Alt-Kommandanten sind verstummt
29.10.2026 BaselbietVerbundfeuerwehren zwingen den Chor in die Knie
Vielen Chören hierzulande fehlt der Nachwuchs. Das trifft auch für den Chor der Alt-Kommandanten der Baselbieter Feuerwehren zu, der kürzlich den letzten öffentlichen Auftritt hatte. Ob es eine Zukunft in anderer Form ...
Verbundfeuerwehren zwingen den Chor in die Knie
Vielen Chören hierzulande fehlt der Nachwuchs. Das trifft auch für den Chor der Alt-Kommandanten der Baselbieter Feuerwehren zu, der kürzlich den letzten öffentlichen Auftritt hatte. Ob es eine Zukunft in anderer Form gibt, ist offen.
Otto Graf
1999 wurde der Alt-Kommandantenchor in der «Chornschüre» der Bürgergemeinde Liestal auf der Sichtern aus der Taufe gehoben. Am 23. November 2004 wurde aus dem Chor formell ein Verein. Die Gründer – rund 40 ehemalige Feuerwehrkommandanten und deren Stellvertreter – verpflichteten sich, das traditionelle Liedgut, aber auch die Kameradschaft zu pflegen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Einzig die öffentlichen Auftritte sind Geschichte, zumindest vorläufig, wie Vereinspräsident Beat Binggeli aus Tecknau, im Gespräch mit der «Volksstimme» sagt.
Bereits im Jahr 2024 hätten die Sänger an einer ausserordentlichen Vereinsversammlung beschlossen, inskünftig auf die öffentlichen Auftritte zu verzichten. So liess der Chor anlässlich der Verabschiedung von Feuerwehrinspektor Werner Stampfli vor wenigen Tagen seine Lieder erklingen, letztmals vor Publikum. «Die fehlenden Stimmen haben uns bewogen, unter die gesanglichen Aktivitäten einen Schlussstrich zu ziehen», begründete Binggeli den Entscheid, der in Absprache mit Dirigentin Doris Hirsbrunner fiel.
Der Hintergrund: Weil mit der steigenden Anzahl der Verbundfeuerwehren die Zahl der eigenständigen Dorffeuerwehren kontinuierlich sank, gingen parallel dazu zwangsläufig immer weniger Kommandanten und Vizekommandanten nach Beendigung ihrer Dienstzeit in Pension.
Diesem Rückgang begegnete der Chor mit einer Statutenänderung und lockerte die Beitrittsbedingungen. Danach konnte jedermann, der gerne singt und eine feuerwehrfreundliche Gesinnung mitbringt, dem Verein beitreten. Die Öffnung vermochte den Rückgang der aktiven Sänger jedoch nicht aufzuhalten. Heute zählt der Verein nur noch 21 Aktive, alles Männer. Von diesen waren 13 schon bei der Gründung dabei. Folglich blieb dem Verein keine andere Wahl, als die Segel zu streichen. Geblieben sind jedoch die internen Anlässe zur Pflege der Kameradschaft und die Ausflüge. Oft sind auch die Frauen der Sänger dabei. Der Verein existiert jedoch weiter, nicht nur auf dem Papier.
Premiere im Ausbildungszentrum
In der Blütezeit verzeichnete der Verein mit 47 Aktiven den Höchststand an Sängern. Geprobt wurde jede zweite Woche im Lausner Gemeindesaal. Der Verein gehört keinem Dachverband an, der Chor nahm aber regelmässig an Gesangsfesten teil, auch in anderen Kantonen. Der Jahresbeitrag beträgt 100 Franken. Passivmitglieder entrichten jährlich 25 Franken. Bei der Gründung stand Max Ritter aus Wenslingen dem Chor als Präsident vor. Ihm folgte Eugen Schery, Lausen. Aktuell präsidiert wie erwähnt Beat Binggeli die Sänger. Moritz Suter war der erste Dirigent. Danach folgten Johannes Müller, Christian Furrer und Doris Hirsbrunner.
Der erste öffentliche Auftritt war die Einweihung des Interkantonalen Feuerwehrausbildungszentrums (IFA) in Balsthal im Jahr 2000. Der Chor, zu dessen Förderern unter anderem Bernhard Fröhlich, der frühere Direktor der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (BGV), gehörte, war und ist im Volk sehr beliebt. Zu den festen Anlässen sind ausserdem das jährliche Kommandantentreffen der BGV, Geburtstagsfeiern und Gesangsfeste zu zählen.
Das Repertoire der Sänger umfasst etwa 30 Titel, die in einem vereinsspezifischen Liederbuch enthalten sind. Die Liederkommission und die Dirigentin, beziehungsweise der Dirigent, bestimmen, was gesungen wird. Spitzenreiter der Lieder ist nicht überraschend der Titel «Mir sy vo der Füürwehr». Auch «Am beschte isch e Füürwehrmaa» und andere heimatverbundene Lieder gehören zum Repertoire.
Instrumental begleitet wird der Chor von Max Ritter mit der Handorgel oder am Klavier. An einem Gesangsfest in Aarau unterstrich der Chor mit dem «sehr gut», dass er auf nationaler Ebene anderen Chören musikalisch durchaus ebenbürtig ist. Zu den öffentlichen Auftritten gehört auch das entsprechende Tenü: schwarze Hose, weisses Hemd mit Feuerwehrkrawatte und Kittel.
Die Frage, ob es eine Renaissance gibt, mochte Präsident Beat Binggeli nicht generell verneinen und meint: «Eine Fortsetzung in der bisherigen Form wird es nicht geben.» Da aber der Verein nach wie vor existiert und sich die Mitglieder im «Kanonechügeli» in Liestal regelmässig treffen, ist die Hoffnung auf eine neue Zukunft noch nicht begraben. Um den Anschluss nicht zu verpassen, haben sich einige Sänger anderen Chören angeschlossen, wo sie ihre kräftigen Stimmen in Schuss halten können. Noch ist nicht aller Tage Abend, und die Hoffnung stirbt zuletzt. Das gilt auch für den Alt-Kommandantenchor.

