Anwalt des Schönen und Gewachsenen
08.10.2026 Porträt, BaselbietAdolf Müller – Architekt, Heimatschützer und Förderer der Kunst
Er war Architekt, Baupolizei-Beamter, Heimatschützer und ein unermüdlicher Förderer der Baselbieter Kultur. Adolf Müller wirkte im ganzen Kanton, beriet bei Neu- und Umbauten, setzte ...
Adolf Müller – Architekt, Heimatschützer und Förderer der Kunst
Er war Architekt, Baupolizei-Beamter, Heimatschützer und ein unermüdlicher Förderer der Baselbieter Kultur. Adolf Müller wirkte im ganzen Kanton, beriet bei Neu- und Umbauten, setzte sich für den Erhalt wertvoller Bauten ein und hatte auch für Kunst und Brauchtum ein offenes Auge.
Hanspeter Gautschin
Adolf Müller wurde 1896 geboren. Er stammte aus dem Langenbrucker Weiler Bärenwil, verbrachte seine Jugendzeit aber in Sissach. Dort besuchte er die Primar- und Sekundarschule. Nach einem Welschlandjahr begann er eine Bauzeichnerlehre bei Architekt L. Friedrich in Basel, die er 1915 nach einem Maurerpraktikum mit bestem Erfolg abschloss. Weitere berufliche Stationen führten ihn zu Architekt P. Hosch in Basel, wo er auch mit kunstgewerblichen und grafischen Arbeiten vertraut wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg bildete er sich in Dresden weiter, wo er zugleich eine Bauzeichnerstelle innehatte und die Sächsische Technische Hochschule besuchte. 1923 kehrte er in die Heimat zurück.
In den folgenden Jahren arbeitete Adolf Müller als Bauführer und Architekt in verschiedenen grösseren Betrieben. Daneben trat er auch in Wettbewerben erfolgreich hervor. So errang er 1924 beim Wettbewerb für Wegkapellen der Schweizerischen Christlichen Kunst einen ersten und einen dritten Preis; bei Schulhausprojekten in Allschwil, Augst, Aesch und Basel erhielt er weitere Auszeichnungen. Schon früh zeigte sich damit, dass in ihm praktisches Können und künstlerische Begabung zusammenfanden.
Einsatz für die Baukultur
1928 wurde Adolf Müller in die Baudirektion des Kantons Basel-Landschaft gewählt. Dort wirkte er bis zu seinem frühen Tod 1942 als Baupolizei-Beamter. Seine Arbeit führte ihn durchs ganze Baselbiet. Bei Neu- und Umbauten war er mit seinem Rat präsent, dabei beschränkte er sich nicht auf die technische Kontrolle. Sein geschulter Blick galt auch den Schönheiten alter Siedlungen und bemerkenswerter Bauteile. Wo immer möglich, setzte er sich für eine Baukultur ein, die das Gewachsene achtete und nicht gedankenlos preisgab. Die Renovationen der Kirchen von Benken, Ziefen, St. Peter in Oberdorf, Tenniken und Lausen sowie der Friedhöfe von Sissach und Lausen zeugen von diesem Wirken.
Adolf Müller war weit mehr als ein Beamter. Er wurde zu einem engagierten Anwalt des Heimatschutzes. In der staatlichen Natur- und Heimatschutzkommission, deren Schreiber er während Jahren war, entfaltete er eine fruchtbare Tätigkeit. Für die volkskundliche Abteilung des Kantonsmuseums in Liestal trug er auf seinen Fahrten im Kanton wertvolle Stücke zusammen und half mit künstlerischem Verständnis bei der Neuordnung der Sammlungen. Auch bei der Wiederentdeckung alter Baselbieter Trachten und bei der Wiederbelebung von Bräuchen wie Bannumgang und Neujahrssingen war er beteiligt.
Zeichner von Gemeindewappen
Ein weiteres Feld seines Wirkens lag in der Heraldik. Mehrere Baselbieter Gemeindewappen wurden von seiner kunstgeübten Hand zeichnerisch ausgeführt, darunter jene von Sissach, Oberdorf, Niederdorf, Langenbruck, Giebenach und Liedertswil. Auch darin zeigt sich die Verbindung von Sachverstand, Heimatverbundenheit und gestalterischem Können.
Im Kunstkredit Baselland spielte Adolf Müller eine wichtige Rolle als Förderer freischaffender Künstler. Er unterstützte gezielt junge Künstler wie Ugo Cleis, Emilio Müller, Fritz Bürgin, Wilhelm Balmer und Fritz Balmer, unter anderem durch Ankäufe. Auch die ersten Kunstausstellungen im Baselbiet, etwa jene von 1933, gingen auf seine Initiative zurück. In einer Zeit mit geringen Verdienstmöglichkeiten für Kunstschaffende kam diesem Engagement besonderes Gewicht zu. Damit verband Müller seine Tätigkeit als Leiter der Baupolizei auf bemerkenswerte Weise mit kultureller Verantwortung.
Adolf Müller starb im Januar 1942 in Liestal nach kurzer, schwerer Krankheit, erst 45-jährig. Mit ihm verlor das Baselbiet einen Mann, der sich mit grosser Arbeitskraft und echter Hingabe für Heimat, Baukultur und Kunst eingesetzt hatte. Heute ist Adolf Müller aus dem Gedächtnis verschwunden. Seine Spuren im Baselbiet sind es nicht.
Künstler, Dichter, Macher und Visionäre
vs. In unserer Serie stellt Hanspeter Gautschin Menschen aus dem Oberbaselbiet vor, die einst prägend wirkten, heute aber fast vergessen sind. Es sind Künstlerinnen, Dichter, engagierte Macherinnen, stille Visionäre – ebenso wie Unternehmer, Tüftler und Gestalter der Industriewelt, die mit Innovationsgeist und Tatkraft die Entwicklung unserer Region vorantrieben. Persönlichkeiten, die das kulturelle, soziale, geistige oder wirtschaftliche Leben des Oberbaselbiets nachhaltig geprägt haben. Mit erzählerischem Gespür und einem feinen Blick für das Wesentliche lässt Gautschin diese Lebensgeschichten wieder aufleuchten – als Erinnerung, Inspiration und als Beitrag zur regionalen Identität.
Hanspeter Gautschin (1956) lebt in Oberdorf und blickt auf eine facettenreiche Laufbahn im Kulturbereich zurück. Als ehemaliger Impresario, Kulturförderer und Museumsleiter erzählt er mit Vorliebe Geschichten über Menschen, Kultur und das Leben im Alltag.

