Ein Programm über Nacht, Schlaf und Sehnsucht
Mit einem wundervollen Programm zum Thema Nacht und allem, was dazu gehört, lud die Konzertreihe «Stimmen zu Gast» am letzten Januartag in den Chor der Stadtkirche Liestal.
Die Örtlichkeit konnte besser nicht ...
Ein Programm über Nacht, Schlaf und Sehnsucht
Mit einem wundervollen Programm zum Thema Nacht und allem, was dazu gehört, lud die Konzertreihe «Stimmen zu Gast» am letzten Januartag in den Chor der Stadtkirche Liestal.
Die Örtlichkeit konnte besser nicht gewählt sein, unterstrich sie doch die Intimität des Themas. Jetzt, da die Nächte wieder merklich kürzer und die Tage länger werden, ist gerade noch Zeit, sich diesem Thema zu widmen.
Mit Liedern von John Dowland über Claudio Monteverdi und Jean-Baptiste Lully bis hin zum Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach sang sich der Bassbariton Lisandro Abadie durch drei Jahrhunderte. Begleitet wurde er an der Erzlaute von Monica Pustilnik, einer Könnerin ihres Fachs, die alle historischen Zupfinstrumente beherrscht.
Dass die Nacht ewig dauern möge, in der die Stille, die Trauer und der versteckte Schmerz, aber auch die Liebe erwachen und sich zeigen dürfen und die ungeduldige Morgenröte sich noch zurückhalten soll, wurde in den zwölf Liedern thematisiert. In fünf Sprachen sang der Bassbariton in höchster Präzision mit einem breiten Tonspektrum, wobei er auch die leisen Töne und Worte sehr klar artikulierte. «Die Stücke sind langsam, dunkel und traurig», sagte er zu Beginn des Konzerts und gähnen sei also erlaubt.
Höhepunkt war sicherlich das Schlaflied von Henry Purcell «Hush no more», das sich bereits durch die Worte wie ein Hauch anhört, leise, leise, damit kein Lärm ihren Schlaf stören möge, und ebenso leise und zärtlich von Abadie vorgetragen wurde. Das Gähnen war dann mindestens bei der Schreiberin nicht mehr weit.
Doch ging es in den Liedern nicht nur um den Schlaf, sondern auch um dessen grossen Bruder, den Tod, wie in Gottfried Heinrich Stölzels Lied «Bist du bei mir». Im kurzen Vers heisst es am Schluss: «Ach, wie vergnügt wär’ so mein Ende, es drückten deine schönen Hände mir die getreuen Augen zu.» So liesse es sich wahrlich gerne sterben.
Ein anspruchsvolles Programm, das die beiden hochkarätigen und vielseitigen, aus Argentinien stammenden Künstler aufführten. Ein Liederabend, der so nur selten zu hören ist.
Elisabeth Böhm, Rünenberg