Alternativprojekt heizt Schulhausdebatte an
02.04.2026 BRIEFELeserinnen und Leser äussern sich zum Projektierungskredit über 1,02 Million Franken
Gemeindefinanzen können Campus nicht verkraften
Am 26. April wird in Gelterkinden entschieden, ob das Projekt Campus Loggia weiterverfolgt wird oder ob ...
Leserinnen und Leser äussern sich zum Projektierungskredit über 1,02 Million Franken
Gemeindefinanzen können Campus nicht verkraften
Am 26. April wird in Gelterkinden entschieden, ob das Projekt Campus Loggia weiterverfolgt wird oder ob günstigere Alternativen geprüft werden können. Das ist ein Entscheid mit langfristiger Bedeutung für unsere Gemeinde, auch finanziell.
Gelterkinden hat bereits ein strukturelles Defizit. Die Gemeinde kann laufende Ausgaben trotz Sparmassnahmen nicht mit Einnahmen finanzieren und muss sich jährlich neu verschulden. Gleichzeitig ist überall zu lesen, dass die vom Kanton vorgeschriebenen Ausgaben beispielsweise für Kindes- und Erwachsenenschutz sowie Alterspflege weiter steigen werden, ohne dass die Gemeinde diese Kosten beeinflussen kann.
Trotz dieser angespannten Finanzlage wird mit dem «Campus Loggia» freiwillig ein überteuertes Prestigeobjekt geplant, dessen Bedarf zumindest unklar ist. Gleichzeitig will oder kann der Gemeinderat auch in der Abstimmungsvorlage zur Finanzierung keine genauen Angaben machen und hält nur fest, dass sie dann wohl auf verschiedene Arten wie Darlehensaufnahme, allenfalls Landverkauf und Steuererhöhungen erfolge. Das ist keine transparente Finanzplanung!
Eine zusätzliche Verschuldung verschärft das schon bestehende strukturelle Defizit durch neue Zins- und Amortisationsverpflichtungen weiter und auch der Verkauf von Bauland durch die Gemeinde ist nicht ohne Folgen. Die Aufwertungsreserven auf den Liegenschaften werden bereits für die Refinanzierung des Hallenbads verwendet und zudem dürften mit dem Verkauf Baurechtszinsen als Einnahmen wegfallen. Damit verbleiben realistischerweise nur erhebliche Steuererhöhungen, die uns alle treffen werden.
Weil ich überzeugt bin, dass günstigere Alternativen zum «Campus Loggia» möglich sind, bin ich Teil des Referendumskomitees und stimme überzeugt Nein zum Projektierungskredit für den «Campus Loggia».
Hannes Baader, Gelterkinden
Kein «Campus Luxus»
Im Artikel der «Volksstimme» vom 27. März hält der Gelterkinder Gemeindepräsident Christoph Belser an seiner Aussage fest, dass ein alternatives Projekt zum «Campus Loggia» nicht günstiger zu realisieren sei. Genau diese Aussage hat das Projekt «Ratio» nachweislich widerlegt. Die Gesamtkosten des Neubaus «Campus Loggia» werden mit knapp 11 Millionen Franken beziffert. Das Projekt «Ratio» hat dagegen einen Kostenvoranschlag von 6,7 Millionen mit einer Genauigkeit von plus/minus 10 Prozent vorgelegt.
Entgegen der Aussage des Gemeindepräsidenten sind darin sämtliche Honorare für die Projektierung und Ausführung und auch die üblichen Reserven für Unvorhergesehenes mit eingerechnet. Auch der komplette Rückbau des Pavillons Ost, inklusive der Altlastenentsorgung, ist enthalten. Es ist nicht wahr, dass die beiden Varianten (Zitat) «bezüglich der reinen Gebäudekosten … vergleichbar sind». Der «Campus Loggia» umfasst insbesondere wegen seinem monumental-luxuriösen Eingangsbereich und der nutzlosen «Loggia» ein viel grösseres Bauvolumen. Somit ist auch klar, dass dieses Gebäude deutlich teurer sein wird.
