April – wenn das Jahr sich öffnet
31.03.2026 BaselbietZwischen Laune und Lebenskraft – Start in den neuen Monat
Der April ist der Monat der Bewegung. Kaum ist der März verklungen, zeigt sich der Frühling von seiner wechselhaften Seite. Sonne und Graupel liegen nahe beieinander, ein milder Morgen kann in einen frostigen Abend ...
Zwischen Laune und Lebenskraft – Start in den neuen Monat
Der April ist der Monat der Bewegung. Kaum ist der März verklungen, zeigt sich der Frühling von seiner wechselhaften Seite. Sonne und Graupel liegen nahe beieinander, ein milder Morgen kann in einen frostigen Abend kippen. Der April hält nichts fest – und genau darin liegt sein Charakter.
Hanspeter Gautschin
Morgen Mittwoch dürfen wir den April begrüssen. Der Name April wird oft vom lateinischen aperire hergeleitet – «öffnen». Und tatsächlich: Jetzt öffnen sich Knospen, Blätter und Blüten. Die Erde gibt frei, was lange verborgen lag. Hecken stehen plötzlich im ersten Grün, Obstbäume treiben aus, und über Nacht scheint sich die Landschaft verwandelt zu haben.
Typisch für den April ist seine Unberechenbarkeit. Regenschauer ziehen über die Jurahöhen, dazwischen spannt sich unvermittelt ein heller Himmel. Dieses Wechselspiel gehört zu ihm wie der Duft feuchter Erde.
In Gärten leuchten Tulpen und Vergissmeinnicht, die Kirschbäume stehen in Blüte. Auf Wiesen summen Hummeln, Zitronenfalter tanzen im Wind. Kaulquappen bevölkern Tümpel und Weiher. Das Jahr nimmt sichtbar Fahrt auf.
1. April – ein Spiel mit dem Schein
Der Monat beginnt mit einem Augenzwinkern. Am 1. April schickt man sich gegenseitig «in den April». Die Ursprünge dieses Brauchs sind nicht eindeutig geklärt; vermutet werden Bezüge zu mittelalterlichen Narrenfesten oder zu alten Kalenderumstellungen. Geblieben ist die Freude am kleinen Irrtum. Vielleicht passt das gut zu einem Monat, der selbst überrascht.
In diese Zeit fällt auch das Osterfest. Heute wird es vor allem als christliches Fest der Auferstehung verstanden. Viele seiner Zeichen reichen jedoch weiter zurück und gehören zum alten Frühlingsbrauchtum Europas. Schon früh deuteten Menschen das Erwachen des Frühlings als Wiederkehr des Lichts. Das Licht kommt aus dem Osten – daher auch die sprachliche Verwandtschaft von «Ostern» und «Osten». In verschiedenen indoeuropäischen Traditionen erschien dieses neue Licht in weiblicher Gestalt: bei den Griechen als Eos, bei den Römern als Aurora und in germanischen Überlieferungen als Ostara.
Auch die vertrauten Ostersymbole gehören in diesen Zusammenhang. Das Ei galt seit alters her als Sinnbild des entstehenden Lebens. In vielen Mythen entsteht die Welt aus einem Ei. Der Hase wiederum steht für Fruchtbarkeit und überschäumende Lebenskraft. Beide Bilder greifen die gleiche Erfahrung auf: Nach der winterlichen Starre beginnt das Leben neu zu wachsen.
Der Termin des Osterfestes folgt bis heute den Rhythmen von Sonne und Mond. Gefeiert wird am ersten Sonntag nach dem Vollmond, der auf die Frühlings-Tagundnachtgleiche folgt. So bleibt das Fest eng mit den natürlichen Zyklen verbunden.
Eierleset – Frühlingszeichen
Der Eierleset ist ein alter Frühlingsund Fruchtbarkeitsbrauch zum Vertreiben des Winters, den örtliche Turnvereine in zahlreichen Oberbaselbieter Gemeinden pflegen. Er findet meist am Sonntag nach Ostern statt, der sogenannten «Nooch Oschtere». Auf zwei Bahnen werden zahlreiche kleine Sägemehlhaufen vorbereitet, in jedem liegt ein Ei. Zwei Gruppen treten gegeneinander an – traditionell symbolisiert eine den Winter, die andere den Frühling.
Die Läufer rennen jeweils zum entferntesten noch liegenden Ei, nehmen es auf und bringen es zurück zum Fänger, der am Ende der Bahn bei einer mit Spreu gefüllten Wanne steht. Das Ei wird ihm zugeworfen; gelingt der Fang, darf der nächste Läufer starten.
Fällt ein Ei zu Boden und zerbricht, muss der Läufer die Strecke meist nochmals zurücklegen. Manchmal sind einzelne Eier auch mit kleinen Zusatzaufgaben verbunden – etwa Sackhüpfen oder einem Geschicklichkeitslauf.
Gewonnen hat die Mannschaft, die zuerst alle Eier abgeliefert hat. Symbolisch steht dieses lebhafte Spiel für den Sieg des Frühlings über den Winter.
Tanz auf der Schwelle
In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai lebt ein alter Volksglaube auf: die Walpurgisnacht. Man erzählte von Hexen, die sich auf Berggipfeln versammelten, von Feuern, die Schutz bringen sollten. Solche Vorstellungen gehören zum Übergang zwischen den Jahreszeiten. Der Frühling hat zwar begonnen, doch seine Kraft muss sich noch festigen. Feuer und Lärm galten früher als Mittel, um die letzten Wintergeister zu vertreiben.
Heute feiern – den April bewusst erleben:
– Ein freundlicher Aprilscherz: mit Humor den Monat beginnen – ein kleines Rätsel oder ein augenzwinkernder Irrtum.
– Kleines Oster-Ritual: am Ostermorgen kurz nach draussen gehen, einen Moment still stehen und das erste Licht bewusst wahrnehmen. Vielleicht ein Ei in der Hand halten – als Zeichen neuen Lebens und des beginnenden Frühlings.
– Eierleset besuchen: wenn möglich, einen Wettkampf vor Ort. Dort wird das alte Spiel zwischen Winter und Frühling besonders deutlich.
Mit dem April beschliessen wir unseren Gang durch die Monate, der in der «Volksstimme» im vergangenen Mai seinen Anfang nahm. Vielleicht ist dabei spürbar geworden, dass wir auch heute noch Teil jenes grossen Kreislaufs sind, in dem Licht, Wachstum und Ruhe einander folgen.

