 60 Kilometern orientiert sich der Weg an Hebels Gedicht «Die Wiese», von ihm auch metaphorisch mit «Feldbergs liebligi Tochter» umschrieben: Für den Dichter ist das Flüsschen zunächst ein «Meidli», das bei seinem «Gang» durchs Tal nicht nur die Konfession «schangschiert» und sich dann «lutherisch chleidet», sondern allmählich auch zu einer stattlichen jungen Frau wird. Zwischen «Chlübi» (Klybeck) und Kleinhüningen vermählt sie sich schliesslich mit dem Rhein, «s Gotthards grossem Bueb». Man verpasst nun aber nichts, wenn man der Wiese entlang im Gegenstrom Richtung Südschwarzwald wandert.
Wir starten also an der Basler Schifflände, von wo es dann nur fünf Minuten zu Hebels Geburtshaus am Totentanz sind; unweit davon steht auch Hanspeters Taufkirche und vor deren Hauptportal seine Büste, übrigens das einzige Basler Denkmal für einen Literaten!
Nach der Rheinüberquerung mit der Fähre und dem Gang durch das untere Kleinbasel erreicht man den Stückisteg. Von nun an bleibt die Wiese unser Wegbegleiter. Allerdings verlassen wir ihr Ufer gelegentlich, um zu Standorten zu kommen, die mit der Biografie von Hebel besonders verbunden sind. So etwa das Pädagogium in Lörrach, in dem er eine Zeit lang unterrichtete und wo sich heute das Dreiländermuseum (mit Hebel-Kabinett) befindet. Auch zum Besuch der Hochzeitskirche seiner Eltern in Hauingen, der Lateinschule in Schopfheim und des Hebelhauses (Museum) in Hausen entfernt sich der Hebel-Wanderweg vom Flüsschen.
Ausgeschilderter Stationenweg
Als Wegbegleiter warten mehr als 30 Informationstafeln auf den Passanten. Sie vermitteln in Wort und Bild viel Wissenswertes über den Dichter und sein Werk und nehmen immer Bezug auf den jeweiligen Standort der Tafel. Für deren Inhalt verantwortlich waren der inzwischen verstorbene Pfr. Hans-Jürgen Schmidt und Dominik Wunderlin (Autor unseres Beitrags), beide seinerzeit Präsidiumsmitglieder des Lörracher Hebelbunds, die Projektleitung lag beim damaligen Hausener Bürgermeister Martin Bühler.
Selbstverständlich kommt Johann Peter Hebel an den Stationen mit Originalzitaten reichlich zu Wort. Da jede Tafel in aller Kürze ein Thema bearbeitet, kann man auch jederzeit auf die «literatur-touristische» Route einsteigen. Vergeblich sucht man jedoch die Informationstafeln am Totentanz, beim Klingental und am Stückisteg, also auf Stadtbasler Boden. Der Grund liegt bei einem Entscheid der seinerzeitigen Stadtbildkommission, die mit der Tafelgrösse und der Farbkombination nicht einverstanden war. Neuerdings besteht indes Hoffnung auf eine doch noch optisch einvernehmliche Lösung.
Der Hebel-Wanderweg ist zu jeder Jahreszeit gut begehbar. Einzig der oberste, zugleich wildromantischste Teil am Fuss des Feldbergs könnte bei Schnee und Eis etwas heikel sein. Damit man nie verloren geht, sorgen eine spezielle Markierung und Signalisation der Wanderwege beider Basel und des Schwarzwaldvereins.
Neben dem Hebel-Wanderweg gibt es in der badischen Nachbarschaft seit dem Jahr 2011 auch noch eine literarische Radtour. Die Route führt durch das Wiesental, über den hinteren Dinkelberg nach Bad Säckingen und dem Rheintal entlang ins Dreiländereck. Unterwegs macht das «Färtli» vertraut mit Johann Peter Hebel, Rolf Hochhuth, Martin Heidegger, Max Picard, Emma und Georg Herwegh und Joseph Victor von Scheffel. Die Informationen zum Routenverlauf und zum Inhalt besorgt man sich über die Website www.literaturland-bw.de.
Dominik Wunderlin ist Kulturwissenschaftler und war lang Mitglied in der Basler Hebelstiftung und im Präsidium des Hebelbunds Lörrach. Er ist Träger der J.-P.- Hebel-Gedenkplakette der Gemeinde Hausen im Wiesental.