Die vom Gemeinderat ausgearbeitete Kostenschätzung rechnet für die Gebäudekosten inkl. Honorare und Projektreserve mit rund 8,3 Millionen Franken. Demge- genüber steht im direkten Vergleich die Summe von 5,3 Millionen im Projekt «Ratio». Das ist ein Unterschied von 3 Millionen. Hier irrt sich der Gemeindepräsident also gewaltig, wenn er sagt, dass die Gebäudekosten «vergleichbar» seien.
Jeder Franken, der heute ausgegeben und mit Schulden finanziert wird, muss in Zukunft von unseren Kindern und Enkelkindern zurückbezahlt werden. Darum heisst es jetzt: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Lasst uns das Projekt «Campus Loggia» am 26. April zusammen an der Urne beenden und vorwärts schauen mit einem vernünftigen und zahlbaren Projekt.
Jakob Baader, Gelterkinden Bei einem Nein beginnt die Arbeit von vorne
Eine zum Dunstkreis des Referendumskomitees gehörige Gruppe von «Baufachleuten» (zufälligerweise alles Unternehmer aus der Region) hat nun im Rahmen des Abstimmungskampfs zum Projektierungskredit Neubau Pavillon Ost eine neue Idee eingereicht, beziehungsweise eine im Wettbewerb nicht zum Zuge gekommene Variante etwas genauer beleuchtet und als Alternative dargestellt zum ausgewählten Projekt.
Dabei wird von einem «Gegenvorschlag» gesprochen, was es schlichtweg nicht ist! Sollte am kommenden Abstimmungstermin dem Projektierungskredit eine Abfuhr erteilt werden, so wird nicht dieses andere Projekt automatisch zum Zuge kommen, sondern die ganze Arbeit beginnt von vorne. Dass nun wohl der Abstimmungstermin vom Referendumskommitee bewusst verzögert wurde, damit noch Zeit bleibt, diese Abklärungen zu treffen und dieses alternative Projekt auszuarbeiten, ist nur ein Scharmützel am Rande.
Wurden bei diesem alternativen Projekt die zuständigen Auftraggeber und Benutzer miteinbezogen, also die Schule, die Bauverwaltung, die Gemeinde? Nein! All diese Arbeiten wurden im aufwendigen Verfahren eines offenen Wettbewerbs und in Absprache mit diversen Zuständigen Personen innerhalb der Gemeinde und Schule getätigt – somit finde ich es zynisch von den Gegnern dieses Projektierungskredits, ihr Projekt als echte «Alternative» darzustellen. Ausserdem käme es ganz nebenbei zur Abschreibung der bereits getätigten Arbeiten, und auch die Planungskosten wurden nicht einbezogen.
Serafin Bieder, Gelterkinden Ablenkungsmanöver im Abstimmungskampf
In selbstloser Fronarbeit hat uns das Referendumskomitee einen grossen Dienst erwiesen: Sie haben kostenlos einen «Gegenvorschlag» für den Neubau des Schulhauses Hofmatt erstellt, welcher aber keiner ist – dieser soll angeblich 40 Prozent weniger kosten. Das sieht auf den ersten Blick gut aus.
Nun braucht es jedoch etwas Aufklärungsarbeit. Wird der Projektierungskredit abgelehnt, bedeutet das nicht, dass automatisch das vom Gegenkomitee vorgeschlagene Projekt umgesetzt wird, sondern dass wir wieder ganz am Anfang stehen. Dann fallen erneut zahlreiche Kosten an, denn der gesamte Prozess müsste von vorne beginnen: Es braucht wieder eine Ausschreibung, es muss erneut ein Projekt ausgewählt werden – alles wird sich um Jahre verzögern.
Ich finde es ehrlich gesagt frech, in einem Abstimmungskampf zu einem Projektierungskredit – also über ein Projekt, das über Jahre bereits professionell und nach den geltenden Regeln unter Miteinbezug von Schule, Gemeinde- und Bauverwaltung sowie Gemeinderat ausgewählt wurde – plötzlich ein völlig neues Projekt ins Spiel zu bringen. Das wäre ja auch früher möglich gewesen. Aber darum geht es hier nicht. Es geht nicht um ein neues Projekt, sondern um den Projektierungskredit für ein bestehendes Projekt, das schon längst fällig gewesen wäre – um ein verlottertes und vor zehn Jahren zum Abriss bestimmtes Provisorium.
