«Auch in der Musik zählt das Wir, nicht das Ich»
16.05.2026 BaselbietVier Kulturpreise für Musik und Choreografie/Tanz vergeben
Die Kulturpreise 2026 des Kantons Baselland gehen an die Sängerin Nicole Bernegger (Birsfelden), den Saxofonisten Alex Hendriksen (Basel), den Choreografen und Tänzer Muhammed Kaltuk (Reinach) und die Harfenistin ...
Vier Kulturpreise für Musik und Choreografie/Tanz vergeben
Die Kulturpreise 2026 des Kantons Baselland gehen an die Sängerin Nicole Bernegger (Birsfelden), den Saxofonisten Alex Hendriksen (Basel), den Choreografen und Tänzer Muhammed Kaltuk (Reinach) und die Harfenistin Vera Schnider (Waldenburg). Sie erhalten jeweils 20 000 Franken.
Regula Vogt-Kohler
In ihrem heutigen Leben dreht sich (fast) alles um Musik, doch wie beginnt ein «Weg, der sich kompromisslos als der einzige anfühlt», wie es der Saxofonist Alex Hendriksen formuliert? Im Falle von Hendriksen, der in Schönenbuch aufgewachsen ist, war es die Begegnung mit den «Blues Brothers». Er sah als Sechs- oder Siebenjähriger den Film, hörte die Musik – und wusste: Das will ich! «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt er in einem filmischen Kurzporträt, das die Laudatio an der diesjährigen Verleihung der Baselbieter Kulturpreise in Oberwil ergänzte.
Am Saxofon gefalle ihm die Vielseitigkeit. Sein Palmarès als Musiker umfasst unter anderem Auftritte mit Pepe Lienhard, von dem er viel Professionalität abgeschaut habe, und mit Patent Ochsner. «Sein» Stück bei der Berner Kultband ist «Scharlachrot» mit dem langen Saxofon-Solo am Ende. «Es ist ein Traum für einen Musiker, dass man eine solche Stelle erhält», schwärmt er.
Alex Hendriksen, der mit seiner Familie heute in Basel lebt, ist nicht nur auf der Bühne, sondern auch als Lehrer tätig. Er unterrichtet in Basel Privatschüler aller Altersklassen und hat ein kleines Pensum an der Musikschule Muttenz. Zudem gibt er an Primarschulen Einführungskurse für Jazz.
Alte und neue Musik
Die Harfenistin Vera Schnider lebt in einem Dreigenerationenhaushalt in der ehemaligen Bezirksschreiberei in Waldenburg. Sie betont, wie wichtig der Rückhalt in der Familie ist. Im Haus sorgen drei kleine Kinder für Betrieb. Das sei ein grosses Glück und gleichzeitig eine unglaubliche Herausforderung, das mit dem Berufsleben in Verbindung zu bringen. Das gehe nur, weil sie Teil eines Grösseren sei, sagt sie in ihrem Kurzporträt.
Schnider ist ebenfalls viel unterwegs, was auch in musikalischer Hinsicht gilt. «Ich bewege mich mit meiner Musik durch die Jahrhunderte», sagt sie. Ihre Schwerpunkte sind zeitgenössische Musik und historische Aufführungspraxis. Neben ihrer Konzerttätigkeit unterrichtet Schnider an der Musikschule der Schola Cantorum Basiliensis, ist als Expertin für die Berner Kulturförderung tätig und wirkt als Kuratorin am Musikfestival Bern mit.
Wie wird man eigentlich Harfenistin? Ausschlaggebend für die im Luzernischen aufgewachsene Vera Schnider war der Anblick von Harfenspielerinnen auf einem Schiff anlässlich der Einweihung der neuen Kapellbrücke 1994. Die eleganten Bewegungen der Musikerinnen hätten es ihr so angetan, dass sie unbedingt Harfenspielen lernen wollte, sagte Jürg Gohl, Preisträger des vergangenen Jahres, in seiner Laudatio.
Ihr Veto eingelegt habe sie bei der Frage, in welchen grossen Häusern sie schon aufgetreten sei, berichtet der Laudator. Das sei doch nebensächlich, denn auch in der Musik zähle das «Wir», nicht das «Ich».
Musik als Kanal, Tanz als Filter
Nicole Bernegger hat ihre ersten künstlerischen Erfahrungen mit zwölf Jahren in einem Jugendchor gesammelt. Sie tourte dann mit einer eigenen Band durch die Lande und gelangte im Jahr 2013 mit dem Sieg bei «The Voice of Switzerland» ins Rampenlicht einer breiten Öffentlichkeit. Im Jahr 2018 gründete sie ihr eigenes Label.
Nach einer Phase als Solokünstlerin ist sie seit etlichen Jahren wieder mit Band unterwegs. «Nicole Bernegger steht heute für eine Band, ein Team», sagt sie. Ihre Stimme sei für sie ein Transportmittel, um sich ausdrücken zu können. «Musik kanalisiert meine Emotionen auf einen Moment, einen Song, den man mit dem Publikum teilt.»
Für den Reinacher Muhammed Kaltuk ist die Kunst, in seinem Fall der Tanz, wie ein Filter, der ihn zur Balance kommen lasse. «Ein Filter, um mit der Welt klarzukommen», sagt er im Film, der einen kurzen Einblick in seine weltweite Tätigkeit gibt. Mit 14 entdeckte er im Jugendhaus die Welt des Hip-Hop, wo man durch Bewegung, aber ohne Worte miteinander kommuniziert. Mit 25 Jahren absolvierte er eine Ausbildung an der Höheren Fachschule für Zeitgenössischen und Urbanen Bühnentanz in Zürich. Im Jahr 2017 gründete er die Company MEK.
Es gehe ihm darum, Themen sichtbar zu machen, die weniger sichtbar seien. Auch er hebt die Unterstützung durch das Team hervor. Dies mache es möglich, dass er sich auf die Kunst konzentrieren könne.
Preisverleihung im Gym Oberwil
rvk. Die öffentliche Preisverleihung fand in der Aula des Gymnasiums Oberwil statt und zog Gäste aus Kultur, Gesellschaft und Politik an. Regierungsrat Markus Eigenmann, Vorsteher der Bildungs-, Kulturund Sportdirektion, und Landratspräsident Reto Tschudin hoben in ihren Ansprachen die Bedeutung der ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler für die Kultur im Kanton und darüber hinaus hervor. Das Trio «TRËI» begleitete die Feier musikalisch.
Mit den Kultur-, Sparten- und Förderpreisen des Kantons Baselland werden jährlich herausragende Leistungen im Bereich des zeitgenössischen Kunstschaffens sowie der Geisteswissenschaften honoriert.
Die filmischen Kurzporträts der Preisträgerinnen und Preisträger sind auf Youtube (Kanton BL) zu finden


