Asbestfund in der Backstube
25.08.2026 Bezirk LiestalDer «Mühleisen»-Patron nennt es «die böse Überraschung»
Ein neuer Ofen sollte die Backstube des Cafés «Mühleisen» fit für die Zukunft machen. Stattdessen stiess Felix Mühleisen auf Asbest. Die unerwartete Sanierung ...
Der «Mühleisen»-Patron nennt es «die böse Überraschung»
Ein neuer Ofen sollte die Backstube des Cafés «Mühleisen» fit für die Zukunft machen. Stattdessen stiess Felix Mühleisen auf Asbest. Die unerwartete Sanierung verlängert die Betriebsferien.
Daniel Aenishänslin
Nicht wie in einer Backstube sieht es im Bauch des Cafés «Mühleisen» aus. Vielmehr erinnert der Raum an eine Baustelle. Die Decke ist offen, in einer Ecke steht ein Schubkarren, und mittendrin fehlt der Ofen.
Felix Mühleisen wollte die Betriebsferien nutzen, um den 60 Jahre alten Backofen durch ein neues Modell zu ersetzen. Dabei stiess er auf ein Problem, mit dem er nicht gerechnet hatte: Asbest. «Die böse Überraschung», nennt Mühleisen den Fund.
«Ich war schockiert, das ist mir eingefahren», sagt der Inhaber des gleichnamigen Cafés, des ersten Hauses an der Liestaler Kasernenstrasse. Als der alte Ofen demontiert wurde, kamen darunter Asbestplatten zum Vorschein. Die Arbeiter der Entsorgungsfirma stellten daraufhin ihre Arbeit ein, denn Asbest kann zu Krebs führen. Mühleisen holte einen Schadstoffsanierer aus dem solothurnischen Luterbach zu Hilfe.
Für die Gesundheit seines zwölfköpfigen Teams habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden, betont Mühleisen. Niemand habe mit dem Asbest in Kontakt kommen können. Erst durch den Abbau des Ofens sei die Raumluft kontaminiert worden. Inzwischen sei alles wieder sauber. Messungen durch einen Fachbetrieb hätten dies bestätigt.
Betriebsferien verlängert
Dass sich für die Mitarbeitenden des Gastwirts keine Probleme ergaben, liegt auch daran, dass sie wegen der Betriebsferien abwesend waren. Diese werden nun verlängert. Am Montag, 24. August, gestern also, hätte das Café den Betrieb wieder aufnehmen sollen. «Wir hoffen, dass wir am kommenden Donnerstag öffnen können», sagt Mühleisen, «sicher aber am Freitag.»
Der alte, grosse Ofen von Werner & Pfleiderer ist inzwischen abgebaut. «Das Beste, was damals auf dem Markt war», sagt Mühleisen. An seine Stelle kommt ein kleineres und flexibleres Modell. Die Zeiten haben sich geändert. «Früher stand das Brot im Zentrum, darum war der Ofen so gross», erklärt Mühleisen, der den Betrieb in dritter Generation führt. «Unser Interesse gilt nun Pizza und Flammkuchen. Das passt zum Restaurant.»
Das Gebäude befindet sich seit 1903 im Besitz der Familie Mühleisen. Über einem der Eingänge prangt noch heute das Familienwappen. Einen Fund wie diesen habe es in all den Jahrzehnten nie gegeben. «Und natürlich war in früheren Zeiten Asbest auch noch kein Thema», sagt Mühleisen. «Damals galt Asbest noch als Wundermittel.» Seit dem Jahr 1990 ist das faserförmige Mineral in der Schweiz verboten, seit 2005 auch in der Europäischen Union.
Es wird teuer
Wie hoch die Sanierungskosten ausfallen werden, kann Mühleisen noch nicht genau sagen. Klar ist für ihn aber schon jetzt: «Das gibt eine teure Sanierung.» Sorgen bereite ihm das nicht. Zum einen übernehme die Versicherung einen namhaften Teil der Kosten. Zum anderen sagt Mühleisen selbstbewusst: «Unser Betrieb steht hervorragend da; wir können uns das leisten.»
Viel mehr beschäftigt ihn die Frage, wann im Café wieder Leben einkehrt. Er freue sich darauf, bald wieder zu öffnen und den Betrieb «Törliplatz-tauglich» zu machen. Der 80-Jährige führt das Café mit Leidenschaft. «Ich mache das immer noch mit Leib und Seele.» Dazu gehört für ihn nicht nur das Café selbst. Felix Mühleisen will, dass der «Törliplatz» vor seinem Haus lebt. Dafür ist er in Liestal bekannt. Den Platz lebendig und publikumsfreundlich zu gestalten, bezeichnet Felix Mühleisen gar als sein «Lebensziel». Daran soll ihn auch der überraschende Fund unter dem alten Ofen nicht hindern.