Bei einem Kostenvoranschlag, der lediglich zu gut der Hälfte mit aktuellen Unternehmerofferten unterlegt ist, von einer Genauigkeit von plus/minus 10 Prozent zu sprechen, finde ich frech und anmassend. Das ist für mich unseriös. Ich stimme Ja zur Zukunft unserer Schule, für unsere Gemeinde und für unsere Kinder.
Sophia Bieder, Gelterkinden
Valide Planung statt Irreführung
Mit 1,3 Prozent übertrifft Gelterkinden das kantonale Wachstum (0,8 Prozent) deutlich. Projekte wie «Eifeld» und «Maren» beweisen unsere Attraktivität für Investoren und junge Familien – die Basis unserer künftigen Steuerkraft. Dieser Zuzug erfordert zwingend eine moderne Bildungsinfrastruktur. Die Anziehungskraft unserer Gemeinde entscheidet sich massgeblich an der Qualität der Lernräume.
Wir entscheiden am 26. April über den Projektierungskredit für den «Campus Loggia». Ein Vergleich mit der für mich irritierenden Initiative «Ratio» zeigt fundamentale Differenzen: Der «Campus Loggia» ist ein umfassend geprüftes, demokratisch legitimiertes Wettbewerbsprojekt (Ausschreibung 2023). Demgegenüber steht «Ratio» als ungeprüftes Konzept einer privaten Initiative, das Fachgremien umgeht und Verfahrenssicherheit vermissen lässt.
Auch in der finanziellen Bewertung zeigen sich klare Risiken: Dank detailliertem Vorprojekt besitzt die Kostenschätzung für den «Campus Loggia» eine hohe Validität. «Ratio» operiert mit einer schein- baren Präzision von plus/minus 10 Prozent, was für diesen frühen Planungsstand äusserst unüblich und riskant ist. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen und wir Stimmbürger an der Nase herumgeführt.
Ich schätze die seriöse Arbeit und Kompetenz unserer gewählten Behörden. Ich kann den Beweggründen der privaten Gruppe sogar etwas Positives abgewinnen, nicht aber deren Vorgehen: Statt auf Dialog und Transparenz zu setzen, entsteht der Eindruck, man betrachte uns Bürger und die Behörden als unmündig. Wer sich über das Stimmvolk stellt, wertet unsere demokratischen Prozesse ab.
Ich lege mit Überzeugung ein Ja zum Projektierungskredit Campus Loggia in die Urne. Ich vertraue darauf, dass die Energie von Befürwortern und Kritikern konstruktiv genutzt wird, statt durch Blockadepolitik die Zukunft unserer Schule und Gelterkindens Wachstum zu gefährden. Es ist Zeit, gemeinsam voranzuschreiten.
Andreas Biland, Gelterkinden Konstruktive Alternative
Ich habe grosse Freude gehabt, dass Gegner des zur Abstimmung stehenden Projektierungskredits detailliert dargestellt haben, dass ihr Nein sachlich begründet ist und wie sie dazu kommen. Die noch grössere Hochachtung habe ich vor dem Aufwand, den sie eingesetzt haben, um eine sinnvolle Alternative zu erarbeiten und damit zu zeigen, dass mit weniger Mitteln ebenfalls ein sinnvolles Ergebnis erzielt werden kann. Dies ist keinem Gelterkinder Steuerzahler zu verdenken.
Beim Lesen der Leserbriefe des Pro-Komitees finde ich es stossend, dass ein Nein zum Projekt mit einem Nein zu Kindern gleichgestellt wird. Diese emotionale Vermischung erscheint mir manipulativ.
