«Alles hat seine Zeit»
18.08.2026 Bubendorf«BabyBudget» schliesst seine Türe
Bald geht eine Ära zu Ende, Isabelle Gächter schliesst ihr Kinderfachgeschäft nach 30 Jahren für immer. Kein einfacher Entscheid, aber das Positive und die vielen schönen Erfahrungen überwiegen.
...«BabyBudget» schliesst seine Türe
Bald geht eine Ära zu Ende, Isabelle Gächter schliesst ihr Kinderfachgeschäft nach 30 Jahren für immer. Kein einfacher Entscheid, aber das Positive und die vielen schönen Erfahrungen überwiegen.
Brigitte Keller
«Ich im Verkauf? Niemals …», hatte Isabelle Gächter, die gelernte Arzthelferin, vor langer Zeit einmal gedacht und auch zu ihrem Mann gesagt. Das ist längst zur Anekdote geworden, denn was dann folgte, war der erfolgreiche Auf- und permanente Ausbau des Kinderfachgeschäfts «BabyBudget» in Bubendorf. 30 Jahre hatte es Bestand und war weitherum bekannt für sein breit gefächertes Angebot an Neuwaren in allen Preislagen wie auch an Secondhand-Artikeln. Jetzt, Ende des Monats, schliesst das Geschäft.
Begonnen hatte alles vor mehr als 35 Jahren mit Freunden in Polen und dem dortigen Angebot an Kinderwagen. Das Ehepaar Isabelle und Philipp Gächter befasste sich gerade mit der Familienplanung, und sie erkannten bei Besuchen in Polen, dass es dort eine grosse Kinderwagenindustrie gab. Aus Interesse entstanden erste Geschäftskontakte und die Gächters fingen an, aus Freude an der Sache nebenbei Kinderwagen zu importieren.
Rasches Wachstum
Für die ersten Importe konnten die Gächters einen Raum in der Gelterkinder Allmend als Ausstellungsfläche nutzen. Als dieser nicht mehr zur Verfügung stand, wurde Isabelle Gächter auf eine private Kinderkleiderbörse in Bubendorf aufmerksam und durfte dort in der Folge die Kinderwagen platzieren. Als die Betreiberin der Börse wegzog, wagte Isabelle Gächter den Schritt in die Selbstständigkeit und mietete sich in einer alten Gewerbeliegenschaft im Bubendörfer Unterdorf ein. Das war der offizielle Start von «BabyBudget» im Juni 1996.
Das Anfangssortiment bestand hauptsächlich aus Secondhand-Ware, Neuware machte damals erst etwa 20 Prozent aus, wie Gächter erzählt. Sortiment und Umsatz wuchsen rasant, Keller- und Estrichräume füllten sich ebenfalls und ein externer Lagerraum musste dazu gemietet werden. Beim Blick zurück fällt der Geschäftsfrau ein, wie eines Tages ein Kind Schlittschuhe anprobierte und dann auf dem Boden des Ladens seine ersten Bahnen zog. Die Kufen und der Boden seien danach beschädigt gewesen: «Heute können wir darüber lachen.»
Bald einmal platzte das Geschäft aus allen Nähten. «Entweder hören wir auf oder wir machen einen Quantensprung», sagte sich Geschäftsinhaberin Gächter. Sie entschied sich für das Zweite, und nach intensiver Planungszeit konnte im Dezember 2005 das neue, aus zwei grosszügigen Stockwerken bestehende Lokal an der Hauptstrasse 20 bezogen werden. «Wir haben immer etwas gewagt in unserem Leben», sagt Isabelle Gächter, «von nichts kommt nichts.»
«In den Spitzenjahren waren wir sechs Leute, wir arbeiteten immer zu zweit, mittwochnachmittags und samstags gar zu dritt», erzählt Gächter. «Es waren wunderschöne Jahre mit vielen tollen Begegnungen und Gesprächen.» Man habe Kinder auf die Welt kommen und aufwachsen sehen – auch im eigenen Team – und in den letzten Jahren hätten sie diese Söhne und Töchter erneut im Geschäft begrüssen dürfen, da diese selber Eltern wurden respektive werden.
Doch die Zeiten und Einkaufsgewohnheiten ändern sich. Hätten sie früher Aktionen mit 20 Prozent Rabatt gemacht, seien die Leute Schlange gestanden. Eine wirklich harte Probe für ihr Geschäft seien die Einschränkungen durch Corona und deren Auswirkungen gewesen, fährt Gächter fort. Viele seien danach beim Online-Einkauf geblieben.
Produkte wie Schoppenflaschen und Nuggis aus ihrem Sortiment seien regelmässig im Kantonslabor getestet und für sicher befunden worden. «Die Leute, die direkt in China bestellen, gehen ein grosses Gesundheitsrisiko ein», findet Isabelle Gächter. Sie ist der Meinung, es müsste mehr und besser kontrolliert werden.
Ausverkauf läuft
Seit der Entschluss zur Aufgabe des Geschäfts gefallen ist, gibt es 70 Prozent Rabatt auf die gesamte Neuware. Ausgenommen davon ist das Sortiment an Secondhand-Ware, welche «Baby-Budget» über all die Jahre ebenfalls angeboten hat. «Das blieb immer unsere Philosophie, damit für alle etwas Erschwingliches dabei war.» Auch wenn es finanziell nicht sehr lukrativ und mit sehr viel Arbeit verbunden gewesen sei, bot «BabyBudget» bis zum Schluss Kleider und Spielsachen in Kommission aus zweiter Hand an.
«Alles hat seine Zeit», sagt Isabelle Gächter. Die Bestände haben sich schon stark gelichtet. Viele Kinderzimmermöbel und Gebrauchsgegenstände sind bereits verkauft, und sogar der Dekohase, der die letzten Jahre immer zur Osterzeit im Laden seinen Auftritt hatte, hat ein neues Daheim gefunden. Einzig Kinderkleider hat es noch reichlich, und Isabelle Gächter und ihre Angestellten hoffen, dass noch möglichst viele Kundinnen und Kunden vom Ausverkauf bis Ende August Gebrauch machen.
Auch wenn der Abschied schwerfällt, freut sich die 63-Jährige darauf, endlich mehr Zeit für Ausritte mit ihrem Pferd, den Garten und weitere Hobbys wie Fasnacht machen zu haben. Zudem wird Isabelle Gächter im Herbst erstmals Grossmutter. Bevor es aber so weit ist, werden die noch vorhandenen Kinderartikel, insbesondere auch die momentan nicht nachgefragten Winterartikel, bis Ende Dezember noch in einem Pop-up-Store im «Outlets» Murgenthal angeboten. Was dann noch übrigbleibt, soll an Institutionen wie die Berghilfe oder das Jugendsozialwerk gespendet werden. «Weggeworfen wird bei mir nichts.»

