AM BALL ZU HAUSE
22.01.2026 SportKleine Taten, Tag für Tag
Erwartungen und Hoffnungen – damit ist jeder Jahreswechsel verknüpft. Welche Ziele setzen wir uns? Und wie geht es weltpolitisch weiter? Mich beschäftigt zu Beginn dieses Jahres vor allem die Frage: Wie können wir im ...
Kleine Taten, Tag für Tag
Erwartungen und Hoffnungen – damit ist jeder Jahreswechsel verknüpft. Welche Ziele setzen wir uns? Und wie geht es weltpolitisch weiter? Mich beschäftigt zu Beginn dieses Jahres vor allem die Frage: Wie können wir im Frauenfussball ans letztjährige Highlight, die Women’s Euro, anknüpfen? Das enorm erfolgreiche Turnier in unserem Land hat einen Meilenstein gesetzt. Mit einem Mal wurde real, wofür sich viele von uns seit Jahren eingesetzt hatten: mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz für den Sport, den wir so lieben.
Allerdings glaube ich nicht, dass es nun um den nächsten Superlativ und darum geht, diese EM noch zu übertreffen. Viel wichtiger ist es, die Entwicklung im regionalen Fussball der Frauen und Mädchen konsequent voranzutreiben. An der Basis, in den Vereinen, die tagtäglich Grossartiges leisten: Sie geben Kindern eine sportliche Perspektive und schaffen Gemeinschaft.
In den ersten Wochen des jungen Jahres durfte ich bereits etwas sehr Ermutigendes erleben. Dank Natalija, mit der ich selbst Fussball gespielt habe. Die engagierte Mutter zweier Söhne setzt sich dafür ein, dass Mädchen in einem Dorfverein im Baselbiet wieder zur Geltung kommen. Dessen früher gut funktionierende Frauenabteilung kam vor ein paar Jahren zum Erliegen. Dies will Natalija ändern. Sie organisiert Probetrainings für Mädchen, sie mobilisiert Eltern und Bekannte, sich als Trainerinnen und Trainer zu engagieren; und sie sucht mit dem Verein nach Lösungen für Trainingsmöglichkeiten. Es gibt noch viel zu tun, bis die Integration der rund 40 Mädchen in den Verein vollbracht ist. Doch ich habe keine Zweifel daran, dass meine einstige Mitspielerin ihr Ziel erreichen wird. Eine mutige Frau. «Weisst du, Vera, was für mich das Grösste war?», hat sie mich gefragt. «Dieses Leuchten in den Augen der Mädchen beim ersten Probetraining. Darum geht es mir.»
Und genau darum sollte es uns allen gehen – unabhängig davon, wofür wir einstehen: andere zu begeistern, ohne uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Zusammen etwas zu erschaffen, das uns verbindet und uns als Gemeinschaft stärkt. Ich bin dankbar für all die Menschen, die sich ehrenamtlich in Vereinen engagieren und jahrein, jahraus grossen Einsatz leisten. Ihr Wille und ihre Leidenschaft beeindrucken und berühren mich.
Ist vielleicht dies die wichtigste Aufgabe des neuen Jahres? Nicht nach dem nächsten grossen Highlight zu suchen, sondern dafür zu sorgen, dass möglichst viele kleine Lichter leuchten. Woche für Woche, auf unseren Plätzen, in unseren Vereinen.
Vera Gmür
Vera Gmür (1985) ist Präsidentin Frauenfussball beim FVNWS. Die Ormalingerin spielte früher selber im Halbprofibereich, heute engagiert sie sich für die Entwicklung des Mädchen und Frauenfussballs in der Region und spielt bei den Seniorinnen des SV Sissach.