Dörthe Euskirchen, Zunzgen Jekami
Dem Vernehmen nach findet diesen Samstag ab 17 Uhr auf dem Gelterkinder Dorfplatz ein fröhliches Happening statt. Frei nach dem Motto «Wir basteln unser Schulhaus selbst» darf unter der Anleitung altgedienter Politpromis und tüchtiger Un- ternehmer munter geklebt, gekleistert, geschnipselt und gesägt werden. Mitbringen: Holzreste, Kartonschachteln, Altpapier, Laubsägeli, Pinsel, Bostitch und Klebstreifen. Die ganze Bevölkerung ist zu diesem Jekami herzlich eingeladen.
Das ist natürlich ein verspäteter Aprilscherz. Das von einer Unternehmer- und Politikergruppe präsentierte Schulhausprojekt «Ratio» hingegen nicht. Der Vorschlag kommt als seriös geplante Alternative zum Projekt «Campus Loggia» daher, könnte sich aber als Wundertüte, Mogelpackung und Luftschloss erweisen. So fällt es schwer zu glauben, dass die Arbeitsgruppe innerhalb von fünf Wochen (ohne Architekt?) ein Projekt, das punkto Kosten und Qualität einem Vergleich mit dem Projekt «Campus Loggia» standhält, aus dem Boden stampfen konnte.
Ausserdem könnte der Entwurf zur Annahme (ver-)führen, das Gelterkinder Stimmvolk hätte die Wahl zwischen «Ratio» und «Campus Loggia». Die Abstimmung vom 26. April ist aber keine Auswahlsendung. Sollte der Projektierungskredit für «Campus Loggia» abgelehnt werden, folgt nicht automatisch das Projekt «Ratio». Es bräuchte nochmals eine zeitaufwendige Ausschreibung. Der Bezugstermin Sommer 2029 scheint mir bei einem neuen Projekt eine Illusion zu sein.
Der Entwurf «Ratio» birgt also Täuschungen und Enttäuschungen in sich. Deshalb sagt meine Ratio Ja zum Projektierungskredit für «Campus Loggia».
Adrian Meyer, Gelterkinden Ein Ja für die Primarschule
Ich stimme Ja zum Projektierungskredit für die Primarschule Gelterkinden. Die Aussage des Referendumskomitees, das Schulhaus sei viel günstiger zu haben, empfand ich als eher anmassend. Nun haben vier Fachleute in nur fünf Wochen ein fertiges Projekt vorbereitet, dessen Kosten massiv tiefer sind und das erst noch weiter ausgearbeitet sei als das Abstimmungsprojekt. Solche Heldengeschichten gibt es nur im Film. Sie sind aber leider nicht real.
Das Projekt «Campus Loggia» wurde in vielen Gremien und Kommissionen von Fachleuten erarbeitet und ist seriös auf die Bedürfnisse der Gemeinde Gelterkinden ausgerichtet. Ich vertraue all diesen Leuten, die auf vielen Ebenen mitgearbeitet haben. Das Projekt muss nun nur noch fertig projektiert und dann vor allem rasch gebaut werden. Deshalb fordere ich die Gelterkinderinnen und Gelterkinder auf, mit mir Ja zu stimmen.
Adrian Widmer, Gelterkinden Von wegen Luxusprojekt
Mit Erstaunen habe ich als Architekt die Behauptung von einem Luxusbau des projektierten Schulhauses zur Kenntnis genommen. Beim vorliegenden Projekt handelt es sich jedoch um einen einfach strukturierten Bau mit hoher Flexibilität und spannenden Freiräumen für die Schüler.
Nun geht es ja im Moment um die Ausarbeitung des Projekts und das Erfassen der effektiven Kosten. Es ist deshalb müssig, jetzt schon von zu hohen Kosten zu sprechen. Abgesehen davon wäre es ratsam, wenn wir das Vertrauen in den Gemeinderat stärken würden und ihm die Fähigkeit für eine kompetente kostenbewusste Begleitung des Projekts zutrauen. Ich bin für einen klares Ja für den Projektierungskredit, ansonsten sich eine Realisierung des Schulhauses um Jahre verzögern würde.
Dominik Wyss, Gelterkinden

